Vom Sein zum Tode zu Non Dubito
Sterblichkeit gibt keinen Stundenplan vor
Aus der Tatsache, dass wir sterben, folgt weder Sinnlosigkeit noch die Pflicht, jede Minute zu füllen. Nihilismus und rastlose Selbstoptimierung sind selbst schon Deutungen. Die ernstere Frage lautet: Welche der übernommenen Gründe kann ich als die meinen verantworten? Zum Tode zu leben heißt, das eigene Leben aus geliehenen Maßstäben zurückzuholen und für die Bedeutung der eigenen Handlungen einzustehen.
Der andere bleibt außerhalb meiner Gründe
Ich kann gute Gründe haben, jemanden zu lieben, zu achten oder zu unterstützen. Es bleiben meine Gründe. Alles, was ich am anderen verstehe und schätze, ergibt zusammengenommen noch nicht seine Subjektivität. Hier setzt Non Dubito ein: Ich darf meine Deutung bezweifeln, widersprechen und einen gemeinsamen Weg ablehnen. Was ich nicht nach Belieben zurücknehme, ist die Anerkennung, dass auch der andere Zweck ist — nicht Material meines Entwurfs.
Zwei Forderungen halten einander offen
Das Sein zum Tode kann die Welt um meinen Sinn schließen. Ein abstrakter Respekt ohne eigene Bindung kann dagegen folgenlos bleiben. Das eine fordert: Lebe das Leben, für das du antworten kannst. Das andere ergänzt: Verschlinge dabei nicht das Leben eines anderen. Non Dubito heißt deshalb nicht, der Welt sicher zu sein. Es bezeichnet die Standfestigkeit in einem Punkt, auch im Konflikt: Der andere ist ebenfalls Zweck.