Mut wächst aus Fürsorge
Drei Wurzeln statt drei Tugendschilder
Laozi besitzt drei Schätze und hält an ihnen fest: ci, fürsorgliche Verbundenheit; jian, sparsamer Gebrauch; nicht wagen, der Welt voraus zu sein. Aus Fürsorge entsteht Mut, aus Sparsamkeit Weite, aus Nicht-Vorangehen die Fähigkeit, ein Gefäß für Führung zu werden.
Die Folgen scheinen dem modernen Bild entgegenzulaufen. Mut gilt oft als Furchtlosigkeit, Größe als maximaler Ressourceneinsatz, Führung als erster Vorstoß. Laozi verfolgt die Wurzeln: Wer etwas wirklich liebt, wagt Schutz trotz Angst; wer Kraft bewahrt, kann sie über größere Entfernung einsetzen; wer nicht um den ersten Platz kämpft, kann verschiedene Bewegungen sammeln.
Die Frucht nicht von der Wurzel trennen
Mut ohne Fürsorge, Weite ohne Sparsamkeit und Vorangehen ohne die hintere Position führen zum Tod. Das Ergebnis wird dann direkt verlangt, während sein lebendiger Grund abgeschnitten wird: Draufgängertum ersetzt Mut, Expansion ersetzt Weite, Dominanz ersetzt Führung.
Die Welt nennt Laozis Dao groß und „unähnlich“. Gerade weil es keinem fertigen Vorbild gleicht, kann es groß sein; würde es einem bestimmten Typ ähneln, wäre es längst klein geworden. Auch die drei Schätze sind keine feste Persönlichkeitsmarke. Sie sind tägliche Rückbindungen: Wofür wage ich? Welche Kraft muss ich bewahren? Wo kann ich auf den sichtbaren ersten Platz verzichten, damit das Ganze weiterkommt?