Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Prosakommentar · Deutsche Neufassung

Dazhis Daodejing-Kommentar

Ausgehend von der Mawangdui-Seidenhandschrift liest diese Ausgabe Laozis Text weder als mystische Kosmologie noch als Sammlung zeitloser Sinnsprüche. Sie rekonstruiert seine Argumente in natürlichem Deutsch und verfolgt die wiederkehrenden Linien von Dao, De, Konstrukt und Rest.

Einleitung

Einundachtzig Kapitel – und doch nur wenige Gedanken

Warum das Daodejing nicht als Folge isolierter Aphorismen, sondern als Geflecht wiederkehrender Gedanken gelesen werden sollte.

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Kapitel 1

Das aussprechbare Dao

„Dao ke dao, fei heng dao“: Die erste Zeile als Aussage über Sprache, Konstrukt und den unaufhebbaren Rest.

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Kapitel 2

Schön und hässlich

Wie jede gesetzte Norm ihr Gegenstück hervorbringt und warum der Weise wirkt, ohne sich das Gewirkte anzueignen.

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Kapitel 3

Die Tüchtigen nicht auf einen Sockel stellen

Warum „die Tüchtigen nicht erhöhen“ keine Politik der Verdummung, sondern eine Kritik institutionalisierter Rangzeichen ist.

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Kapitel 4

Die quellende Leere

Dao als unerschöpfliche Position: leer, wirksam und jedem höchsten Herrschaftskonstrukt voraus.

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Kapitel 5

Warum nur fünftausend Zeichen?

„Himmel und Erde sind nicht ren“: Gegen moralische Etiketten und für eine Sprache, die den inneren Raum offen hält.

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Kapitel 6

Das Bachtal und die Mutter

Das Bild der „dunklen Weiblichkeit“ als fortdauernder Lebensprozess, nicht als mystisches Weltwesen.

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Kapitel 7

Langes Leben ohne Selbstbehauptung

Warum Dauer nicht durch ständige Sicherung des eigenen Bildes, sondern durch dessen Entlastung entsteht.

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Kapitel 8

Wie Wasser

Wasser als konkrete Gestalt von Wirksamkeit, Tiefe und Nicht-Streiten.

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Kapitel 9

Das Werk vollenden und zurücktreten

Vier Fallen der Überformung und der Unterschied zwischen einem vollzogenen und einem besessenen Erfolg.

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Kapitel 10

Leib und Seele zusammenhalten

Sechs Prüfungen für einen Menschen, der Körper, Bewusstsein, Regierung, Wahrnehmung und Wissen nicht voneinander abreißt.

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Kapitel 11

Den Platz frei lassen

Rad, Gefäß und Haus zeigen: Leere ist kein Mangel, sondern ein bewusst unbesetzter Teil jeder brauchbaren Form.

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Kapitel 12

Fünf Farben sind kein Farbenrausch

Wie festgelegte Sinneskategorien Wahrnehmung verengen und warum der Weise für den Bauch statt für das Auge regiert.

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Kapitel 13

Gunst und Schmach

Ehre und Schande erschüttern dasselbe konstruierte Selbst; Verantwortung beginnt, wenn dieser Körper durchsichtig wird.

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Kapitel 14

Das Dao der Gegenwart ergreifen

Das unsichtbare, unhörbare und ungreifbare Eine ist kein Jenseits; sein Rhythmus lässt sich nur im Jetzt erfassen.

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Kapitel 15

Sieben Schnappschüsse aus dem Alltag

Laozis Porträt der alten Dao-Praktiker: vorsichtig, offen und nie bis zur Erstarrung „voll“.

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Kapitel 16

Zwei Wege

Den wirklichen Zustand wahren, Rückkehr beobachten und zwischen blindem Eingreifen und tragfähiger Weite wählen.

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Kapitel 17

Vier Stufen des Regierens

Die Qualität einer Führung zeigt sich daran, wie wenig sie die Aufmerksamkeit der Geführten an sich bindet.

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Kapitel 18

Das Aushängeschild

Wenn große Tugendwörter auftauchen, können sie Symptome des Verlusts sein, den sie verdecken sollen.

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Kapitel 19

Haben, ohne ein Schild daraus zu machen

Weisheit besitzen, ohne sie anderen aufzuzwingen: ein Porträt des Könnens ohne Selbstdarstellung und der Freiheit, selbst zu urteilen.

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Kapitel 20

Ich und ich

Laozis einziges ausführliches Selbstporträt: keine Feier der Einsamkeit, sondern die Wahl einer anderen Nahrungsquelle.

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Kapitel 21

Was in der Mutter liegt

Bild, Ding und Essenz als Weg nach innen: über die nährende Quelle und den Halt des Urteilens.

