Der Dolch und der Holzfäller
Der erste Zeuge beschreibt Leiche, Strick und Kamm, aber keine Waffe. Masago und Takehiro nennen einen Dolch; der Tote sagt, jemand habe ihn später herausgezogen. Der Holzfäller wird verdächtig, nicht überführt. Erst Kurosawas Film macht den Diebstahl zu seiner Beichte.
Keine Aussage ist durchsichtig
Tajōmaru baut den Helden, Masago die Handelnde, Takehiro den Samurai. Der Mönch spricht über Vergänglichkeit, der Polizeidiener vergrößert Tajōmarus Ruf, Masagos Mutter erinnert eine tugendhafte Tochter. Auch scheinbar neutrale Aussagen tragen die Welt mit, in der ihre Sprecher leben möchten.
Nicht relativer gemeinsamer Boden
Reihenfolge, Motiv und Urheber des tödlichen Stichs bleiben unentscheidbar. Dass Takehiro tot ist, Masago von Tajōmaru sexuell angegriffen wurde und Tajōmaru der Täter war, bestreiten die Beteiligten nicht. Erzählungen können Identitäten reparieren; Körper und fremde Taten im Dickicht verschwinden dadurch nicht.
Geschichten vor und nach der Tat
Der Diener in Rashōmon erhält vor der Tat eine Erlaubnisgeschichte; die drei im Dickicht bauen nach dem Geschehen Identitätsgeschichten. Die eine macht kommendes Handeln, die anderen vergangene Ohnmacht erträglich. Akutagawa lässt diese Selbstzeugnisse kollidieren, ohne Tod, Gewalt und fehlenden Dolch unter ihnen zu bewegen.