Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Ein Mensch mit nur einem Ziel

Han Qin (秦汉) · Deutsche Neufassung · 2026-10-09

Über diese Ausgabe

Zur Ausgabe: Diese deutsche Neufassung folgt dem chinesischen Original. Auf der Originalseite lässt sich zwischen vereinfachten und traditionellen Schriftzeichen wechseln.

Aki Hayakawa hat Verträge mit drei Teufeln geschlossen.

Beim Fuchsteufel bezahlt er mit Teilen seines Körpers. Beim Fluchteufel kostet jeder Einsatz einen Teil seiner Lebenszeit. Der Zukunftsteufel verlangt dagegen, in Akis rechtem Auge wohnen zu dürfen. Dazu kommt die Warnung: Dein Tod wird entsetzlich sein.

Aki unterschreibt.

Er schließt diese Verträge, weil er einen Teufel töten will. Den Teufel, der seine ganze Familie getötet hat.

Darum geht es in diesem Essay: um ein gewaltiges, klar umrissenes Ziel, das ein ganzes Leben durchzieht.

Was er will

Als Aki im Teenageralter ist, tötet der Pistolenteufel seine Eltern und seinen jüngeren Bruder.

Er ist in diesem Augenblick nicht dabei. Oder genauer: Er ist dabei, überlebt aber. Als er zurückkommt, gibt es sein Zuhause nicht mehr.

Damals geht er noch zur Schule.

Seitdem dient alles, was er tut, ein und demselben Ziel. Er besteht die Aufnahmeprüfung bei der Öffentlichen Sicherheit, geht zur Teufelsjagd, übernimmt die gefährlichsten Aufträge und tauscht Lebenszeit gegen Waffen. Er heiratet nicht, vergnügt sich nicht und hält sich keinen Rückweg offen.

Sein Leben ist eine gerade Linie.

Auf dieser Linie ist sonst nichts. Keine Hobbys, keine Sparpläne, kein Ort, an den er reisen möchte. Auch kein Gedanke daran, mit jemandem zusammen zu sein. So lange Himeno auch seine Partnerin ist: In diese Richtung biegt die Linie nie ab.

Er hat aus sich ein Werkzeug gemacht. Und dieses Werkzeug hat genau einen Verwendungszweck.

Damit ist er Denjis völliges Gegenteil. Denjis Wünsche bestehen aus vielen winzigen Stücken. Aki hat nur einen Wunsch, aber der ist groß genug, sein ganzes Leben aufzunehmen.

Was er bezahlt

Sehen wir uns nun den Preis dieser geraden Linie an.

Jeder Einsatz des Fluchteufels kostet laut Vertrag ein Stück Lebenszeit. Die Geschichte beziffert ausdrücklich, wie viele Jahre Aki dadurch verliert. Der Verlust lässt sich berechnen. Und er selbst zahlt immer wieder ein.

Beim Zukunftsteufel ist der Vertrag mit einer Warnung verbunden. Er will in Akis rechtem Auge wohnen und kündigt ihm einen entsetzlichen Tod an. Wie genau dieser aussehen wird, lässt Aki sich damals nicht erzählen. Er schließt den Vertrag trotzdem.

Für dieses Ziel bezahlt er mit Lebenszeit, Stück für Stück. Und er selbst ist es, der jede einzelne Rechnung begleicht.

Das ist das genaue Gegenstück zu Denji. Denji wird Scheibe für Scheibe gefüttert. Er empfängt fortwährend etwas. Aki gibt ein Stück nach dem anderen her. Er zahlt fortwährend.

Und beide sind in der Hand derselben Person.

Ob es ihm das wert sein sollte, muss hier niemand beurteilen. Entscheidend ist der Aufbau: Wer nur ein Ziel hat, wird alles annehmen, was ihn diesem Ziel näherbringt. Damit hat ihn aber auch derjenige in der Hand, der über dieses Ziel verfügt.

Wo Makima ansetzt

Hier schließt dieser Essay an die ersten beiden an.

Makima hält Denji mit einzelnen Scheiben Brot fest.

Bei Aki hält sie über sein Ziel die Fäden in der Hand.

Sie ist seine Vorgesetzte. Sie verfügt über die Informationen zum Pistolenteufel. Sie entscheidet, ob er ihm näherkommen darf. Im entscheidenden Augenblick sagt sie ihm: Folge mir, dann erreichst du dein Ziel.

Ein gewaltiges Ziel und viele winzige Wünsche sind dasselbe, wenn es darum geht, ob andere einen daran festhalten können.

Nur die Handhabung unterscheidet sich. Kleine Wünsche muss man Tag für Tag bedienen. Für ein großes Ziel reicht ein Satz, und dieses Versprechen kann jahrelang uneingelöst bleiben.

Man könnte sogar sagen: Die zweite Methode macht weniger Arbeit. Einen Menschen mit nur einem Ziel braucht man nicht täglich zu füttern. Man muss ihn lediglich glauben lassen, dass dieser Weg dorthin führt.

