Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 45

Das Beste sieht seinem Etikett nicht ähnlich

Vollendet und doch offen

Große Vollendung wirkt wie ein Mangel, aber ihr Gebrauch zerfällt nicht. Große Fülle wirkt leer, aber ihr Gebrauch erschöpft sich nicht. Ein wirklich tragfähiges Werk stellt seine Fertigkeit nicht als geschlossene Endform aus. Es behält Lücken für andere Zeiten und Nutzer. Gerade deshalb sieht es für einen Blick, der Perfektion mit Glätte verwechselt, unvollständig aus.

Das gefüllte Gefäß kann nichts mehr aufnehmen; der leere Blasebalg bringt Bewegung hervor. Darum gleicht große Geradheit dem Gebogenen, große Geschicklichkeit dem Unbeholfenen und der größte Gewinn dem Sich-Auflösen. Das Prinzip bleibt nicht verborgen, weil es absichtlich bescheiden auftritt, sondern weil wirkliche Funktion weniger Energie in die Demonstration ihres Etiketts steckt.

Bewegung, Ruhe und die Ordnung der Welt

Bewegung überwindet Kälte, Ruhe überwindet Hitze. Keine Haltung ist abstrakt überlegen; ihre Angemessenheit hängt von der Lage ab. Klarheit und Ruhe können der Welt Orientierung geben, weil sie nicht aus nervöser Selbstdarstellung auf jedes Ereignis reagieren.

Damit schließt die Gruppe, die mit dem namenlosen Dao und dem Selbstordnen der Dinge begann. Hohes De trägt kein De-Schild, der lockere Griff bewahrt das Eine, Rückkehr schützt vor dem Extrem, das große Werkzeug bleibt offen, Weichheit durchdringt Härte, Genug und Grenze ermöglichen Dauer. Das gemeinsame Bild lautet: Das Tragfähigste sieht oft nicht so aus, wie ein öffentliches Konstrukt „das Beste“ aussehen lassen will.