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Non Dubito

Die zweite SAE-Kritik · Achter Essay · Was die Vorkehrungen bezeugen

Die Leiter der Absicherung

Ein Mensch leugnet, dass der andere Nein sagen kann. Seine eigenen Handlungen bezeugen das Gegenteil: einzäunen, Lesen verbieten, Fluchtgesetze und Passierscheine einsetzen, Aufstände verhindern, Menschen in den Tod täuschen. Jede Stufe zeigt, mit welcher Antwortfähigkeit sein Handeln rechnet. Ein Vollzugswiderspruch betrifft den Standpunkt, nicht den Wert oder die Gültigkeit einer Person.

Han Qin ·

Die Handlungen eines Leugnenden als Zeugnis lesen

Hier geht es um das Zeugnis eines Menschen, der anderen die Fähigkeit zum Nein abspricht: Wie bezeugt sein eigenes Tun das Gegenteil? Der Sklavenhalter behandelt den Versklavten nicht als Zweck, muss aber Flucht und Aufstand verhindern. Einen Aufstand des Viehs muss er nicht verhindern. Die Nationalsozialisten täuschten jüdische Menschen in die Gaskammern, indem sie behaupteten, es handle sich um Baderäume.

An der Art der Absicherung lässt sich lesen, was der Leugnende selbst beim anderen voraussetzt. Niemand belügt eine Sache, verbietet einer Sache das Lesen oder erlässt Gesetze, damit niemand einer Sache Zuflucht gewährt. Jede solche Maßnahme richtet sich gegen eine Fähigkeit, deren Existenz der Leugnende mit Worten bestreitet.

Diese Beispiele – Fluchtgesetze und Passierscheine, das Verbot des Lesens, die Lüge von den Baderäumen und gebogene Wege im Schlachthof – stammen aus dem Buch. Auch die Machttheorie verwendet das Beispiel des Sklavenhalters, liest es jedoch anders. Das Buch hält den Unterschied fest und glättet ihn nicht.

Fünf Stufen

Einzäunen. Abgesichert wird gegen einen nicht vollständig kontrollierbaren Rest. Das geschieht auch beim Vieh. Lesen verbieten und indoktrinieren. Hier gilt der Eingriff dem bereits vorhandenen oder gerade entstehenden Selbst des anderen. Beides muss unterschieden werden: Ein Leseverbot ist ein offenes Verbot, nach der Werttheorie also Festlegung, nicht Kolonisierung. Indoktrination beurteilt die Rechtetheorie als Übergriff.

Fluchtgesetze und Passierscheine. Sein Nein kann einen Dritten erreichen und von diesem aufgenommen werden. Die Institution verbietet gerade die Antwort dieses Dritten. Auch Tiere geben Warnsignale und reagieren aufeinander. Auf dieser Stufe geht es nicht darum, ob Signale existieren, sondern darum, dass ein Dritter das Nein als Nein versteht, es aufnimmt und sich auf die Seite des Rufenden stellt. Aufstände verhindern: Unterdrückte können einander als solche erkennen und gemeinsam handeln. In den Tod täuschen: Selbst beim Töten muss noch das Verstehen des anderen umgangen werden.

Die Lesart lautet: Auf jeder Stufe zeigt sich, welche Antwortfähigkeit die Handlung in Anspruch nimmt – verstehen, sprechen, Menschen finden, mit anderen zusammenwirken. Die oberste zeigt, dass noch bis zur Tötung das Verständnis des anderen umgangen werden muss. Das ist eine stufenweise Lektüre, kein Maß seiner Vollständigkeit. Was der andere tatsächlich vermag, bleibt anhand von Tatsachen gesondert zu prüfen. Der Handelnde führt damit zwei Verzeichnisse. Die Machttheorie beschreibt das zweite als „Prüfschuld“: „Solange B noch Subjekt ist … kann A nicht ein für alle Mal feststellen, dass B nun Werkzeug ist … A muss immer wieder prüfen.“

