Spoilerwarnung: Dieser Essay behandelt den gesamten Manga, einschließlich der Vorgeschichten der Figuren, entscheidender Kämpfe und des Endes.
Ein Mann steht in einer Kampfschule, ringsum liegen Leichen. Fast alle, die seinen Meister und seine Verlobte auf dem Gewissen haben, hat er mit bloßen Händen getötet.
Als Kind hatte er nur seinen schwer kranken Vater. Um dessen Medizin bezahlen zu können, stahl er immer wieder. Man schlug ihn mit Stöcken und tätowierte ihm Verbrechermale auf die Arme. Als der Vater davon erfuhr, nahm er sich das Leben, um seinem Sohn nicht länger zur Last zu fallen. Der Junge wurde aus Edo verbannt und schlug sich prügelnd durch, bis Keizo, der Leiter einer Kampfschule, ihn aufnahm.
Keizo übertrug ihm die Pflege seiner kränklichen Tochter Koyuki und unterrichtete ihn im Soryu-Kampfstil. Die drei wurden eine kleine Familie. Der Junge musste nicht mehr kämpfen, um sich selbst etwas zu beweisen. Endlich hatte er Menschen, die er wirklich beschützen wollte. Später versprach Keizo ihm die Hand seiner Tochter; auch die Kampfschule sollte er einmal übernehmen.
Dann ging er eines Tages zum Grab seines Vaters. Während seiner Abwesenheit vergifteten Leute aus einer benachbarten Schwertkampfschule den Brunnen. Keizo und Koyuki starben. Als er zurückkam, war alles vorbei.
Er stürmte das andere Dojo und tötete dort beinahe alle. Als Muzan Kibutsuji ihn fand, hatte er keinen Grund mehr, als Mensch weiterzuleben. Muzan presste sein Blut in ihn und verleibte auch diese Trümmer seinem System ein.
Der Mann hieß Hakuji. Als Dämon heißt er Akaza: Oberer Rang Drei der Zwölf Dämonenmonde.
Keine geborenen Monster, sondern menschliche Trümmer
Die Dämonen in Demon Slayer kommen nicht als Dämonen zur Welt. Jeder von ihnen war einmal ein Mensch.
Das ist für einen Shōnen-Manga noch nichts Ungewöhnliches. Eine traurige Vorgeschichte soll Schurken in vielen Geschichten mehr Tiefe verleihen. Koyoharu Gotouge geht jedoch weit darüber hinaus. In den Abstürzen der Oberen Ränge wird immer wieder dieselbe Struktur sichtbar: Diese Wesen fallen nicht, weil sie von Natur aus böse wären. Die Beziehungen, die ihr Menschsein getragen haben, sind zerstört worden. In den Trümmern bietet Muzans System ihnen den einzigen Rahmen, in dem ihre Existenz noch weitergehen kann.
Für viele von ihnen ist die Verwandlung kaum eine freie Entscheidung. Sie gleicht einem Sturz. Wenn unter deinen Füßen jeder Boden wegbricht, „wählst“ du nicht in aller Ruhe den Abgrund. Es gibt schlicht keinen anderen Ort mehr, an dem du stehen könntest.
Die Oberen Ränge fallen auf ganz unterschiedliche Weise. Jeder Sturz entspricht dem Zusammenbruch einer anderen Beziehung.
Akaza: wenn Beschützen zur Besessenheit wird
Akazas Geschichte bildet den wohl vollständigsten tragischen Bogen in Demon Slayer.
Sein Leben hat ein einziges Thema: die Menschen an seiner Seite zu beschützen. Als Junge stiehlt er immer wieder, um dem kranken Vater Medizin zu kaufen. Wird er gefasst, erhält er Verbrechermale auf den Armen. Als sein Vater das erfährt, bringt er sich um: Er will nicht, dass sein Sohn seinetwegen zum Verbrecher wird.
Das ist Hakujis erster Verlust, und er trifft ihn auf grausame Weise. Der Mensch, den er schützen möchte, entscheidet sich für den Tod, weil er diesen Schutz nicht annehmen will.
Später nimmt Keizo ihn auf und lehrt ihn die Kampfkunst. Hakuji kümmert sich um dessen kranke Tochter Koyuki. Wieder hat er Menschen, für die er da sein kann. Diesmal ist er auch stark genug, um sie tatsächlich zu verteidigen. Doch die Vergiftung setzt alles auf null. Seine Kraft hätte gereicht, aber er war nicht da. Seine Welt zerbricht nicht an mangelnder Stärke, sondern daran, dass er unmöglich an jedem Ort zugleich sein kann, an dem man ihn braucht.
Diese Erfahrung vernichtet ihn. Ihre Botschaft lautet: Du kannst noch so stark sein, die Menschen, die dir wichtig sind, wirst du niemals mit hundertprozentiger Sicherheit beschützen können. Für jemanden, dessen ganzer Lebenssinn im Beschützen besteht, heißt das: Dein Dasein hat keinen Sinn.
