Shan heißt: etwas wirklich können
Die Wirkung erreichen, die Schablone nicht hinterlassen
„Wer gut geht, hinterlässt keine Wagenspur; wer gut spricht, keinen angreifbaren Fehler; wer gut rechnet, braucht keine Rechenstäbe; wer gut schließt, braucht keinen Riegel und doch öffnet niemand; wer gut bindet, braucht kein Seil und doch löst niemand.“ Shan bedeutet hier nicht moralisch gutherzig, sondern in einer Tätigkeit wirklich gekonnt. Die Handlung findet statt und erreicht ihre Wirkung; nur ihre konventionelle Außenschablone fehlt.
Spuren lassen sich verfolgen, Worte am Fehler packen, Rechenstäbe verwirren, Riegel aufbrechen und Seile lösen. Je mehr eine Wirkung von sichtbaren Hilfsmitteln und demonstrativer Kontrolle abhängt, desto leichter lässt sie sich umgehen. Gute Gestaltung lässt den Nutzer ohne dickes Handbuch handeln; gute Führung braucht nicht täglich neue Befehle; ein gutes Argument trägt durch seine Struktur, nicht durch die angehäuften Namen von Autoritäten. Formlosigkeit ist dabei kein Mangel an Form, sondern die tiefere Einbettung der Funktion in den Vorgang selbst.
Niemand ist preiszugeben
Darum ist der Weise fortdauernd darin geübt, Menschen zu retten, und gibt keinen Menschen auf; auch kein Ding wird als unbrauchbar verworfen. Laozi nennt dies xi ming: Helligkeit aufnehmen und unmerklich weitertragen. Die Wirkung breitet sich langsam aus, ohne das Schild des Retters vor sich herzutragen. Förderung sieht eine noch nicht vollständig sichtbare Möglichkeit und gibt ihr Raum, statt eine Person auf ihre gegenwärtige Bewertung zu reduzieren.
Die schwierige Folge über „gute Menschen“, Lehrer und Material lässt sich dynamisch lesen: Einen Menschen shan behandeln heißt, sein wachsendes Vermögen zu sehen; ihn nicht so zu behandeln heißt, ihn auf verwertbare Qualifikationen festzulegen. Der erste Vorgang ist Lehren, der zweite macht die Person zum Material eines fremden Konstrukts. Doch auch der Fördernde soll seinen Lehrerstatus nicht kostbar machen. Das Feinste ist: hervorbringen, ohne die Position des Hervorbringers zu besitzen. So schließt die dritte Neunergruppe – etwas geschieht wirklich, aber niemand wird dabei zum Fußabdruck eines anderen.