Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 76

Was lebt, ist weich

Eine überprüfbare Beobachtung

Der Mensch ist bei der Geburt weich und schwach, im Tod hart und starr. Pflanzen sind lebendig zart und biegsam, abgestorben trocken und spröde. Laozi beginnt nicht mit einem moralischen Gebot, sondern mit einer Beobachtung, die jeder prüfen kann. Leben erhält Form, indem es seine Form fortwährend verändern kann.

Darum gehören harte Stärke und Tod, weiche Schwäche und Leben zusammen. „Schwach“ meint nicht funktionslos; es bezeichnet die noch feine, nicht völlig verdichtete Seite. Ein Muskel, der sich nie lösen kann, ist nicht stärker, sondern verletzt. Eine Institution, die keine Ausnahme mehr verarbeiten kann, ist trotz ihrer Macht schon brüchig.

Starkes unten, Zartes oben

Ein starres Heer siegt nicht dauerhaft, ein harter Baum wird gefällt. Die Härte ist nicht nur äußeres Opfer: Der Baum ist für die Axt verfügbar, weil sein Wachstum in Starrheit übergegangen ist. Das Große und Starke gehört nach unten als tragender Grund; das Weiche, Schwache und Feine nach oben, wo Wahrnehmung und neue Triebe entstehen.

Diese Ordnung kehrt gewöhnliche Prestigehierarchien um. Infrastruktur darf stark sein, Begegnung muss beweglich bleiben. Ein Staat braucht verlässliche Institutionen, aber Menschen dürfen nicht wie Institutionsteile verhärtet werden. Lebendigkeit erkennt man nicht daran, dass nichts sie bewegt, sondern daran, dass Bewegung sie nicht zerstört.