Literatur · Ryūnosuke Akutagawa · Rashōmon und Im Dickicht
Akutagawas Rashōmon und Im Dickicht: drei Lektüren
Erzählung kann das Selbst umschreiben, nicht das Geschehene auslöschen
Rashōmon und Im Dickicht sind verschiedene Erzählungen, die Kurosawas Film im kulturellen Gedächtnis verband. Gemeinsam zeigen sie zwei Zeitpunkte der Selbstrechtfertigung: Vor der Handlung wird ein Satz benötigt, der sie erlaubt; danach entsteht eine Erzählung darüber, wer man dabei gewesen sei.
Die drei Essays trennen auch Vorlage und Film. Der verschwundene Dolch macht den Holzfäller verdächtig, doch Akutagawa bestätigt den Diebstahl nicht; dieses Geständnis ergänzt Kurosawa. Dass der Ablauf nicht vollständig rekonstruierbar ist, macht Tod und sexuelle Gewalt nicht relativ.
- Essay 1 von 3Ihm fehlte nicht Mut, sondern eine BegründungMotiv, Kraft und Gelegenheit sind vorhanden. Der Diener braucht noch den Satz, der die böse Tat vor ihm selbst umbenennt.
- Essay 2 von 3Alle drei sagen, sie hätten ihn getötetTajōmaru, Masago und der tote Takehiro schieben den Tod nicht weg; jede Aussage repariert eine bedrohte Identität.
- Essay 3 von 3Etwas blieb unbewegtDer verschwundene Dolch begründet Verdacht, keine Lösung. Tod und sexuelle Gewalt lassen sich dennoch nicht wegerzählen.