Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 50

Wer zu sehr leben will, verkürzt sein Leben

Drei Wege zum Tod

Aus dem Leben tritt man in den Tod. Laozi zählt bildhaft Gruppen: Menschen mit günstiger Lebensspanne, Menschen mit kurzer Lebensspanne und solche, die sich mitten im Leben durch ihre Bewegungen in Todesgebiete treiben. Die genaue Arithmetik ist weniger wichtig als die dritte Gruppe. Ein erheblicher Teil des Schadens entsteht nicht aus Schicksal, sondern aus dem krampfhaften Versuch, Leben zu maximieren.

Shengsheng heißt: das Leben nochmals zum Objekt des Lebens machen, zu sehr leben wollen. Gesundheit wird dann zur endlosen Kontrolle, Fehlervermeidung zur lähmenden Angst, Sicherheit zur Beseitigung jeder Offenheit. Die Schutzschicht verbraucht den Körper und die Beziehungen, die sie schützen sollte. Das Konstrukt „Ich muss unbedingt leben“ kann das konkrete Leben verdrängen.

Kein Ort für Horn, Kralle und Klinge

Vom Menschen, der gut durch das Leben geht, heißt es, Nashorn finde keinen Ort für sein Horn, Tiger keinen für seine Kralle, Waffen keinen Raum für ihre Schneide. Das ist kein magischer Unverwundbarkeitspass. Wer sich nicht in unnötige Gefahren und starre Kampfpositionen stellt, bietet den typischen Gefahren weniger Angriffspunkte.

Er „hat keinen Todesort“, weil er das Leben nicht als Festung baut, die überall verteidigt werden muss. Vorsicht und Medizin bleiben vernünftig; zwanghafte Kontrolle ist etwas anderes. Kapitel 50 fragt nicht, wie man jedes Risiko besiegt, sondern wie viel Risiko erst aus der übersteigerten Lebenssicherung entsteht. Leichter zu leben bedeutet, aufmerksam zu sein, ohne das ganze Dasein in einen Verteidigungsapparat zu verwandeln.