Literatur und Kultur · Margaret Atwood, Der Report der Magd
Der Report der Magd neu lesen
Besitz, schrittweise Entrechtung, weibliche Mittäterschaft und die Ethik des Archivs
Gilead nennt eine Frau nach dem Mann, dessen Haushalt ihre Fruchtbarkeit besitzt. Dennoch spricht der ganze Roman aus der Perspektive der Person, die diese Grammatik zur Funktion reduzieren soll. Erinnerung, Witz und unbrauchbare Einzelheiten werden zu einem Überschuss, den das Amt nicht verwalten kann.
Die vier Essays folgen dem Besitznamen, dem administrativen Tempo des Staatsstreichs, den gestaffelten Rollen der Frauen und den Historischen Anmerkungen von 2195. Gerade die spätere Wissenschaft muss sich fragen lassen, ob sie eine Stimme bewahrt oder nur neues Material aus ihr gewinnt.
- Essay 1 von 4Ihr Name ist ein BesitzanzeigerDesfreds amtlicher Name sagt nicht, wer sie ist, sondern zu welchem Haushalt ihre gebärfähige Funktion gegenwärtig gehört.
- Essay 2 von 4Der Nachmittag ihrer EntlassungGilead beginnt in ihrer Erinnerung nicht mit roten Gewändern, sondern mit einer gesperrten Karte, einer Kündigung und bewaffneter Verwaltung.
- Essay 3 von 4Sie bekam, was sie verlangteSerena Joy half, Frauen ins Haus zu schicken. Die fertige Ordnung schließt auch ihre öffentliche Stimme aus und verteilt kleine Macht nach unten.
- Essay 4 von 4Zwei Jahrhunderte später fragt niemandDie Tonbänder überleben Gilead, doch die Forschung interessiert sich stärker für den Kommandanten als für die Sprecherin, die das Material rettete.