Die höchste Gabe lässt keine Schuld zurück
Hervorbringen und Gestaltwerden
Dao bringt die Dinge hervor, De nährt sie, ihre konkrete Stofflichkeit formt sie und die Geräte der Welt vollenden ihre Gestalt. Keine einzelne Ursache besitzt das Ergebnis. Entstehen ist ein Geflecht aus offenem Ursprung, individueller Möglichkeit, Material und konkreter Form. Darum ehren die Dinge Dao und schätzen De, ohne dass eine Autorität diesen Rang verliehen hätte.
Ihre Würde ist ziran, von sich her so. Wer Wert durch Titel verleihen muss, kann ihn auch entziehen; die Achtung vor der tragenden Quelle entsteht dagegen aus erfahrener Abhängigkeit. Das Kapitel verschiebt damit Größe vom öffentlich verliehenen Rang zur unsichtbaren Arbeit, durch die Leben möglich wird.
Alles tun, nichts fordern
Dao bringt hervor, nährt, lässt wachsen, erzieht, festigt, reifen, versorgt und bedeckt. Es tut nahezu alles, was Eltern, Lehrer und Leiter für andere tun können. Doch es bringt hervor, ohne zu besitzen; wirkt, ohne sich auf die Wirkung zu stützen; lässt wachsen, ohne zu herrschen. Dies nennt Laozi tiefes De.
Sobald die Gabe den Satz „Du verdankst mir dich“ erzeugt, wird sie zur Transaktion und der Empfänger zum Beweis des Gebers. Die höchste Gabe will nicht einmal die Identität des Selbstlosen besitzen. Sie darf Grenzen und Verantwortung enthalten, aber keine lebenslange Schuld. Eltern, Schöpfer und Institutionen zeigen ihre Tiefe dort, wo das Hervorgebrachte sich entfernen und anders werden darf, ohne als undankbar enteignet zu werden.