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Kapitel 22

Nicht an sich reißen

Nicht an sich reißen ist keine Siegesgarantie: sechs Paare über Handeln, Selbstdarstellung und Streit.

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Kapitel 23

Leise reden heißt nicht wenig reden

Nicht nur die Menge der Worte zählt, sondern der Raum für eigenes Urteil, Ablehnung und Antwort.

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Kapitel 24

Ich bin schon so weit

Leistung anerkennen und ausruhen dürfen: vergangener Erfolg soll den Blick auf die Gegenwart nicht schließen.

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Kapitel 25

Das Dao folgt dem Von-selbst-so

Das Dao und das Von-selbst-so: Bedingungen anerkennen, ohne das eigene Gesetz einer Autorität zu überlassen.

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Kapitel 26

Ein Trosswagen und die halbe Welt

Laozi als Archivar erinnert Regierende: Leichtigkeit braucht Gewicht, Eingreifen braucht Erkenntnis des Rhythmus.

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Kapitel 27

Gut heißt nicht gütig

Wirksam handeln ohne angreifbare Außenschablone und jeden Menschen nach seiner wachsenden Möglichkeit statt nach seinem Etikett betrachten.

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Kapitel 28

Der Edle ist kein Werkzeug

Männlich und weiblich, Ehre und Schande, Weiß und Schwarz kennen – und dennoch die nicht festgelegte Ganzheit bewahren.

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Kapitel 29

Handeln, ohne die Welt zu besitzen

Die Welt ist ein heiliges Gefüge, kein kontrollierbares Objekt; wer sie erzwingt, zerstört ihre gegenläufigen Bewegungen.

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Kapitel 30

Frucht tragen, nicht die Frucht an sich reißen

Gewalt erzeugt Rückwirkung; ein gelungenes Ergebnis darf weder zum Beweis eigener Stärke noch zur dauerhaften Machtposition werden.

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Kapitel 31

Wer siegt, soll weinen

Waffen bleiben unheilvolle Geräte; selbst notwendige Gewalt ist rasch zu beenden und niemals ästhetisch zu verherrlichen.

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Kapitel 32

Grenzen kennen und Fragen zulassen

Namen und Systeme vermehren sich aus sich selbst; Dao bewahren heißt, ihre nützliche Ausbreitung rechtzeitig zu begrenzen.

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Kapitel 33

Wahre Stärke richtet sich nach innen

Andere erkennen ist klug; sich selbst erkennen ist hell. Andere überwinden ist Kraft; sich selbst überwinden ist Stärke.

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Kapitel 34

Sich nicht zum Großen erklären

Dao vollbringt, besitzt nicht und herrscht nicht; gerade diese kleine Position lässt wirkliche Größe entstehen.

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Kapitel 35

Was nach Musik und Essen bleibt

Kurzfristiger Reiz zieht Vorübergehende an; der unspektakuläre Gebrauch des Dao erschöpft sich nicht.

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Kapitel 36

Kein Handbuch der Intrige

Ausdehnung und Einziehung, Stärke und Schwäche sind Strukturbewegungen – keine Einladung, Gegner durch List zu manipulieren.

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Kapitel 37

Zurücktreten, ohne Fürsorge abzuziehen

Wenn Herrschende das namenlose Dao bewahren, entwickeln sich die Dinge selbst und die Welt findet ihre eigene Ordnung.

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Kapitel 38

Mehr als die Worte an der Wand

Von De über Menschlichkeit und Gerechtigkeit bis zum Ritual: Wie gelebte Ordnung in erzwungene Form absinkt.

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Kapitel 39

Wer alles festhalten will, verliert es

Himmel, Erde und Herrschende bestehen durch das Eine; absolute Reinheit, Fülle und Rang zerstören ihre eigene Grundlage.

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Kapitel 40

Raum zur Rückkehr, Raum zum Wachsen

Jedes Extrem kehrt um; die noch schwache, entstehende Position ist deshalb die eigentliche Bewegungskraft des Dao.

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Kapitel 41

Nicht erst spät ein großes Gefäß

Die beste Mawangdui-Lesart widerspricht dem Sprichwort vom spät reifenden Talent: Wirkliche Größe bleibt unverfügbar offen.

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Kapitel 42

Stärke, die nicht beherrschen muss

Aus dem Einen entstehen Differenz und Beziehung; Stärke ohne Biegsamkeit widerspricht dieser Grundbewegung.

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Kapitel 43

Nicht immer härter werden

Das Weichste bewegt sich durch das Härteste, weil es keinen starren Angriffspunkt braucht.

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Kapitel 44

Was kostet es, alles festzuhalten?

