Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Literatur · Ryūnosuke Akutagawa · Rashōmon und Im Dickicht
Essay 1 von 3

Ihm fehlte nicht Mut, sondern eine Begründung

Motiv, Kraft und Gelegenheit sind vorhanden. Der Diener braucht noch den Satz, der die böse Tat vor ihm selbst umbenennt.

Aug 31, 2026 · Han Qin (秦汉) · Deutsche Neufassung
Spoilerhinweis: Beide Erzählungen werden vollständig behandelt; Unterschiede zu Kurosawas Rashomon werden benannt.

Eine Tat nicht bejahen können

Der entlassene Diener sitzt im verfallenen Rashōmon zwischen Verhungern und Räuberdasein. Kraft, Schwert und Gelegenheit besitzt er. Ihm fehlt nicht Handlungsfähigkeit, sondern der Mut, das Räuberwerden zu bejahen. Eine Begründung überwindet das Böse nicht; sie benennt es als etwas anderes.

Die Alte liefert eine Position

Oben reißt eine alte Frau Toten Haare aus. Der Diener empfindet Abscheu und steht plötzlich auf der Seite des Guten. Sie erklärt, aus den Haaren Perücken machen zu müssen; die Tote habe Schlangenfleisch als Trockenfisch verkauft. Überleben mache beides entschuldbar.

Eine aufgehobene Lizenz

Nach dieser Rede entsteht genau der zuvor fehlende Mut in Gegenrichtung. Der Diener raubt ihr den Kimono und verwendet ihren Satz: Auch er müsse es tun, um nicht zu verhungern. Die Alte wollte nur sich verteidigen und stellte unwissentlich die Lizenz für die nächste Tat aus.

Die Ausstellerin als erstes Opfer

Der Diener fiel nicht schlicht vom Guten zum Bösen. Erst brauchte er die Alte als böse Figur, dann als gleichen Überlebenden; beide Positionen gab sie ihm. Seine Lizenz trifft zuerst die schwächste Person vor ihm. Wer Menschen zu gleichen Überlebenseinheiten herabstuft, löscht ihr eigenes Recht auf Einspruch.

Behandeltes Werk: Ryūnosuke Akutagawa, Rashōmon and In a Grove. Eigenständige deutschsprachige Kritik beider Erzählungen mit Blick auf Rechtfertigung, Aussage und die Grenze narrativer Relativität.