Essay 12: Die Drei Reiche – Vier Ordnungsmodelle im direkten Wettstreit
Der Zusammenbruch der Östlichen Han hinterließ eine zentrale Frage: Was tun mit den mächtigen Familien?
Der Zusammenbruch der Östlichen Han hinterließ eine zentrale Frage: Was tun mit den mächtigen Familien?
An dieser Frage führte kein Weg vorbei. Die mächtigen Familien waren längst keine vereinzelten Reste mehr, die irgendwo an den Rändern der Gesellschaft lagen. In den zweihundert Jahren der Östlichen Han hatten sie Macht angehäuft und institutionell verankert. Inzwischen gehörten sie zur gesellschaftlichen Struktur selbst: Sie kontrollierten Land, Menschen, den Zugang zu fähigen Amtsträgern und die lokalen Streitkräfte. Wer auf den Trümmern eine neue Ordnung errichten wollte, musste sagen können: Wie willst du mit diesen Leuten umgehen?
Die vier maßgeblichen Akteure der Drei-Reiche-Zeit, Cao Cao, Liu Bei, Sun Quan und die Familie Sima, gaben darauf vier grundverschiedene Antworten. Das waren keine theoretischen Gedankenspiele, sondern Versuche unter scharfem Beschuss. Alle vier Modelle liefen zur selben Zeit im selben historischen Raum, stießen aufeinander und stellten sich gegenseitig auf die Probe. So wurden die Drei Reiche zu einem natürlichen Versuchsfeld für das Zyklusgesetz von Abtragen und Aufbau: eine Aufgabe, vier Lösungen, unmittelbar vergleichbar.
1. Cao Cao: Die mächtigen Familien niederhalten
Cao Cao stammte aus einem Eunuchenhaus. Sein Großvater Cao Teng war unter Kaiser Huan ein mächtiger Eunuch gewesen; sein Vater Cao Song hatte sich durch eine Geldzahlung das Amt des Großkommandanten gekauft. In der politischen Welt der späten Östlichen Han war diese Herkunft ein gewaltiger Makel. Die aristokratischen Beamtenfamilien verachteten Eunuchenhäuser und hielten sie für beschmutzt. Als Yuan Shao Cao Cao als „Schandfleck eines Eunuchenhauses“ verhöhnte, sprach daraus die allgemeine Haltung dieser Schicht.
Damit war Cao Cao der Weg einer Zusammenarbeit mit der Beamtenaristokratie versperrt. Nicht, weil er ihn nicht hätte gehen wollen, sondern weil sie ihn nicht haben wollte. Aus dem maßgeblichen Netzwerk der großen Familien ausgeschlossen, musste er einen anderen Weg einschlagen: ein Machtsystem aufbauen, das ohne sie auskam.
Allein die Fähigkeit zählt war Cao Caos berühmtester Grundsatz bei der Besetzung von Ämtern. Dreimal erließ er einen Aufruf zur Gewinnung fähiger Männer und betonte immer wieder dasselbe Prinzip: Bei einer Ernennung zählen nur die Fähigkeiten, weder Herkunft noch Moral noch der Rang der Familie. „Wenn nur untadelige Männer verwendet werden dürften, wie hätte Herzog Huan von Qi dann zur Vorherrschaft gelangen können?“ Anders gesagt: Wie hätte Herzog Huan die Vormacht erringen können, wenn er nur moralisch vollkommene Menschen hätte einsetzen dürfen? Guan Zhong war moralisch fragwürdig, hatte er doch in jungen Jahren Prinz Jiu verraten. Aber er konnte etwas. Also musste man ihn einsetzen.
Diese Politik richtete sich unmittelbar gegen das Monopol der Beamtenfamilien, das im Empfehlungssystem der Ämtervergabe entstanden war. Dessen Maßstab hieß „Kindespietät und Lauterkeit“, kurz: ein guter moralischer Lebenswandel. Nur entschieden in der Praxis die Beamtenfamilien selbst, wer als moralisch vorbildlich galt. Sie empfahlen einander und bürgten füreinander. Die Auswahl der Amtsträger blieb damit einem geschlossenen Kreis vorbehalten. Die Auswahl allein nach Fähigkeit durchbrach diesen Kreislauf. Man brauchte keine Empfehlung einer großen Familie mehr. Man musste nur etwas können.
Das Tuntian-System staatlicher Agrarkolonien bildete Cao Caos wirtschaftliche Grundlage. In Xuxian und andernorts richtete er solche Kolonien ein und fasste Flüchtlinge sowie Soldaten, die sich ergeben hatten, in militärisch organisierten landwirtschaftlichen Einheiten zusammen. Die Erträge gingen unmittelbar an den Staat, ohne den Umweg über die Gutshöfe der mächtigen Familien. Neben der von diesen Familien beherrschten Wirtschaft entstand damit, von Grund auf neu aufgebaut, ein paralleles Wirtschaftssystem.
Die Einrichtung der Jiaoshi, einer Art Geheimpolizei, diente der Überwachung von Hofbeamten und lokalen Machthabern. Das war ein Instrument des Legalismus: Menschen misstrauen und durch Überwachung die Kontrolle behalten.
