Auch Nicht-Tun kann Mut sein
Zwei Arten von Mut
Mut, der zu handeln wagt, kann zum Tod führen; Mut, der nicht zu handeln wagt, kann Leben bewahren. Laozi macht keine starre Regel daraus: Von den beiden ist einmal das eine nützlich, einmal schädlich, und niemand kann vollständig erklären, warum der Himmel verwirft, was Menschen bewundern. Dennoch neigt der Text sichtbar zur zweiten, übersehenen Form.
Wir erkennen Mut leicht im sichtbaren Sprung, Angriff und Befehl. Schwerer ist der Mut, einen populären Eingriff zu unterlassen, ein beleidigtes Wort nicht zurückzugeben oder eine Entscheidung offen zu lassen, obwohl Handlungsstärke erwartet wird. Nicht-Tun ist nur dann Mut, wenn jemand die Verantwortung für die offene Lage trägt – nicht wenn er aus Angst verschwindet.
Das weite Netz
Der Weg des Himmels streitet nicht und siegt doch, spricht nicht und erhält Antwort, ruft nicht und die Dinge kommen, ist gelassen und plant doch gut. Das sind keine übernatürlichen Belohnungen. Die tragenden Rhythmen wirken ohne Selbstdarstellung und holen extreme Handlungen durch ihre Folgen ein.
Das Netz des Himmels ist weit, seine Maschen scheinen groß, und doch fällt nichts hindurch. Jeder Eingriff erzeugt Rest und Rückwirkung, auch wenn keine Behörde ihn sofort bestraft. Diese Vorstellung soll nicht Fatalismus nähren, sondern sorgfältige Verantwortung: Was sichtbar ungesühnt bleibt, verschwindet nicht aus den Beziehungen und Bedingungen, die es verändert hat. Mut umfasst daher auch die Kraft, keine unnötige Folge in dieses Netz zu setzen.