Non Dubito
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SAE – Über den Sinn eines Lebens

Der Sinn eines Lebens liegt außerhalb seiner selbst

Mit vierzig findet ein Mann das Notizbuch wieder, in das er mit zwanzig seine Pläne geschrieben hat. Einiges ist gelungen, anderes liegen geblieben. Ausgerechnet der erreichte Erfolg macht ihn unruhig. Was da auf den Seiten steht, lässt sich nicht mit ein paar Häkchen erledigen.

Diese Essays fragen nicht nach der Gesamtnote eines Lebens. Sie fragen, wie frühere Entscheidungen, Irrtümer und unerledigte Dinge weiterhin zu unserem Leben gehören – und was wir heute mit ihnen anfangen können. Dabei kommen andere Menschen ins Spiel, deren Leben nicht unseres ist und deren Antwort wir nicht für sie geben können.

Ein Leben kann sich um etwas anderes drehen als um seine eigene Vollendung. Das ist kein Verweis auf ein Jenseits und keine Aufforderung, sich durch Nützlichkeit zu rechtfertigen. Der Platz für einen anderen Menschen darf offenbleiben. Niemand muss ihn füllen, um als Mensch zu zählen.

Han Qin · 8 Essays · 8 Sprachen

Beginnen Sie beim Notizbuch oder bei einer Frage, die Ihnen nahegeht. Die ersten sieben Essays führen den Gedankengang zu Ende; der achte lädt zu einem zusätzlichen Gespräch mit anderen Philosophen ein. Vorkenntnisse der Theorie sind nicht nötig.

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01

Die Zahl, die es nicht gibt

Mit vierzig findet er die Pläne seines zwanzigjährigen Ichs wieder. Warum beunruhigt ihn der erreichte Erfolg mehr als das aufgegebene Buch?

02

Es bleibt seine Geschichte

Eine alte Entscheidung kann nicht für alle Zukunft sprechen. Eine neue kann die Vergangenheit nicht umschreiben. Und der Freund aus dem Notizbuch hat inzwischen ebenfalls zwanzig Jahre gelebt.

03

Er hielt es für seinen eigenen Wunsch

Mit zweiundzwanzig beginnt er den Beruf, mit zweiundvierzig verlässt er ihn. Dass er sich über seinen Wunsch geirrt hat, macht die zwanzig Jahre dazwischen nicht zu fremden Jahren.

04

Das fertige Ich wartet nirgends

Am ersten freien Montag liegt das alte Skizzenbuch wieder auf dem Tisch. Nur die Person, die darunter auf ihre Rückkehr gewartet haben sollte, ist nicht da.

05

Was sich nicht mehr nachholen lässt

Den Abendkurs könnte sie vielleicht noch besuchen. Das versäumte Gespräch mit dem Vater ist eine andere Sache. Nicht jede verlorene Gelegenheit ist auf dieselbe Weise verloren.

06

Jemand kommt in den Plänen fürs nächste Jahr vor

Er hält zwei Wochen für einen Freund frei, ändert eine Seite für unbekannte Leser und bekommt eine unerwünschte Nachricht von einer Schülerin. So treten andere in seine Zukunft ein.

07

Was endet und was weitergeht

Am Bett bleibt eine Frage ohne Antwort. Später liest jemand das alte Notizbuch. Ein Leben lässt sich nicht von außen zu Ende schreiben, und es lässt sich nicht als fertiges Leben weiterreichen.

08 · Weiterlesen

Wie andere die Frage stellen

Waren die Jahre es wert? Lässt sich das eigene Leben wenigstens stimmig erzählen? Von solchen Rückfragen aus beginnt ein Gespräch mit anderen Philosophen – ohne Siegerliste.

Acht Essays nach fünf wissenschaftlichen Aufsätzen. Die jeweilige Originalarbeit ist am Ende jedes Essays verlinkt; dort werden die Argumente ausführlicher begründet.

Eine eigenständige deutsche Fassung, geschrieben für deutschsprachige Leserinnen und Leser.