Zusammengenommen zeigen diese Maßnahmen Cao Caos Ordnungsmodell sehr deutlich. Er versuchte, die ursprüngliche Konstruktion des Betriebssystems 3.0 wiederherzustellen: Der Staat sollte dem Einzelnen unmittelbar gegenüberstehen. Die Auswahl nach Fähigkeit umging das Personalmonopol der Beamtenfamilien, die Agrarkolonien ihr Wirtschaftsmonopol, die Jiaoshi ihr Informationsmonopol. Cao Cao beseitigte die großen Familien nicht, das wäre unmöglich gewesen. Aber er errichtete neben ihrem System ein zweites, damit der Staat auch ohne sie funktionieren konnte.
Das war eine Strategie des Niederhaltens. Kein Frontalangriff, sondern eine schrittweise Entmachtung.
Die Stärke dieses Modells war seine enorme Effizienz. Sobald der Staatsapparat das dicht verflochtene Netzwerk der Beamtenfamilien umgehen konnte, gewann er erheblich an Durchsetzungskraft. Dass Cao Cao im Norden das mächtigste Regime errichten und das Gebiet des Gelben Flusses vereinigen konnte, hing unmittelbar mit seiner leistungsfähigen Verwaltung zusammen.
Seine Schwäche: Das Funktionieren des Ganzen hing in hohem Maße von dem Mann ab, der es bediente. Cao Cao selbst legte fest, was als Fähigkeit zählte. Die Durchsetzung der Agrarkolonien beruhte auf seiner persönlichen Autorität. Und auch die Grenzen des Überwachungsapparats zog er selbst. Was würde nach seinem Tod geschehen?
Nach Cao Caos Tod standen seine Nachfolger vor einem Dilemma: Wer sich nicht auf die Beamtenfamilien stützt, kann auch nicht mit ihrer Treue rechnen. Um Kaiser werden zu können, musste Cao Pi ihnen entgegenkommen. Unter ihm wurde das Neun-Ränge-System eingeführt, vorgeschlagen von Chen Qun aus einer großen Familie in Yingchuan. Im Kern gab dieses System den führenden Familien vor Ort das Recht zurück, die Eignung von Amtsanwärtern zu beurteilen. Die Kontrolle über das Personal, die Cao Cao ihnen mit seiner Auswahl nach Fähigkeit entrissen hatte, wurde ihnen wieder ausgehändigt.
Cao Cao hatte ein Leben lang die großen Familien niedergehalten und ein paralleles System aufgebaut. Sein Sohn gab es mit einem einzigen Erlass aus der Hand. Hier liegt der Rest, den diese Strategie hinterlässt: Du hast den Rest niedergehalten, aber nicht beseitigt. Sobald du locker lässt, schnellt er in seine alte Position zurück. Womöglich ist er nun sogar stärker, weil sich während seiner Unterdrückung noch mehr Energie für diesen Rückstoß angesammelt hat.
2. Liu Bei: Die mächtigen Familien umgehen
Liu Beis Herkunft war eine völlig andere. Er war ein Nachfahre des Kaiserhauses, ein Nachkomme des Prinzen Jing von Zhongshan. Doch in seiner Generation war die Familie so weit abgestiegen, dass er Matten flocht und Schuhe verkaufte. Seine Ausgangsmittel waren nahezu null: kein eigenes Gebiet, kein Familiennetzwerk, keine wirtschaftliche Basis.
Liu Bei besaß nur eine entscheidende Ressource: das kaiserliche Blut, das ihn zum „Kaiseronkel“ machte. Politisch war diese Abstammung ungemein wertvoll. Sie erlaubte ihm, das Banner der „Wiederherstellung des Hauses Han“ zu erheben. In der Sprache des Betriebssystems 3.0 stand dieses Banner für die höchstmögliche Legitimität.
Man könnte Liu Beis Modell einen „Aufbau auf dynastischer Legitimität“ nennen. Sein Grundgedanke lautete: Ich vertrete die rechtmäßige Han-Linie, das Mandat des Himmels liegt bei mir. Wer sich mir anschließt, folgt keinem Kriegsherrn. Er nimmt an einem großen Werk teil: der Wiederherstellung der rechtmäßigen Ordnung.
Die Antwort dieses Modells auf das Problem der mächtigen Familien hieß: sie umgehen.
Liu Beis engster Kreis – Guan Yu, Zhang Fei, Zhuge Liang und Zhao Yun – hatte unterschiedliche familiäre Hintergründe; Zhuge Liang etwa entstammte einer Beamtenfamilie. Was diese Männer verband, lässt sich nicht auf eine Kalkulation familiärer Interessen reduzieren. Persönliches Vertrauen in Liu Bei und das Ideal rechtmäßiger Herrschaft, das er verkörperte, waren entscheidende Bindungen. Der Machtkern seines Regimes beruhte daher nicht allein auf lokalen Familiennetzwerken, sondern auch auf dieser durch gemeinsame Überzeugungen verbundenen Führungsgruppe.