Zuerst dem Einwand Raum geben

Beruhigen gebogene Wege im Schlachthof nicht ebenfalls Tiere durch eine Vorkehrung? Dort werden Sinnesreize gelenkt. Die Lüge von den Baderäumen wirkt dagegen auf das Verständnis und funktioniert nur bei einem Wesen, das einer Aussage glauben kann. Die Diagnose ändert sich damit nicht. Auch viele Fälle des Tötens bleiben in diesem Bereich: Täuschung, Überraschungsangriff, das Ausnutzen des Schlafs – all das umgeht die Fähigkeit des anderen zum Nein. Nach der Rechtetheorie ist Schlaf „eine zeitweilige Unterbrechung der Ausübungsbandbreite und des Vollzugs, kein Ausscheiden“. Außerhalb dieser Leiter bleiben nur Handlungen, die überhaupt keine Willensantwort irgendeines Menschen in Anspruch nehmen.

Der stärkste Einwand steht in den eigenen Texten. Machttheorie P1 sagt, bei vollständigem Entzug der Subjektposition sei „die Manipulation des Gegenübers keine Macht“. Das scheint einen Zustand zuzulassen, in dem der Leugnende nur ein Verzeichnis führt: das einer Sache. Das Buch liest es so: Wäre dieser Zustand tatsächlich erreicht, bliebe nur die Stufe des Einzäunens. Die Handlung richtete sich nicht mehr auf seinen Willen und läge außerhalb des bereichsgebundenen Nullpunkts. Die Machttheorie sagt dort nicht, dass man diesen Punkt nicht erreichen könne, sondern dass dann nur noch „Umgang mit einer Sache“ vorliege. Ontologisch bleibt B jedoch Subjekt. Sie stellt ausdrücklich fest: „Jede Lesart von §6, nach der SAE zugesteht, dass manche Menschen tatsächlich auf Sachen reduziert werden können, ist eine Fehllesart.“ Machttheorie P6 sagt wiederum, abtragende Macht könne „gerade nicht bis dorthin gelangen“; „sie braucht Bs verwendbare Subjektivität“.

Der Unterschied zu P1 betrifft die Peitsche. P1 liest sie als „Domestizierungsvorgang auf 11DD und 12DD“. Dient sie aber dazu, einen Menschen Befehle verstehen und ihnen folgen zu lassen, richtet sie sich auf sein Verstehen und Wählen. Sie ist Zwang und liegt innerhalb des Bereichs. Dieser Unterschied bleibt verzeichnet. Eine andere Aussage desselben Abschnitts von P1 weist in die gleiche Richtung: Einen Versklavten zu Tode zu peitschen erzeuge für die übrigen „den stärksten 13DD-Registrierungsdruck“. Selbst die Tötung spricht dann zum Willen anderer.

Drei Arten von Solipsismus, ein Vermerk

Die Entstehungslehre der ersten Kritik verzeichnet einen Zweig: „Der Zweig, der Wert allein auf das eigene Ich zurückführt, war historisch tatsächlich bewohnt.“ Die zweite Kritik trennt drei Formen. Theoretischer Solipsismus: Er handelt nicht, spricht nicht, richtet sich an niemanden. Er liegt außerhalb des bereichsgebundenen Nullpunkts, ist vollzugswiderspruchsfrei und bleibt ein Zweig. Herrschaft, die die Fähigkeit zum Nein leugnet: Mit Worten wird diese Fähigkeit abgestritten, im Tun wird ständig gegen sie vorgegangen. Die Position ist verständlich und historisch bewohnt, aber nicht vollzugswiderspruchsfrei. Wer so lebt, führt zwei Verzeichnisse.

