Sich nicht als groß einsetzen
Überall, aber auf keiner Seite thronend
Dao breitet sich wie Wasser aus und kann links wie rechts sein. Die zehntausend Dinge leben durch es, doch es weist sie nicht mit Worten an. Es vollendet Leistungen und Ereignisse, nennt sie aber nicht seinen Besitz. Die Wirksamkeit ist umfassend, während die Position des Urhebers unbesetzt bleibt.
Alle Dinge kehren zu ihm zurück, und dennoch spielt es nicht ihren Herrn. Weil es ohne Verlangen bleibt, kann man es klein nennen. Weil alles zurückkehrt und es doch nicht herrscht, kann man es groß nennen. Klein und groß sind hier keine messbaren Gegensätze. „Klein“ beschreibt die nicht beanspruchende Erscheinung; „groß“ die dadurch mögliche Aufnahmefähigkeit.
Die Struktur wirklicher Größe
Der Weise kann Großes vollbringen, weil er sich nicht als groß setzt. Wer jeden Beschluss, Erfolg und Namen an die eigene Bedeutung bindet, macht andere kleiner und verliert ihre freiwillige Hinwendung. Wer Beiträge dem gemeinsamen Werk zurückgibt, wird häufig zum tragenden Zentrum, ohne das Zentrum inszenieren zu müssen.
Laozis Paradox ist empirisch überprüfbar und kein moralischer Lohnmechanismus: Nicht-Selbstvergrößerung schafft Platz, Platz ermöglicht Teilnahme, Teilnahme trägt größere Wirkung. Auch die späteren Formeln – der große Ton klingt fein, die große Vollendung sieht unvollständig aus – folgen dieser Linie. Wirkliche Größe erkennt man oft daran, dass sie nicht dauernd beweisen muss, groß zu sein.