Nach seinem Einzug in Shu stand Liu Bei allerdings vor einem handfesten Problem: Dort gab es bereits mächtige Familien und einflussreiche Vertreter der regionalen Elite wie Li Yan, Fa Zheng und Huang Quan. Mit ihnen musste er umgehen. Seine Lösung, an der später auch Zhuge Liang festhielt: Die Familien von Shu durften an der Verwaltung mitwirken, doch die entscheidende Macht blieb stets bei der Jingzhou-Gruppe, jenem Kreis von Auswärtigen, der mit Liu Bei nach Shu gekommen war. Die örtlichen Familien waren nützliche Kooperationspartner, keine wirklichen Teilhaber an der Macht.
Zhuge Liangs Regierungsführung festigte dieses Modell weiter. Er lenkte Shu-Han mit strenger Gesetzesanwendung und starker Zentralisierung: „Auf Belohnung und Strafe muss Verlass sein.“ Und: „Wer sich treu einsetzt und dem Gemeinwesen nützt, wird belohnt, selbst wenn er mein Feind ist. Wer Gesetze bricht und seine Pflichten vernachlässigt, wird bestraft, selbst wenn er mir nahesteht.“ Legalistische Praxis steckte hier in einer konfuzianischen Hülle aus rechtmäßiger Herrschaft und menschenfreundlichem Regieren. Zhuge Liangs Verwaltung war außerordentlich leistungsfähig. Shu-Han konnte mit der kleinsten Bevölkerung und der schwächsten wirtschaftlichen Basis vierzig Jahre lang Nordfeldzüge und die Konfrontation mit seinen Gegnern durchhalten. Das zeigt, welche erstaunliche Durchsetzungskraft in diesem System steckte.
Aber auch die Strategie des Umgehens hinterließ einen tödlichen Rest: Ein Aufbau auf dynastischer Legitimität braucht einen unablässigen Nachschub an Glauben.
Solange Liu Bei lebte, speiste sich dieser Glaube aus ihm selbst: aus seiner Abstammung, seinem Lebensweg, seiner persönlichen Ausstrahlung. Zu Zhuge Liangs Lebzeiten verlagerte sich die Quelle auf ihn, auf das moralische Vorbild eines Mannes, der sich „bis zur Erschöpfung hingibt und erst mit dem Tod aufhört“. Doch was kam nach Zhuge Liangs Tod?
Glaube lässt sich nicht vererben. Eine Blutslinie kann man fortsetzen, Fähigkeiten kann man vermitteln. Aber kein Mechanismus überträgt den Glauben automatisch auf die nächste Generation. Jiang Wan, Fei Yi und Jiang Wei, Zhuge Liangs Nachfolger, besaßen unterschiedliche Begabungen. Keiner von ihnen konnte jedoch dieselbe moralische Strahlkraft entfalten. Der Aufbau auf Legitimität verlor nach und nach seinen Antrieb aus Überzeugung und lief nur noch aus Gewohnheit weiter. Am Ende dieses Verfalls ergab sich Liu Shan dem Feldherrn Deng Ai. Shu-Han ging unter.
Der Preis dafür, die mächtigen Familien zu umgehen, ist die fehlende gesellschaftliche Verankerung des eigenen Modells. Das Regime ruht einzig auf dem Glauben, dessen Fortbestand von den persönlichen Eigenschaften des Anführers abhängt. Diese Eigenschaften sind eine Zufallsgröße, keine Leistung, die eine Institution verlässlich bereitstellen kann. Wieder dasselbe alte Problem: Man kann nicht verlangen, dass jede Generation einen Weisen hervorbringt. Daran starb der Aufbau auf freiwilliger Thronübergabe. Daran starb auch der Aufbau auf dynastischer Legitimität.
3. Sun Quan: Mit den mächtigen Familien verhandeln
Sun Quan befand sich in einer anderen Lage als Cao Cao und Liu Bei. Er war weder ein von den großen Familien ausgegrenzter Außenseiter wie Cao Cao noch ein heimatloser Wanderer ohne eigenes Herrschaftsgebiet wie Liu Bei. Er war der Erbe auswärtiger Eroberer: Sein Vater Sun Jian und sein älterer Bruder Sun Ce hatten Jiangdong mit Waffengewalt erobert. Nun stand er einer Gruppe starker einheimischer Familien gegenüber.
Sun Ce hatte auf Härte gesetzt. Er ließ zahlreiche angesehene Männer Jiangdongs töten, die sich ihm widersetzten, darunter Xu Gong, und zwang die örtlichen Kräfte mit Gewalt zur Unterwerfung. Doch auch Sun Ce selbst fiel einem Anschlag seiner Feinde zum Opfer. Das war der Preis der gewaltsamen Unterwerfung.
Sun Quan versuchte es anders: Er verhandelte.
Nach seinem Herrschaftsantritt berief er zahlreiche Angehörige der führenden Familien Jiangdongs in Ämter: Gu Yong aus der Familie Gu, Lu Xun aus der Familie Lu, Zhu Huan aus der Familie Zhu, Zhang Wen aus der Familie Zhang. Sie sollten nicht bloß als Beamte dienen, sondern an den wichtigsten Entscheidungen mitwirken. Lu Xun wurde Kanzler, ebenso Gu Yong. Beide gelangten damit an die Spitze der Verwaltung.