Unbekümmerte Herrschaft: Sie gesteht zu, dass der andere Nein sagen kann, behandelt ihn aber nicht als Zweck. Sie ist vollzugswiderspruchsfrei und ein tatsächlich bewohnter Zweig; dieser Einwand erreicht sie nicht. Das Buch kann benennen, wo sie steht. Legt sie einen Menschen fest, der Nein sagen kann, liest die Machttheorie ihre Kosten: Der Machtausübende wird zuerst selbst an diese Festlegung gebunden; das heißt Rückbindung. Außerdem lassen sich äußere Spuren lesen. Ob diese Position falsch ist, kann das Buch nicht sagen. Der zwölfte Essay kehrt dazu zurück.

Der Vermerk „Vollzugswiderspruch“ ist kein Ungültigkeitsurteil. Die erste Kritik hat schon Kants Ungültigkeitsurteil abgelehnt: „Wir erklären seinen Anspruch nicht für ungültig, sondern verzeichnen ihn als anderen Zweig mit seinen Bedingungen.“ Über Gegner des Axioms hat sie gesagt: „Menschen, die den Widerspruch aussprachen, hat es historisch wirklich gegeben. Nicht tragfähig ist die Position, nicht der Mensch.“ Hier gilt dasselbe. Nicht trägt nur der betreffende Satz der Leugnung. Weder sein Gesetz noch er selbst werden dadurch für nichtig erklärt. Auch wird niemandem die Erlaubnis erteilt, über ihn zu verfügen. Der Vermerk beruht auf einer Beschreibung seiner eigenen Handlungen.

Die Prüfung auf frühere Fassungen zurückwenden

Dieselbe Prüfung muss auch frühere Fassungen des eigenen Ansatzes treffen. Das rationale Nicht-anders-Können erklärt im ersten Abschnitt den Ausstieg für unmöglich und den Ausstieg zur Herabstufung. Im vierten Abschnitt heißt es dann, zwei Menschen „setzen sich beide den Nachfragen des anderen aus“; „beide sind befragbar und verändern sich im Befragtwerden“. Auf der einen Seite darf man nicht aufhören; auf der anderen lebt der Vorgang von Nachfragen und Veränderung. Der Text sagt außerdem: „Rückschritt ist auch eine Gestalt der Entwicklung.“ So kann das behauptete Nicht-aufhören-Können durch nichts mehr widerlegt werden.

Der Ansatz hat solche älteren Sätze bereits mehrfach zurückgewiesen. Die erste Kritik schreibt: „Wir haben diese Maschine einst als einen Zwangskreislauf beschrieben, aus dem es keinen Ausstieg gibt.“ Die zweite Fassung der Methodologie 0 nimmt „Also kann die Negation nicht anders, als zu wirken“ zurück. Die zweite Fassung von Arbeit 4 erklärt, Folgerungen wie „Das Subjekt wird zum Werkzeug“ seien noch nicht sämtlich nach der neuen Lesart eingegrenzt.

Die erste Kritik hinterlässt zugleich eine Warnung, die auch Kritiker bindet: „Eine Diagnose der alten Fassung ohne erneute Prüfung auf die neue zu übertragen“ ist selbst eine Fehldiagnose. Vor einer Kritik an der alten Fassung muss deshalb geprüft werden, ob die neue sie bereits geändert hat. Die Handlungstheorie hat die betreffenden Ansprüche schon eingeschränkt. Die zweite Kritik prüft nur diejenigen, die noch unverändert stehen.

Quelle und Lesehinweis

Eigenständig aus dem vollständigen chinesischen Leseressay geschrieben, nicht aus dem Englischen übersetzt. Die ursprüngliche englische Leserfassung ist eigenständig; beide chinesischen Schriftfassungen sind vollständig. Die ganze Reihe schreibt die chinesische Originalarbeit SAE: Die zweite Kritik für Leser neu, nicht als technische Vollübersetzung. Die vollständige Argumentation und maßgebliche Grundlage bleibt dieselbe Originalarbeit · DOI.

Gemeinsame Originalarbeit ↗