Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 24

„Ich habe X bereits erreicht“

Die verborgene Setzung des Selbst

Wer auf Zehenspitzen steht, steht nicht fest; wer sich spreizt, geht nicht. Danach folgen vier Selbst-Verben: sich selbst sichtbar finden, die eigene Sicht als klar setzen, den eigenen Verdienst feststellen, die eigene Größe bestätigen. Oft liest man sie nur als öffentliches Prahlen. Doch zi bezeichnet auch die innere Zuschreibung: „Ich verstehe dieses Feld schon“, „Ich bin reif“, „Ich bin ein guter Lehrer.“ Niemand muss den Satz hören, damit er wirkt.

Sobald ich mir X als schon vorhandenen Besitz zurechne, sinkt der Grund, weiter nach X zu suchen. Wer seine Sicht für abgeschlossen hält, prüft sie weniger; wer den Verdienst besitzt, wendet Aufmerksamkeit von der Arbeit zur Bilanz; wer sich für groß hält, verliert den offenen Wachstumsraum. So entsteht die paradoxe Folge: Die Behauptung, X bereits zu haben, stoppt den Prozess, der X überhaupt hervorgebracht hat – und schließlich ist X wirklich nicht mehr da.

Übrig gebliebenes Essen und Wucherung

Der Koch kann beim Feuer nicht steif posieren. Kochen verlangt Anpassung an Hitze, Material und Zeitpunkt. Ebenso ist die zusätzliche Selbstbewertung für den wirklichen Vollzug überflüssig. Aus der Sicht des Dao sind solche Zuschreibungen wie Speisereste, die nicht verdaut werden, oder wie eine Wucherung am Körper: etwas Zusätzliches, das keine neue Funktion schafft und doch Energie beansprucht.

Kapitel 24 verbietet keine realistische Selbsteinschätzung. Für eine Aufgabe muss man wissen, was man kann. Problematisch ist der Wechsel von „Ich kann dies hier“ zu „Ich bin endgültig einer, der dies besitzt“. Als tägliche Prüfung genügt daher eine kleine Frage: Wo habe ich in letzter Zeit innerlich „bereits“ gesagt? Gerade dort könnte das scheinbar gesicherte Können aufgehört haben, lebendig zu sein. Die Alternative ist kein absichtliches Kleinmachen, sondern die Rückkehr zum Kochen selbst.