Einen Trumpf behielt Sun Quan jedoch stets in der Hand: Die militärische Gewalt überließ er den einheimischen Familien nie vollständig. Die militärische Kernmacht lag bei seinem eigenen Clan und bei den alten Heerführern aus dem Gebiet von Huai und Si, die zur frühen Gefolgschaft des Hauses Sun zählten. Diese Gefolgschaft hatte sich um Sun Jian und Sun Ce gebildet. Dazu gehörten Zhou Yu, Lu Su und Lü Meng, alles Männer von nördlich des Jangtse, keine Einheimischen aus Jiangdong. Politisch mit den lokalen Familien zusammenarbeiten, militärisch die Kontrolle der zugewanderten Gruppe sichern: Das war Sun Quans Kunst des Gleichgewichts.
Die Stärke des Verhandlungsmodells war seine Stabilität. Das Reich Wu der Familie Sun bestand von den Drei Reichen am längsten: von Sun Ces Flussüberquerung im Jahr 196 bis zum Untergang 280, also fast fünfundachtzig Jahre. Es erlebte auch die wenigsten inneren Unruhen, jedenfalls während des größten Teils von Sun Quans Lebenszeit. Der Grund für diese Stabilität lag im Spielraum, den die Verhandlung beiden Seiten ließ. Die Familie Sun erhielt die Kontrolle über das Regime; die einheimischen Familien erhielten politische Mitsprache und die Absicherung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Beide Seiten gewannen etwas, beide gaben etwas auf. So entstand ein unvollkommenes, aber funktionsfähiges Gleichgewicht.
Der Rest dieses Verhandlungsmodells war seine Unfähigkeit, nach außen zu expandieren.
Verhandeln heißt im Kern, Kompromisse zu schließen. Wer den lokalen Familien politische Mitsprache einräumt, gibt ihnen damit auch die Möglichkeit, politische Vorhaben zu blockieren, zumindest auf indirektem Weg. Die Familien kämpften gern für den Erhalt Jiangdongs: Es war ihr Gebiet, hier lag ihr Besitz. Für Nordfeldzüge fehlte ihnen die Begeisterung. Was hätten sie auch davon, weiter vorzustoßen? Das neu eroberte Land würde ja nicht ihnen gehören.
Damit setzte die Verhandlung selbst der Strategie von Wu eine feste Grenze. Verteidigen konnte man sich, angreifen nicht. Die Bündnispartner waren sich über die Verteidigung einig, über eine Offensive nicht. Jeder Versuch, den Herrschaftsbereich zu erweitern, ob Zhuge Kes Nordfeldzug oder der von Sun Jun, scheiterte am unzureichenden Rückhalt im eigenen Lager.
Noch tiefer lag ein weiterer Rest des Verhandlungsmodells: die Nachfolgefrage. Der „Streit der beiden Paläste“ in Sun Quans späten Jahren, der Kampf zwischen Kronprinz Sun He und Sun Ba, dem Prinzen von Lu, um die Thronfolge, war weit mehr als ein Zwist im Kaiserhaus. Er zwang die großen Familien ganz Jiangdongs zur Parteinahme. Verschiedene Familien unterstützten verschiedene Prinzen; der Hofstreit wurde zu einer umfassenden Konfrontation aristokratischer Lager. Am Ende setzte Sun Quan den Kronprinzen ab und ließ den Prinzen von Lu töten. Beide Seiten verloren, zahlreiche Hofbeamte wurden mit hineingezogen.
Warum war die Nachfolgefrage für Wu besonders gefährlich? Weil das Gleichgewicht seines Verhandlungsmodells zerbrechlich war. Es beruhte auf einem stillschweigenden Einverständnis und der Kompromissbereitschaft beider Seiten. Solange Sun Quan lebte, hielt er dieses Einverständnis mit persönlicher Autorität und politischem Geschick aufrecht. Seinen Nachfolgern fehlte seine Autorität, und die Verständigung begann zu zerfallen. Jede Thronfolge erforderte neue Verhandlungen. Deren Ergebnis fiel für die Familie Sun immer ungünstiger aus, denn ihre Trümpfe wurden schwächer: militärische Leistungsfähigkeit und der Zusammenhalt angesichts äußerer Bedrohungen. Die Trümpfe der örtlichen Familien wurden dagegen stärker: Wirtschaftskraft, Netzwerke fähiger Leute und lokale Verwurzelung.
Solange beide Verhandlungsparteien ähnlich stark sind, können die Verhandlungen weitergehen. Wird aber eine Seite fortlaufend stärker und die andere schwächer, verwandelt sich die Verhandlung in einseitige Forderungen. Genau so sah die Politik in der Spätzeit von Wu aus. Der Kaiser wurde immer schwächer, die großen Familien immer stärker, bis sich zuletzt nicht einmal mehr der Anschein einer Verhandlung aufrechterhalten ließ.
