Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Dazhis Daodejing-Kommentar
Kapitel 58

Im Glück liegt die Gefahr

Unaufdringliche und prüfende Regierung

Ist die Regierung still und unaufdringlich, sind die Menschen schlicht und lebendig; prüft sie scharf und dringt überall ein, werden sie mangelhaft und listig. Dauernde Bewertung macht nicht nur Verhalten sichtbar, sie verändert es. Menschen lernen, für die Messung statt für die Sache zu handeln und die Stellen zu suchen, die der prüfende Blick nicht erfasst.

Unglück ist der Ort, auf dem Glück ruht; im Glück verbirgt sich das Unglück. Die beiden sind keine mystische Schicksalsschaukel. Jeder Vorteil erzeugt Verwundbarkeit: Erfolg lädt zur Überdehnung ein, Sicherheit zur Unachtsamkeit, ein gutes Messsystem zum Spiel mit der Kennzahl. Niemand kennt den letzten Umschlagpunkt, weshalb absolute Selbstsicherheit gerade in günstigen Zeiten gefährlich ist.

Kantig, aber nicht verletzend

Das Normale kann zum Seltsamen, das Gute zum Unheilvollen werden; die Verwirrung der Menschen dauert lange, weil Etiketten den Wandel ihrer Gegenstände verdecken. Der Weise bleibt deshalb eckig, ohne zu schneiden; klar bestimmt, ohne zu verletzen; gerade, ohne zu überdehnen; hell, ohne zu blenden.

Diese vier Bilder verbinden Grenze und Milde. Laozi verlangt nicht, aus Angst vor Umschlag jede Position aufzugeben. Er verlangt, sie nicht bis zur kolonialisierenden Spitze zu treiben. Eine Regel darf klar sein, ohne die Person mit ihrem Verstoß gleichzusetzen; eine Einsicht darf leuchten, ohne alle anderen Perspektiven zu verdunkeln. Dauer entsteht aus einer Form, die ihre Gegenbewegung mitbedenkt.