Nach Himenos Tod

Aki und Himeno arbeiten als Partner zusammen. Niemand in der Abteilung steht ihm so nahe wie sie. Und nur sie hat jemals zu ihm von der Zeit gesprochen, „wenn du damit aufgehört hast“.

Sie stirbt im Kampf gegen Samurai Sword. Sie gibt dem Geisterteufel ihren ganzen Körper, damit Aki weiterlebt.

Aki lebt weiter.

Danach taucht in seinem Leben allmählich etwas auf, das mit der geraden Linie nichts zu tun hat.

Etwas anderes kommt hinzu

Ganz konkret sieht es so aus:

Denji und Power ziehen bei ihm ein. Nun führen sie zu dritt einen Haushalt.

Aki kocht. Das zeigt die Geschichte immer wieder: Er steht in der Küche, neben ihm streiten sich Denji und Power.

Sie haben eine Katze. Sie feiern Feste und gehen gemeinsam in heißen Quellen baden. Sie streiten, und zwar heftig. Anschließend essen sie weiter zusammen.

Beim Einkaufen denkt Aki inzwischen an drei Portionen. Er kümmert sich darum, wann Denji aufsteht und schlafen geht und ob Power sich wäscht.

Er hat begonnen, etwas zu wollen, das er selbst kaum benennen kann: Der Alltag dieser drei Menschen soll weitergehen.

Auf seiner geraden Linie hat das keinen Platz. Mit dem Pistolenteufel hat es nichts zu tun, mit dem Tod seiner Familie auch nicht. Ebenso wenig mit dem Ziel, für das er Lebensjahre geopfert hat.

Die Geschichte hebt das nicht eigens hervor. Sie verkündet nicht: „Endlich hat Aki einen neuen Sinn gefunden.“ Auch Aki muss nichts dergleichen erklären. Wir sehen einfach eine Zeit lang Alltag: kochen, streiten, Wäsche waschen.

Und mitten in diesem Alltag besteht die gerade Linie fort. Aki hat nicht aufgegeben, den Pistolenteufel töten zu wollen. Beides lebt zugleich in ihm. Jedes hat seinen eigenen Platz.

Gerade als anderes in sein Leben tritt, ist er seinem Tod am nächsten.

Die Geschichte lässt an der Abfolge keinen Zweifel: erst der Alltag, dann der Pistolenteufel.

Auch das, was im Leben eines Menschen neu hinzukommt, kann ihm genommen werden.

Das Ziel auf Akis gerader Linie hat er selbst gewählt. Er kennt den Preis und bezahlt ihn selbst. Was später hinzukommt, die Wohnung, das Kochen, zwei lärmende Mitbewohner, hat er nicht gewählt, nicht bezahlt und in keinen seiner Pläne eingerechnet.

Am Ende nimmt dasselbe Ereignis ihm beides auf einmal.

Was der Zukunftsteufel gesehen hat

Kehren wir zu jenem Vertrag zurück.

Beim Vertragsabschluss sieht der Zukunftsteufel Akis Ende, nicht Aki selbst. Was er darin sieht, begeistert ihn: ein großartiges Todesschauspiel, so ungefähr seine Reaktion. Aki hört zunächst die Warnung vor dem entsetzlichen Tod. Erst später zeigt ihm der Teufel eine konkrete Vision des bevorstehenden Endes.

Seit dieser Warnung weiß Aki, dass er auf entsetzliche Weise sterben wird. Und geht trotzdem weiter.

An dieser Stelle lässt sich eine Frage stellen, ohne sie zu beantworten: Wenn jemand sein Ende kennt und dennoch denselben Weg weitergeht, zeigt das, wie fest sein Ziel ihn im Griff hat? Oder zeigt es, dass er diesen Weg selbst als seinen anerkennt?

Die Geschichte hält diese Frage offen. Aki erklärt sich nicht. Er kocht weiter, trainiert weiter, übernimmt weiter Aufträge.

Wie das Ziel aufgebraucht wird

Zum Schluss Akis Ende.

Ein Teil des Pistolenteufels greift an. Aki stirbt bei diesem Angriff. Später nimmt der Teufel seinen Leichnam in Besitz: Aus ihm wird der Pistolenbesessene.

Das heißt: Was er sein ganzes Leben lang töten wollte, wächst am Ende aus seinem eigenen Körper hervor.

Als er dazu geworden ist, steht Denji vor ihm.

Und was Denji an diesem Tag tut, hat mit seiner Wunschliste nicht das Geringste zu tun.

Aki ist tot.

Doch an diesem Tod ist noch etwas Kälteres. Um es zu sehen, müssen wir zum Kampf gegen den Pistolenteufel zurückgehen, bevor Denji dem Pistolenbesessenen gegenübersteht.

Davon handelt der nächste Essay.