4. Die Sima: Die mächtigen Familien in die Arme schließen
Die Familie Sima schlug einen vierten Weg ein. Cao Cao hielt die großen Familien nieder, Liu Bei umging sie, Sun Quan verhandelte mit ihnen. Die Sima entschieden sich für etwas anderes: selbst eine dieser Familien zu sein.
Das war weniger eine strategische Wahl als eine Frage der eigenen Identität. Sima Yi stammte aus einer führenden Familie des Kreises Wen in Henei, die seit Generationen Beamte stellte. Sein Aufstieg verlief vollständig innerhalb der aristokratischen Netzwerke. Das Ansehen seiner Familie eröffnete ihm die Beamtenlaufbahn, Heiratsverbindungen verschafften ihm Bündnisse, Empfehlungen von Amtskollegen trugen ihn nach oben. Er war kein Außenstehender, der die großen Familien für sich nutzen wollte. Er war einer von ihnen.
Als Sima Yi beim Staatsstreich an den Gaoping-Gräbern im Jahr 249 den Cao die Macht im Reich Wei entriss, war er in höchstem Maße auf die Unterstützung dieser Netzwerke angewiesen. Dass er die Lage rasch unter Kontrolle bekam, verdankte er nicht einer eigenen militärischen Machtbasis. Nominell war er damals bereits im Ruhestand. Entscheidend war die Unterstützung der gesamten Beamtenaristokratie, oder zumindest ihr stillschweigendes Einverständnis. Cao Shuang vertrat das Kaiserhaus Cao und dessen angeheiratete Verwandtschaft, Sima Yi die gemeinsamen Interessen des aristokratischen Standes. Zwischen beiden zu wählen, fiel den meisten führenden Familien nicht schwer.
Das Modell der von den Sima gegründeten Westlichen Jin lässt sich als „Aufbau auf gemeinsamer Herrschaft mit der Beamtenaristokratie“ bezeichnen. Sein zentrales Versprechen lautete: Kaiser und führende Familien regieren das Reich gemeinsam. Der Kaiser stellt die nominelle oberste Autorität und die militärische Absicherung, die Familien liefern Verwaltungskompetenz und gesellschaftliche Kontrolle. Jede Seite bekommt, was sie braucht.
Das Neun-Ränge-System gab diesem Modell seine institutionelle Form. Theoretisch handelte es sich um ein Verfahren zur Auswahl von Amtsträgern: Ein Beurteilungsbeamter, der Zhongzheng, bewertete die Kandidaten seiner Region, ordnete sie neun Rangstufen zu und empfahl sie dem Hof. In der Praxis gehörten die Beurteiler selbst den großen Familien an. Für sie hatte die Herkunft Vorrang. Welche Ämter die Vorfahren einer Familie über mehrere Generationen bekleidet hatten, zählte weit mehr als die persönlichen Fähigkeiten eines Bewerbers.
Das Ergebnis lautete: „In den oberen Rängen keine bescheidenen Häuser, in den unteren Rängen keine aristokratischen Familien.“ Die höchsten Ämter waren vollständig von den großen Familien monopolisiert. Wer aus kleinen Verhältnissen kam, blieb unten, wie begabt er auch sein mochte. Dieses System machte das politische Monopol der mächtigen Familien endgültig zur Institution.
Aus der Perspektive des Aufbaus tat die Strategie der Umarmung etwas, das keine der drei anderen Strategien getan hatte: Sie machte den Rest zum Fundament.
Cao Cao behandelte die großen Familien als Rest, den man niederhalten musste. Liu Bei behandelte sie als Rest, den man umgehen musste. Sun Quan verhandelte mit ihnen als Partnern, hielt dabei aber Abstand. Die Sima betrachteten sie gar nicht mehr als Rest. Sie erklärten sie zur Grundlage des Systems. Ihr werdet nicht bloß geduldet, ihr werdet gebraucht. Ihr seid kein Bug im System, ihr seid ein Feature.
Kurzfristig war diese Strategie außerordentlich wirksam. Sie beseitigte mit einem Schlag die strukturelle Spannung zwischen den großen Familien und der Zentralgewalt, weil beide zu einer Einheit verschmolzen. Ohne Spannung keine inneren Reibungsverluste. In der Frühzeit der Westlichen Jin wirkte die Politik ausgesprochen harmonisch: Alle Machthaber stammten aus derselben Schicht, teilten dieselben Werte und genossen dieselben Vorteile.
Doch ohne Spannung gab es auch keine gegenseitige Machtbegrenzung.
Darin lag der tödliche Rest der Umarmungsstrategie.
5. Warum die Umarmung langfristig den höchsten Preis fordert
Spannungen sind unangenehm. Aber sie sind nützlich.
Cao Caos Strategie des Niederhaltens war voller Spannung. Zwischen ihm und der Beamtenaristokratie bestand eine ständige Konfrontation. Sie kostete Kraft, lieferte aber auch Informationen: Welche Teile des Systems funktionieren? Wo hakt es? Wo staut sich Druck? Die Konfrontation war ein Rückkopplungsmechanismus.
