Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Literatur · Albert Camus · Der Fremde
Essay 3 von 3

Wer ist der Fremde?

Der Schluss entscheidet nicht, ob Meursault außerhalb der Gesellschaft oder die Gesellschaft außerhalb seiner Erfahrung steht.

Aug 31, 2026 · Han Qin (秦汉) · Deutsche Neufassung
Spoilerhinweis: Der gesamte Roman einschließlich Tötung, Prozess, Todesurteil und Schluss wird behandelt.

Die letzte verlangte Innerlichkeit

Der Geistliche verlangt Reue, Gott und Jenseits. Meursault gerät zum einzigen Mal in Wut. Nach Maries Liebe, dem Ehrgeiz des Chefs und der Seele des Gerichts soll er nochmals etwas empfinden, das er nicht findet. Nun würde diese Geschichte seine letzten sicheren Tage besetzen.

Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt

Unter Sternen und Nachtgeruch denkt Meursault an die Mutter und versteht ihren späten Neubeginn. Sich der Gleichgültigkeit zu öffnen heißt nicht, vom Kosmos anerkannt zu werden. Meer, Licht und Erde brauchten nie Erlaubnis. Er nimmt sein darin glückliches Leben ohne zusätzliche Erklärung an.

Die Leerstelle des Titels

Der erste Teil lässt Leser in Meursaults Sinnen wohnen; der zweite benennt denselben Kaffee und dieselbe Komödie als Unmenschlichkeit. Dadurch verliert das Gericht sein selbstverständliches Recht, das Innere zu definieren. Ist Meursault der Fremde der Gemeinschaft oder diese Gemeinschaft fremd gegenüber seiner Erfahrung? Der Titel weist keine Seite zu.

Kein Held

Meursault stirbt nicht heroisch für Wahrhaftigkeit. Er fürchtet den Tod, denkt an Flucht, Zigaretten und Frauen und hat einen Menschen getötet. Der namenlose Araber markiert zudem den kolonialen blinden Fleck des Romans. Beides bleibt neben der kleinen Weigerung stehen, nicht empfundenes Gefühl zu behaupten.

Behandeltes Werk: Albert Camus, The Outsider (L’Étranger). Eigenständige deutschsprachige Kritik des Romans mit Blick auf Sinneserfahrung, Innerlichkeit und gesellschaftliche Lesbarkeit.