Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 25

Dao folgt dem Von-sich-her-so

Ein Name unter Vorbehalt

Etwas ist ungegliedert entstanden, vor Himmel und Erde; still, weit, allein stehend und unverändert, kann es als Mutter der Welt gelten. Laozi sagt sofort, er kenne seinen Namen nicht und gebe ihm nur notdürftig den Beinamen Dao, notdürftig auch „groß“. Diese doppelte Vorsicht verhindert, dass aus Dao eine sauber definierte höchste Sache wird. Der Name weist auf eine Position, ohne sie vollständig einzufangen.

Dann zählt der Text vier Größen auf: Dao, Himmel, Erde und König. Der König ist nur eine davon. Gerade für Herrschende ist diese Einordnung scharf: Politische Macht ist weder Zentrum des Kosmos noch Quelle aller Ordnung. Sie steht innerhalb von Zusammenhängen, deren Bedingungen sie nicht produziert. Der Mensch folgt der Erde, die Erde dem Himmel, der Himmel dem Dao – Verantwortung beginnt mit der Anerkennung dieser jeweils tragenderen Ebene.

Ziran ist kein äußerer Gegenstand

Der letzte Satz „Dao fa ziran“ wird gewöhnlich mit „Dao folgt der Natur“ wiedergegeben. Doch ziran bedeutete für Laozi nicht die moderne Gesamtheit von Landschaft und Biologie. Zi heißt selbst, ran „so“. Bei den ersten drei Gliedern folgt etwas einem äußeren Bezug; beim Dao verschiebt sich die Grammatik: Dao nimmt sein Von-sich-her-so zum Maß. Es besitzt keinen noch höheren äußeren Gesetzgeber.

Daraus folgt gerade nicht, der Mensch solle einfach „seiner Natur folgen“. Absolute Selbstgesetzgebung gehört in dieser Reihe nur der äußersten Position des Dao. Ein Mensch, der sein spontanes Wollen zum letzten Gesetz erklärt, setzt ein begrenztes Ich an diese Stelle und ignoriert Erde, Himmel und andere Menschen. Für ihn lautet die Übung bescheidener: den tragenden Ebenen folgen, die eigenen Konstruktionen relativieren und nicht behaupten, das jeweils spontane Selbst sei bereits das Ganze.