Name, Besitz und Gewinn gegen das eigene Leben abwägen; Genug und Grenze kennen, bevor der Griff zerstörerisch wird.

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Kapitel 45

Größe muss nicht nach Größe aussehen

Große Vollendung wirkt unvollständig, große Fülle leer, große Geschicklichkeit unbeholfen.

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Kapitel 46

Wann aus einem Wunsch ein Muss wird

Vom ersten begehrenswerten Gegenstand bis zum Zwang, ihn besitzen zu müssen: drei Stellen, an denen Begehren noch gewendet werden kann.

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Kapitel 47

Die Antwort liegt nicht immer weiter draußen

Erkenntnis hängt nicht von der Menge äußerer Eindrücke ab, sondern von der Tiefe, in der man den gegenwärtigen Ort lesen kann.

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Kapitel 48

Was wir nicht mehr mittragen müssen

Für Gelehrsamkeit täglich hinzufügen; beim Hören auf Dao täglich Konstruktionen abbauen, bis Handeln ohne Schild möglich wird.

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Kapitel 49

Die Hand, die nicht immer zugreift

Der Weise setzt kein festes eigenes Herz über die Menschen; er behandelt auch Unfertige und Unzuverlässige so, dass Entwicklung möglich bleibt.

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Kapitel 50

Das Leben nicht mit seiner Bewachung verwechseln

Übertriebene Lebenssicherung schafft die Gefahren, vor denen sie schützen soll; wirkliche Sicherheit bietet keinen festen Angriffspunkt.

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Kapitel 51

Helfen, ohne einen Menschen in Besitz zu nehmen

Dao und De bringen hervor, nähren und schützen, ohne Besitz, Verdienst oder Herrschaft aus der Gabe zu gewinnen.

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Kapitel 52

Bei den Früchten die Wurzeln nicht vergessen

Von der Mutter zu den Kindern und zurück: äußere Ergebnisse verstehen, ohne die tragende Quelle durch Reiz und Aktivität zu verlieren.

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Kapitel 53

Wenn der Diebstahl einen Ehrenplatz hat

Nicht der kleine Dieb, sondern der Amtsträger, der seine Stellung genießt und ihre tragende Arbeit preisgibt.

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Kapitel 54

Bei sich anfangen, ohne die Welt mit sich zu verwechseln

Dasselbe De entfaltet sich in Person, Familie, Ort, Staat und Welt, doch jede Ebene muss mit ihren eigenen Augen gesehen werden.

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Kapitel 55

Was eine kleine Hand festhalten kann

Vollständiges De gleicht dem Säugling: weich, unangestrengt und im Einklang mit dem tragenden Lebensrhythmus.

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Kapitel 56

Zugehören, ohne sich auszuliefern

Wirkliches Verstehen braucht kein redendes Etikett; Schärfe, Licht und Staub werden in einer nicht extremen Gemeinsamkeit gehalten.

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Kapitel 57

Wenn die nächste Regel das Problem vergrößert

Verbote, scharfe Werkzeuge und immer neue Regeln erzeugen die Abweichungen, die sie bekämpfen sollen.

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Kapitel 58

Was der Erfolg noch nicht erzählt

Lockere Regierung und das Ineinander von Glück und Unglück lehren, auch günstige Zustände nicht bis zum Extrem zu treiben.

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Kapitel 59

Etwas für das weitere Leben übrig lassen

Se bedeutet Kräfte sammeln statt ausbrennen; tiefe Wurzeln ermöglichen Verantwortung und lange Dauer.

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Kapitel 60

Den Fisch nicht aus Sorge zerlegen

Ein großes Land regieren gleicht dem Braten kleiner Fische: Zu viel Eingriff zerreißt, was durch maßvolle Hitze selbst gar wird.

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Kapitel 61

Wer mehr Macht hat, muss mehr Raum lassen

Das große Land gewinnt wie der Unterlauf eines Flusses: durch Empfangen, Ruhe und eine Position unter dem kleineren.

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Kapitel 62

Die Vergangenheit muss nicht das letzte Wort behalten

Dao ist Zuflucht aller Menschen, Schatz der Handelnden und Schutz auch derer, die noch nicht gut handeln.

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Kapitel 63

Bevor wir sagen: Das ist doch leicht

Großes beginnt klein; Nicht-Erzwingen, Nicht-Geschmack und ein nicht vergeltendes Verhältnis verhindern, dass kleine Reste zu großen Krisen wachsen.

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Kapitel 64

Am Ende noch einmal so aufmerksam wie am Anfang

Im noch Ungeformten handeln, aus dem Kleinsten wachsen lassen und am Ende so sorgfältig bleiben wie am Anfang.