Auch Sun Quans Verhandlungsstrategie enthielt Spannung. Das Feilschen zwischen ihm und den großen Familien Jiangdongs ging unablässig weiter und konnte scharf werden. Doch gerade dieses Feilschen war ein Mechanismus laufender Anpassung. Beide Seiten verteilten Macht und Ressourcen immer wieder neu, je nachdem, wie sich die Lage veränderte. Die Verhandlung war ein Regelmechanismus.
Die Umarmungsstrategie der Sima enthielt keine Spannung. Kaiserhaus und Beamtenaristokratie bildeten eine Einheit, ihre Interessen waren aufeinander abgestimmt, ihre Werte dieselben. Damit gab es im Inneren des Systems keine Rückkopplung, keine Anpassung, keine Kraft, die auf Probleme hinweisen oder Fehlentwicklungen korrigieren konnte.
Als im Inneren dann ein Problem aufbrach, der Krieg der Acht Prinzen, zeigten sich sofort die katastrophalen Folgen.
Der Krieg der Acht Prinzen von 291 bis 306 war ein Machtkampf innerhalb des Kaiserhauses der Westlichen Jin. Vordergründig bekämpften sich acht mit eigenen Herrschaftsgebieten ausgestattete Prinzen aus der Familie Sima. Tatsächlich war die Machtverteilung im Kaiserhaus aus dem Lot geraten. Sima Yan, Kaiser Wu, hatte zahlreiche Verwandte zu Prinzen erhoben und ihnen weitreichende militärische Befugnisse und Autonomie eingeräumt. Er hatte aus der Schwäche des Kaiserhauses Cao gelernt, die seiner eigenen Familie die Usurpation ermöglicht hatte, und wollte nun die kaiserliche Verwandtschaft stärken. Das Ergebnis: Die Prinzen wurden so mächtig, dass sie einander die Kontrolle über die Zentrale streitig machten.
Dass dieser Krieg so grausam war, sich über sechzehn Jahre hinzog und die Kräfte der Westlichen Jin so restlos zerstörte, lag im Kern jedoch nicht an der übermäßigen Stärke der Prinzen. Es fehlte jede vom Kaiserhaus und von der Beamtenaristokratie unabhängige Kraft, die hätte schlichten können.
Im normalen Betrieb des Systems 3.0 stritten Kaiser, angeheiratete Verwandte des Kaiserhauses, Eunuchen und konfuzianische Gelehrte zwar ebenfalls miteinander. Man denke an den Wechsel zwischen Verwandtenherrschaft und Eunuchenherrschaft unter den Östlichen Han. Doch die rivalisierenden Gruppen kamen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und besaßen jeweils eine eigene Machtbasis. Dadurch begrenzten sie sich bis zu einem gewissen Grad gegenseitig, so grob und kostspielig diese Machtbegrenzung auch war.
Die gemeinsame Herrschaft von Kaiserhaus und Beamtenaristokratie unter den Westlichen Jin beseitigte dieses Gegengewicht verschiedener Kräfte. Alle Machthaber gehörten derselben Schicht an. Als diese Schicht sich spaltete, gab es keine äußere Schranke, die die Heftigkeit des Konflikts hätte begrenzen können. Alle waren Mitspieler. Niemand war Schiedsrichter.
Was ist ein Wettkampf ohne Schiedsrichter? Ein Kampf auf Leben und Tod. So wurde der Krieg der Acht Prinzen zu einem Bürgerkrieg um die Macht, dem jede Bremse fehlte. Er endete erst, als sämtliche Beteiligten ihre Kräfte aufgezehrt hatten.
Der Krieg der Acht Prinzen führte unmittelbar dazu, dass Völker aus dem Norden in großer Zahl nach Süden vordrangen. Sechzehn Jahre Bürgerkrieg hatten die militärische Stärke und die Verwaltungskraft der Westlichen Jin verbraucht. Xiongnu, Xianbei, Jie, Di und Qiang nutzten die Schwäche, um die Herrschaft in der Zentralebene zu übernehmen. Die anschließende, etwa drei Jahrhunderte währende Teilung in Nord und Süd, von den Östlichen Jin und den Sechzehn Reichen bis zu den Südlichen und Nördlichen Dynastien, war die späte Rechnung für die Umarmungsstrategie der Sima.
Der Preis dafür, den Rest in die Arme zu schließen, wird nicht im Augenblick der Umarmung fällig, sondern erst lange danach. Wer den Rest zum Fundament macht, scheint den unmittelbaren Widerspruch zu beseitigen. Tatsächlich beseitigt er den inneren Regelmechanismus des Systems. Ein System ohne solchen Mechanismus besitzt gegenüber Erschütterungen keinerlei Widerstandsfähigkeit. In seinem Inneren gibt es keinen Raum, in dem es nachgeben könnte. Sobald Druck darauf lastet, zerbricht es.
Cao Caos Niederhalten ließ Spannungen bestehen, aber auch Widerstandsfähigkeit. Die Umarmung der Sima beseitigte beides. Widerstandsfähigkeit scheint unwichtig, solange alles glattgeht. Dann braucht man sie nicht. Doch gerade wenn alles glattgeht, muss man sie für die Zeiten aufbauen, in denen es nicht mehr glattgeht. Erst nach ihr zu suchen, wenn man sie braucht, ist zu spät.
