Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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SAE im Gespräch mit der westlichen Philosophie · Dritte Reihe
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Fortuna soll selbst plädieren

Han Qin (秦汉)

Fortuna im Zeugenstand

Im zweiten Buch leiht Philosophia Fortuna ihre Stimme und überlässt Boethius das Urteil. Fortuna beginnt mit der Zuständigkeit: Welches Gut, das ihm wirklich gehörte, habe sie ihm genommen? Für Reichtum und Amt dürfe er jeden Richter wählen. Könne er ein äußeres Gut nachweisen, das einem Sterblichen als Eigenes zukomme, werde sie seine Klage anerkennen. Sie nennt also selbst die Bedingung ihrer Niederlage.

Der Mensch kam nackt zur Welt, wurde von Fortuna versorgt und mit Glanz umgeben. Was sie verlieh, darf sie zurücknehmen. Reichtum und Rang folgen ihrer Herrin; wären sie wirklich sein, wie könnten sie ihn verlassen? Himmel, Jahreszeiten und Meer wechseln ihren Zustand. Nur menschliches Begehren verlangt, Fortuna müsse ihrer Natur untreu und beständig werden. Wer das Rad besteigt, kann den Aufstieg genießen, aber den Abstieg nicht nachträglich zum Regelbruch erklären.

Das Urteil steht vor der Erwiderung

Nach Fortunas Rede erklärt Philosophia vorab, Boethius könne darauf nichts antworten. Er erwidert dennoch, schöne Worte und Musik erreichten den tiefen Schmerz nicht; sobald der Klang schweige, bleibe das Leid. Philosophia stimmt zu: Bisher habe sie nur lindernde Mittel verwendet. Doch damit bestreitet er die Wirkung der Therapie, nicht Fortunas Eigentumsfrage. Ein äußeres Gut als unbedingt eigenes weist er nicht aus.

Später verschärft Philosophia Fortunas stärksten Satz. Äußere Dinge seien ihrem Wesen nach fremd; nicht einmal Fortuna könne sie zu unserem Eigentum machen. Fortuna sagte: „Sie gehören mir und waren nur geliehen.“ Philosophia antwortet sinngemäß: „Sie gehören in Wahrheit niemandem.“ Die Beweislast bleibt und trägt das weitere Argument. Die Sprecherin, die sie setzte, erhält das Wort nicht zurück.

Der Gegner als Maßstab

Auch die Erste Kritik von SAE verlangt für jede Verpflichtung den stärksten Gegner. Dessen kohärente Möglichkeit bestimmt jedoch den Rang der Ausgangsthese mit. Wer vollkommene Erkenntnis für möglich hält, kann den notwendigen Erkenntnisrest bestreiten, ohne sich sofort zu widersprechen. Diese verständliche Abzweigung hindert SAE daran, der eigenen These den härtesten Status zu geben.

Darum registriert SAE Verzweigungen, statt sie einzugemeinden. Ob auf einem anderen Weg eine bewohnbare Theorie entsteht, müssen seine Bewohner mit eigenen Grundlagen zeigen. Philosophia verfährt anders: Sie vervollständigt Fortunas Argument und besetzt anschließend den Boden, auf dem Fortuna stand. Die Prüfung bleibt erhalten, nicht die Eigenständigkeit der Gegenpartei.

Der Preis eines starken Gegners

Eine Theorie wird stärker, wenn sie die beste Alternative statt einer verkleinerten Version beantwortet. Philosophias Lehre von den äußeren Gütern ist nur überzeugend, weil Fortuna Besitz zuvor problematisch gemacht hat. Ihre Rede ist kein Schmuckstück, sondern ein tragender Balken des zweiten Buches.

Doch der Satz „Ich stimme deinem Punkt zu und kann ihn konsequenter formulieren“ kann dem anderen den Ort zum Weiterreden nehmen. Eine protokollierte Minderheitsmeinung tut das Gegenteil: Sie verliert heute und bewahrt dennoch einen Weg für den späteren Fehler der Mehrheit. Philosophia gibt Fortuna einen ungewöhnlich starken Fall. Der Preis ist im selben Vorgang sichtbar. Nach dem Plädoyer erscheint Fortuna nie wieder als eigene Stimme.