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Non Dubito

SAE liest Spinozas Ethik · 06

Achtundvierzig Definitionen, drei Grundaffekte

Die Namen kommen aus dem Alltag. Wie ein Name gebraucht wird, sagt noch nicht, dass er das Wesen der Sache erklärt.

Han Qin ·

Der dritte Teil behandelt die Affekte. In der letzten Anmerkung blickt Spinoza zurück: Er glaube, die wichtigsten Affekte und Gemütsschwankungen erklärt zu haben, die sich aus den drei ursprünglichen Affekten Begierde, Freude und Trauer zusammensetzen.

Er präzisiert: Nur die wichtigsten seien gemeint, nicht sämtliche möglichen inneren Konflikte. Nach dem Vorhergehenden könne jeder sehen, wie vielfältig sich Affekte verbinden und wie viele Veränderungen daraus entstehen; eine feste Anzahl lasse sich nicht angeben. Für sein Vorhaben genügten die wichtigsten. Was er auslasse, wäre eher interessant als nützlich.

Am Ende der Anmerkung erklärt er, zu den Definitionen der Affekte seien noch einige Hinweise nötig. Deshalb werde er sie hier der Reihe nach wiederholen und die jeweiligen Erläuterungen dazwischenstellen.

Achtundvierzig

An erster Stelle steht die Begierde, an zweiter die Freude, an dritter die Trauer. Freude ist der Übergang des Menschen von geringerer zu größerer Vollkommenheit, Trauer der umgekehrte Übergang. Die Reihe reicht bis Nummer achtundvierzig; viele Einträge haben eine Erläuterung. Die zur dritten Definition beginnt: „Ich sage Übergang, denn Freude ist nicht die Vollkommenheit selbst.“

Nummer vier heißt Verwunderung. In der Erläuterung sagt Spinoza ausdrücklich, er zähle sie nicht zu den Affekten und sehe auch keinen Grund dafür. Er behandle sie nur deshalb, weil manche aus den drei ursprünglichen Affekten abgeleiteten Affekte im gewöhnlichen Sprachgebrauch andere Namen erhielten, wenn sie sich auf etwas beziehen, das uns verwundert. Aus demselben Grund nehme er die Geringschätzung hinzu; sie steht an fünfter Stelle. Dann fügt er an, Verehrung und Verachtung werde er nicht definieren, weil seines Wissens kein Affekt nach ihnen benannt werde.

Nach Nummer zwanzig stellt er klar: Er wisse, dass diese Namen im gewöhnlichen Gebrauch etwas anderes bedeuteten. Ihm gehe es jedoch nicht darum, Wortbedeutungen zu erklären, sondern die Natur der Dinge. Dafür verwende er Wörter, deren üblicher Sinn seinem eigenen nicht völlig fernliege. Eine solche Warnung genüge einmal. Bei Nummer einunddreißig erinnert er nochmals daran: Die Namen der Affekte würden eher nach ihrem Gebrauch als nach ihrer Natur gewählt.

Onkel von Vaters Seite, Onkel von Mutters Seite

Derselbe Mann ist für die Kinder seines jüngeren Bruders der Onkel väterlicherseits, der ältere Bruder ihres Vaters. Für die Kinder seiner jüngeren Schwester ist er der Onkel mütterlicherseits, der Bruder ihrer Mutter. Seine eigenen Kinder nennen ihn Papa.

Es bleibt derselbe Mensch. Wie er angesprochen wird, hängt davon ab, wer ihn anspricht.

Außer diesen dreien

Gegen Ende der Erläuterung zu Nummer achtundvierzig schreibt Spinoza, Eifersucht und andere Gemütsschwankungen werde er überhaupt nicht definieren. Erstens seien sie aus den schon definierten Affekten zusammengesetzt. Zweitens hätten die meisten keinen Namen. Offenbar genüge für den gewöhnlichen Lebensgebrauch ein ungefähres Wissen darüber.

Unmittelbar danach heißt es: Aus den gegebenen Definitionen gehe deutlich hervor, dass alle Affekte aus Begierde, Freude oder Trauer hervorgehen. Besser gesagt: Außer diesen dreien gebe es nichts. Jeder dieser drei Affekte werde gewöhnlich mit mehreren Namen bezeichnet, weil die Beziehungen verschieden seien und deshalb von außen verschiedene Benennungen erfolgten.

Zum Schluss

Anschließend gibt Spinoza eine allgemeine Definition jenes Affekts, der als passiver Zustand des Geistes bezeichnet wird. Die drei werden darin in einen Satz gefasst. In der folgenden Erläuterung erklärt er die einzelnen Formulierungen. Mit seiner Erklärung des letzten Halbsatzes endet auch der dritte Teil:

„Diesen Halbsatz habe ich hinzugefügt, um neben Freude und Trauer auch die Natur der Begierde auszudrücken.“

Freiwillige SAE-Randbemerkung

Am Anfang der ersten SAE-Kritik steht unter den Regeln der Darstellung als vierte: Ein Vergleich übernimmt nicht die Arbeit einer Definition. Ein Begriff wird zuerst genau definiert; der Vergleich erläutert nur, was schon definiert wurde. Spinoza unterscheidet hier bei den Namen: Die Definition erklärt die Natur einer Sache; der aus dem gewöhnlichen Gebrauch geliehene Name zeigt, welche Sache gemeint ist. Das ist eine Randbemerkung, kein Beweis.

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Textfassung und Quellen

Dieser vollständige deutsche Leseressay wurde eigenständig nach dem chinesischen Text geschrieben. Auch die vorhandene englische Fassung ist unabhängig verfasst; beide chinesischen Schriftfassungen sind vollständig. Die lateinische Transkription unten dient der Überprüfung der bezeichneten Stellen. Die Bezeichnungen der Affekte werden in ihrer hier erläuterten Funktion gelesen. Das Verwandtschaftsbeispiel macht die unterschiedlichen Beziehungen ausdrücklich; die SAE-Randbemerkung bleibt gesondert und freiwillig.

Hinweise zu Text und Ausgabe

Die Stellen finden sich am Ende der Anmerkung zu Lehrsatz 59 des dritten Teils, in den Affektdefinitionen 3–5, 20, 31 und 48 sowie in der abschließenden allgemeinen Definition des Affekts. Achtundvierzig ist die Zahl der nummerierten Einträge, nicht die Zahl sämtlicher möglicher innerer Veränderungen.

Der Onkel väterlicherseits, der Onkel mütterlicherseits und der Vater sind ein Vergleich dieser Reihe. Die genaue Gesamtzahl der Erläuterungen ist für die Unterscheidung zwischen Benennung und Definition nicht entscheidend und wird deshalb nicht als Argument verwendet.