6. Was die Drei Reiche zum Zyklusgesetz beitragen
Im Zyklusgesetz von Abtragen und Aufbau nimmt die Drei-Reiche-Zeit eine besondere Stellung ein. Sie war weder die Geburtszeit eines neuen Ordnungsmodells, wie die Zeit von Qin und Han, noch eine Phase, in der ein bestehendes Modell ruhig funktionierte, wie unter den Han-Kaisern Wen und Jing. Sie war die Zeit nach dem Zusammenbruch eines alten Modells, in der mehrere Reparaturversuche zugleich erprobt wurden.
Diese Versuche hinterließen einige weitreichende Lehren.
Erstens: Es gibt vier grundlegende Haltungen im Umgang mit dem Rest: niederhalten, umgehen, verhandeln, in die Arme schließen.
Diese vier Haltungen waren keine Spezialität der Drei Reiche. In den folgenden zweitausend Jahren politischer Praxis lassen sich die Entscheidungen von Regierenden gegenüber strukturellen Resten stets einer dieser vier Haltungen oder einer Kombination daraus zuordnen. Ob es um mächtige Familien, Kriegsherren, fremde Völker, Intellektuelle oder den Kaufmannsstand ging: Das Spektrum blieb dasselbe.
Jede Haltung hat ihren eigenen Preis. Beim Niederhalten schnellt der Rest zurück, sobald man loslässt. Beim Umgehen fehlt dem eigenen Modell die gesellschaftliche Verankerung. Beim Verhandeln wird die Handlungsfähigkeit durch Kompromisse begrenzt. Bei der Umarmung geht die Fähigkeit zur inneren Regulierung verloren.
Keine dieser Haltungen ist an sich „richtig“. Ob sie passt, hängt von der Beschaffenheit des jeweiligen Restes, den verfügbaren Mitteln und dem Zeitfenster ab. Cao Caos Niederhalten funktionierte zu seinen Lebzeiten hervorragend. Nur konnte nach seinem Tod niemand daran anknüpfen. Sun Quans Verhandlungen eigneten sich hervorragend dazu, Jiangdong zu halten. Nur kam man nicht darüber hinaus. Liu Beis Umgehen war in der Gründungsphase äußerst wirksam. Nur versiegte nach dem Tod des Gründers der Nachschub an Glauben. Die Umarmung der Sima war für Machteroberung und Reichseinigung äußerst wirksam. Nur fehlte der Ordnung nach der Einigung die Widerstandsfähigkeit.
Zweitens: Gegenseitige Machtbegrenzung ist kein Feind der Effizienz, sondern eine Quelle von Widerstandsfähigkeit.
Das ist die tiefste Lehre der Drei Reiche. Cao Caos System war das effizienteste: Auswahl nach Fähigkeit, Agrarkolonien und Zentralisierung. Das System der Sima war das ineffizienteste. Die gemeinsame Herrschaft der Beamtenaristokratie senkte zwangsläufig die Verwaltungseffizienz; die Familien schoben einander Verantwortung zu und blockierten sich gegenseitig. Entscheidungen kamen viel langsamer zustande als in einer Alleinherrschaft. Und doch schluckte am Ende das weniger effiziente System das effizientere.
Warum? Weil Cao Caos effizientes System an einem einzigen Punkt hing. Die Urteilskraft eines einzelnen Mannes trieb das Ganze an. Solange er lebte, glich es einer Präzisionsmaschine. Nach seinem Tod glich es einer Maschine, der der Motor fehlte. Das ineffiziente System der Sima war dagegen dezentral angelegt: Die Macht verteilte sich auf die gesamte Beamtenaristokratie. Unter normalen Bedingungen reagierte es schwerfällig und arbeitete ineffizient. Gegenüber Erschütterungen besaß es aber die größere Überlebensfähigkeit. Zerstörte man einen Knoten, blieben die anderen bestehen.
Zwischen Effizienz und Widerstandsfähigkeit besteht ein Zielkonflikt. Wer nach äußerster Effizienz strebt, muss Widerstandsfähigkeit opfern, denn Effizienz verlangt Konzentration, und Konzentration beseitigt Redundanz. Wer nach äußerster Widerstandsfähigkeit strebt, muss Effizienz opfern, denn Widerstandsfähigkeit verlangt Dezentralisierung, und Dezentralisierung erschwert die Koordination.
Das beste System ist deshalb weder das effizienteste noch das widerstandsfähigste. Es findet das angemessene Verhältnis zwischen beiden. Wo dieses Gleichgewicht liegt, hängt von der Umwelt ab. Im Krieg muss die Effizienz stärker wiegen, damit sich die Kräfte für den Kampf bündeln lassen. Im Frieden muss die Widerstandsfähigkeit stärker wiegen, um langfristige Stabilität zu sichern. Nur können die wenigsten Systeme dieses Verhältnis bei veränderten Bedingungen von selbst nachjustieren. Wer auf Effizienz setzt, will die Konzentration nicht aufgeben, denn sie bedeutet Macht. Wer auf Widerstandsfähigkeit setzt, will keine Konzentration zulassen, denn sie bedeutet, von anderen beherrscht zu werden.
