Nicht gewinnen, sondern nicht verlieren
Die Vollendung eines Mittels liegt außerhalb seiner selbst
Ein Zweck besitzt einen eigenen Erfüllungszustand. Ein Mittel ist erst außerhalb seiner selbst erfüllt. Krieg endet daher nicht mit Kapitulation, Geländegewinn oder Zerstörung, sondern wenn die Lage, die ihn unausweichlich machte, aufgehoben ist und Kultivierung auf beiden Seiten wieder möglich wird.
Sobald ein Feldzug auf den vollkommenen Feldzug, die nächste Stadt oder die vollständige Vernichtung zeigt, nimmt das Mittel den Platz des Zwecks ein. In diesem Augenblick beginnt es zu zerstören, was es schützen sollte.
Die eigentliche Niederlage
Die erste Richtung heißt nicht gewinnen, sondern nicht verlieren. Verlieren bedeutet hier, im Verlauf des Krieges vom Schutz der Kultivierung zu ihrer Unterbrechung überzugehen. Eigene Expansion, das Schließen innerer Kritik und die Behandlung der Bevölkerung als Vollzugseinheiten sind bereits strukturelle Niederlagen, selbst bei militärischem Erfolg.
Das militärische Resultat hängt von Kräften, Führung, Aufklärung, Geographie und Zufall ab. Strukturelle Angemessenheit fragt, ob der Krieg weiterhin der Wiederkehr von Kultivierung dient. Ein Krieg kann auf der ersten Achse scheitern und auf der zweiten standhalten; er kann militärisch triumphieren und strukturell längst verloren sein.
Befreiung ist Richtung, keine Ermächtigung
Die Befreiung unterdrückter Subjekte kann eine Richtung des Handelns sein. Sie darf kein allgemeiner Satz werden, nach dem man Kriege beginnen müsse, um andere zu befreien. Jede Macht könnte sich sonst selbst zur Befreierin erklären und die Zukunft der Befreiten an ihrer Stelle entwerfen.
Sehen, unterstützen und ersetzen sind verschiedene Handlungen. Kultivierung kehrt erst zurück, wenn Befreite ihre Richtung selbst bestimmen können. Friedenszeit ist ebenfalls Vorbereitung: Bildung, Kritik, Kreativität und freiwillige Kooperation stärken eine Gesellschaft auf ihrem eigenen Boden. Das erhöht langfristige Chancen, garantiert aber keinen historischen Sieg.