Das große Werkzeug muss nicht fertig werden
Drei Arten, Dao zu hören
Der höchste Mensch hört von Dao und praktiziert es beharrlich. Der mittlere hört und schwankt zwischen Bewahren und Verlieren. Der untere lacht laut; würde er nicht lachen, wäre es nicht Dao. Das Lachen beweist keine Dummheit, sondern die Fremdheit eines Weges, dessen wirkliche Eigenschaften ihrer öffentlichen Darstellung widersprechen.
Der helle Weg wirkt dunkel, Voranschreiten wie Rückzug, der ebene Weg wie uneben. Hohes De scheint ein Tal, große Reinheit beschmutzt, feste Wirksamkeit unzureichend. Diese Paradoxa feiern nicht das Schlechte. Sie zeigen, dass das Nicht-Ausgestellte aus der Perspektive einer auf Schilder trainierten Welt wie sein Gegenteil aussieht.
Daqi mian cheng
Die berühmte Zeile „Ein großes Werkzeug wird spät vollendet“ beruht auf der überlieferten Lesart. In der Seidenhandschrift lässt sich mian als „der Vollendung enthoben“ lesen: Das große Werkzeug muss nicht fertig werden. Das passt genauer zur gesamten Reihe. Späte Fertigstellung bliebe eine Fertigstellung; Laozis Größe bewahrt dagegen die Möglichkeit weiterer Verwendung und Verwandlung.
Das große Quadrat hat keine abschließenden Ecken, der große Klang klingt fein, das große Bild besitzt keine feste Gestalt. Nur Dao ist gut darin, zu beginnen und zu vollenden, ohne die Vollendung zu versiegeln. Für einen Menschen bedeutet das keine Ausrede gegen Meisterschaft. Er soll seine Fähigkeiten weit entwickeln, aber nie das Schild „fertiges großes Talent“ aufstellen. Solange der Rest lebt, kann auch das große Werkzeug weiter entstehen.