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Kapitel 65

Wenn einer alles weiß, lernen die anderen zu warten

Die oft als Verdummungspolitik gelesene Passage kritisiert das Selbst des Wissenden, das seine Maßstäbe in andere hineinsetzt.

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Kapitel 66

Führen, ohne auf den anderen zu lasten

Flüsse und Meere werden Könige der Täler, weil sie unter ihnen liegen; Führung beginnt mit niedriger Sprache und zurückgestellter Person.

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Kapitel 67

Mut beginnt damit, dass uns etwas nicht gleichgültig ist

Drei Schätze – Fürsorge, Sparsamkeit und Nicht-Vorangehen – bewahren die Wurzeln von Mut, Weite und Führung.

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Kapitel 68

Stärke muss nicht fortwährend Stärke zeigen

Nicht martialisch, nicht zornig, nicht im direkten Gegenüber und beim Menschenführen unten: die alte Spitze des Nicht-Streitens.

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Kapitel 69

Gefährlich wird es, wenn wir uns für unbesiegbar halten

Im Konflikt lieber Gast als Gastgeber sein; wer keinen Gegner konstruiert, bewahrt Fürsorge und sieht die wirkliche Gefahr.

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Kapitel 70

Einen Satz kennen und nach ihm leben

Laozis Worte sind leicht zu verstehen, doch ihr Ursprung kann nicht als fertiges Wissen in einen anderen Menschen gegossen werden.

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Kapitel 71

Die unbeschrifteten Stellen auf der eigenen Karte

Die Frage ist noch nicht ganz ausgesprochen, da liegt die Antwort schon auf dem Tisch. Natürlich geht das. Natürlich ist dieser Weg richtig. Die Einwände kennt man angeblich längst; sie…

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Kapitel 72

Sich achten, ohne andere kleiner zu machen

Manche Menschen wissen recht gut, was sie können. Sie müssen vor einer Entscheidung nicht erst ihren Wert verhandeln. Wenn etwas ihre Grenzen verletzt, sagen sie Nein. Trotzdem entsteht…

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Kapitel 73

Der Mut, eine Möglichkeit ungenutzt zu lassen

Der Text steht auf dem Bildschirm. Noch eine Berührung, und die Antwort wäre unterwegs: scharf, treffend, so formuliert, dass der andere sie nicht leicht übergehen könnte. Wir lesen sie…

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Kapitel 74

Wer nach der Axt greift, muss weiterdenken als bis zum Schlag

Die Fachperson erklärt gerade, warum der vorgeschlagene Weg nicht ohne Weiteres funktioniert. Sie hat zwei Bedingungen genannt, die dritte fehlt noch. Da unterbricht jemand mit höherem…

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Kapitel 75

Wenn schon der Alltag alle Kraft verbraucht

Früher fragte er nach. Eine Aufgabe war abgegeben, doch er wollte wissen, was daraus geworden war. In Besprechungen hatte er Ideen, manchmal auch unbequeme Einwände. Inzwischen erledigt…

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Kapitel 76

Fest bleiben, ohne zu erstarren

„So bin ich nun einmal“ kann eine Grenze bezeichnen. Jemand erklärt, was ihm wichtig ist und weshalb er einer Forderung nicht nachgeben will. Derselbe Satz kann aber auch jede weitere…

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Kapitel 77

Wohin der nächste Löffel geht

Ein Team hat gute Ergebnisse erzielt. Bei der nächsten Verteilung erhält es zusätzliche Stellen und mehr Geld. Ein anderes kommt kaum voran und kann deshalb schwerer begründen, warum es…

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Kapitel 78

Wer bleibt, wenn die Nachricht schlecht ist?

Solange das Projekt gelingt, lässt sich leicht erzählen, wer die Richtung festgelegt, wer entschieden und wer an der Sache festgehalten hat. Nach dem Scheitern verändert sich die…

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Kapitel 79

Was nach der Einigung noch bleibt

Der Streit wurde beigelegt. Zuständigkeiten sind geklärt, ein Verlust wird ersetzt, beide Seiten haben dem Ergebnis zugestimmt. Die vermittelnde Person atmet auf. Endlich kann die…

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Kapitel 80

Wenn das Essen auf dem eigenen Teller wieder schmeckt

Ein kleiner Staat, wenige Menschen. Geräte bleiben unbenutzt, Boote liegen am Ufer, Waffen werden nicht aufgestellt. Aus dem Nachbarort hört man Hunde und Hühner, doch die Menschen…

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Kapitel 81

Diese letzten Sätze gelten auch uns

Einundachtzig Kapitel liegen hinter uns. Vielleicht sind einige Sätze geblieben, vielleicht haben sich andere schon wieder verloren. Ein Buch muss nicht vollständig im Gedächtnis…

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