Das größte Unglück: sich für unbesiegbar halten
Keinen Zoll ungezwungen vorrücken
Eine alte Militärregel lautet: lieber Gast sein als Gastgeber, lieber einen Fuß zurückweichen als einen Zoll vorrücken. Daraus entstehen paradoxe Bilder – gehen ohne zu gehen, Ärmel hochschieben ohne Arm, festhalten ohne Waffe, sich stellen ohne Gegner. Sie beschreiben Kampfbereitschaft, die den Konflikt nicht selbst zum gewünschten Zuhause macht.
Keinen Gegner zu haben bedeutet nicht, reale Angreifer zu leugnen. Es heißt, den anderen nicht vorschnell als eine vollständig feindliche Wesenheit zu konstruieren. Sobald „der Feind“ sein ganzes Sein definiert, wird jede Handlung lesbar als weiterer Beweis und die eigene Gewalt grenzenlos rechtfertigbar.
Fürsorge nicht verlieren
Kein Unglück ist größer, als keinen ebenbürtigen Gegner mehr zu sehen – sich also für unbesiegbar zu halten. Dann ist man nahe daran, die Schätze zu verlieren, besonders ci, die Fähigkeit, auch im Konflikt Leben und menschlichen Preis wahrzunehmen. Arroganz zerstört nicht nur taktische Vorsicht, sondern die moralische Begrenzung der eigenen Mittel.
Treffen gleich starke Heere aufeinander, siegt die trauernde Seite. „Trauernd“ ist nicht sentimental schwach. Sie kämpft, ohne das Kämpfen zu lieben, und weiß, dass auch ein notwendiger Sieg Verlust bleibt. Diese Haltung verhindert, dass Macht sich selbst berauscht. Der gefährlichste Augenblick ist nicht immer die sichtbare Schwäche, sondern der Moment, in dem niemand mehr als wirklicher Gegenüber erscheint.