Drittens: Wer im Wettstreit der Ordnungsmodelle gewinnt, besitzt deshalb noch nicht das beste Modell.
Die Sima vereinigten die Drei Reiche nicht, weil ihr Modell das beste gewesen wäre. Es hatte tödliche Schwächen: keine gegenseitige Machtbegrenzung, keine Widerstandsfähigkeit. Schon rund dreißig Jahre nach der Einigung lagen diese Schwächen offen zutage. Ihr Sieg hatte mehrere Ursachen. Der Machtkampf im Inneren von Cao-Wei bot ihnen die Gelegenheit. Die Grenzen der Modelle von Shu-Han und Ost-Wu, die versiegende Glaubenskraft hier und die fehlende Expansionsfähigkeit dort, verschafften ihnen Zeit. Und die Mobilisierungskraft der landesweit vernetzten Beamtenaristokratie lieferte ihnen die Mittel.
Damit sind wir wieder bei der Lehre aus dem Essay über die Streitenden Reiche: Ein Sieg ist kein Beweis. Qins Sieg bewies nicht, dass sein Ordnungsmodell das bestmögliche war. Ebenso wenig bewies der Sieg der Sima, dass die gemeinsame Herrschaft mit der Beamtenaristokratie die beste Ordnung war. Dieses Modell war unter den damaligen Wettbewerbsbedingungen und in jener historischen Lage lediglich nicht ausgeschieden. Als sich die Bedingungen änderten und nach der Einigung Regieren statt Erobern gefragt war, zeigte sich rasch, dass es auf Dauer nicht tragfähig war.
Viertens: Wer eine Zeit der Wirren beendet, ist nicht unbedingt derjenige, der am Ende davon profitiert.
Cao Cao schuf mit der Einigung des Nordens die Grundlage für die Reichseinigung. Aber nicht seine Familie erntete den Gewinn. Die Sima vollendeten die Einigung. Doch auch die Sima waren nicht die Nutznießer, denn die Westlichen Jin brachen rasch zusammen. Die eigentlichen Gewinner waren die aristokratischen Familien, die sich durch die Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien retteten, sowie die neuen Kräfte, die später aus der Verschmelzung der Völker im Norden hervorgingen.
Die Früchte der Politik pflückt selten derjenige, der den Baum gepflanzt hat. Wer abträgt, ist nicht unbedingt derjenige, der aufbaut. Cao Cao gehörte zu den besten Meistern des Abtragens, doch sein Aufbau überdauerte nicht die Generation seiner Enkel. Die Sima trugen die Mauer von Cao-Wei ab und bauten ein Haus, dem jede Widerstandsfähigkeit fehlte. Auf den Trümmern halten sich am Ende oft jene Kräfte, die sich in den Wirren nicht zu sehr exponiert und bei den Machtwechseln ihre Beweglichkeit bewahrt haben.
7. Ausblick
Die Drei Reiche gingen im Reich Jin auf. Jin einigte das Reich und brach dann noch schneller zusammen als Qin. Qin hatte immerhin fünfzehn Jahre durchgehalten. Von der Einigung durch die Westlichen Jin im Jahr 280 bis zum vollen Ausbruch des Krieges der Acht Prinzen im Jahr 291 vergingen nur elf Jahre.
Auf den Zusammenbruch folgten dreihundert Jahre der Teilung: Östliche Jin und Sechzehn Reiche, dann die Südlichen und Nördlichen Dynastien. Erstmals erlebte das Betriebssystem 3.0 eine vollständige, lang anhaltende Unterbrechung, aus der kein Neustart herausführte.
Liu Xiu hatte nach Wang Mang die Version 3.0 neu starten können, weil fünfzehn Jahre Unterbrechung das gesellschaftliche Gedächtnis ihrer Funktionsweise noch nicht ausgelöscht hatten. Dreihundert Jahre Teilung reichten dagegen aus, alles zu löschen. Die Herrschaft der aristokratischen Familien im Süden und die Verschmelzung von Han und Nicht-Han im Norden verließen auf jeweils eigene Weise den Parameterbereich der Version 3.0. Als Sui und Tang das Reich schließlich wieder vereinigten, entstand kein weiterer Neustart von 3.0. Es entstand eine tiefgreifend umgebaute neue Version.
Im nächsten Essay: die Westlichen Jin, die Östlichen Jin und die Sechzehn Reiche. Der Aufbau auf gemeinsamer Herrschaft mit der Beamtenaristokratie bricht zusammen, und Nord und Süd schlagen zwei völlig verschiedene Wege ein. Ein Aufbau auf aristokratischen Familien im Süden, unter den Östlichen Jin, trifft auf einen Aufbau auf militärischen Machthabern im Norden, in den Sechzehn Reichen: zwei parallele Versuche im selben historischen Raum.
Diese deutsche Ausgabe wurde für deutschsprachige Leser eigenständig neu geschrieben.