Im Augenblick seiner tiefsten Verzweiflung erscheint Muzan mit der Kraft der Dämonen, der Aussicht, ohne Ende stärker werden zu können. Akaza erhält diese Kraft. Doch mit der Verwandlung verliert er seine menschlichen Erinnerungen. Koyuki, sein Meister, der Grund für seinen Wunsch nach Stärke: alles vergessen.
Geblieben ist nur der Drang selbst: stärker werden. Ein nackter Impuls, ohne Anlass, ohne Gegenüber, ohne jede Beziehung.
So lebt Akaza als Oberer Rang Drei über lange Zeit. Er sucht immer neue starke Gegner, kämpft unablässig und verlangt von ihnen, noch stärker zu werden, ohne zu wissen, wozu. Aus ihm ist eine zwecklose Kraftmaschine geworden. Der einstige Beschützer zerstört nur noch.
Erst im letzten Kampf, als Tanjiro ihn besiegt hat und er an der Schwelle zum Untergang steht, kehren die Erinnerungen zurück. Er sieht Koyukis Gesicht, hört wieder die Worte seines Meisters und weiß plötzlich, dass er einmal ein Mensch war, der nichts anderes wollte, als andere zu schützen.
Letztlich ist es nicht Tanjiro, der Akaza tötet. Akaza entscheidet sich selbst für den Tod. Mit seiner Erinnerung erkennt er, dass sein Handeln während all dieser Zeit Koyuki und seinen Meister verraten hat. Hakuji, der andere beschützen wollte, ist zum Mörder unzähliger Menschen geworden. Er kann diesen Widerspruch nicht mehr ertragen, widersetzt sich Muzans Drängen zur Regeneration und lässt sich zerfallen.
Im letzten Augenblick begegnet er jenseits des Lebens seinem Vater, seinem Meister und Koyuki. Sie umarmt ihn. Der Hakuji, der so lange verloren war, hört endlich auf, immer weiterzustürmen. Gemeinsam mit ihr geht er dorthin, wohin sein Weg nun führt.
Gyutaro und Daki: wenn die einzige Bindung zum Käfig wird
Den Oberen Rang Sechs teilen sich zwei Geschwister, Gyutaro und Daki. Ihre Geschichte gehört zu den herzzerreißendsten Teilen von Demon Slayer.
Gyutaro wächst ganz unten auf, im Elendsviertel des Vergnügungsbezirks. Er ist hässlich, schmutzig und überall verhasst. Sogar seine Mutter versucht mehrfach, ihn zu töten. In dieser Umgebung hat er nur eines: seine kleine Schwester Ume.
Ume ist schön, ganz anders als ihr Bruder. An ihr erfährt Gyutaro zum ersten Mal, wie es ist, etwas zu „haben“: Auch ich besitze also etwas, um das andere mich beneiden können. Alle seine Gefühle, seinen ganzen Selbstwert bindet er an sie. Seine Schwester wird zum einzigen Beweis, dass er auf dieser Welt nicht vollkommen leer ausgeht.
Weil Ume einem Samurai ins Auge sticht, wird sie bei lebendigem Leib verbrannt und dem Tod überlassen. Gyutaro trägt seine verkohlte Schwester durch den Schnee, bis ein Dämon sie entdeckt und beide verwandelt.
Als Dämonen verlieren sie ihre Bindung nicht. Sie werden noch vollständiger aneinandergekettet. Wird Daki, wie Ume nun heißt, im Kampf bezwungen, tritt Gyutaro aus ihrem Körper hervor. Leben und Tod sind miteinander verschränkt: Um sie zu vernichten, muss man beide gleichzeitig enthaupten.
Das ist mehr als eine Kampfregel. Es bildet ihre Beziehung genau ab. Als eigenständige Personen können sie nicht mehr bestehen. Gyutaros ganze Identität lautet „der Bruder meiner Schwester“, Dakis ganze Identität „die Schwester meines Bruders“. Wem die menschliche Welt alles genommen hat, der umklammert die eine verbliebene Bindung mit aller Kraft. So fest, dass sie selbst zum Käfig wird.
Nach ihrer Enthauptung, kurz bevor sie verschwinden, sprechen sie noch einmal miteinander. Daki weint; sie will nicht sterben. Gyutaro erklärt sinngemäß, er habe sie zu dem gemacht, was sie geworden sei. Mit einem anderen Bruder hätte sie vielleicht ein ganz anderes Leben gehabt. Daki widerspricht: Sie wolle keinen anderen Bruder. Auch im nächsten Leben wolle sie seine Schwester sein.
Am Eingang zur Hölle nimmt Gyutaro sie auf den Rücken. Schritt für Schritt gehen sie in die Dunkelheit. Genau wie früher, als der Bruder die Schwester durch die schmutzigen Gassen des Vergnügungsviertels trug.
Ist an dieser Beziehung etwas problematisch? Ja. Gyutaro hat die Schwester zum Sinn seiner Existenz gemacht; unter seinem Schutz hat Daki nie gelernt, der Welt selbstständig zu begegnen. Aber in einer Welt, die ihnen nie etwas anderes gegeben hat, gilt auch: Wer ertrinkt und nach einem Rettungsring greift, muss sich von dir nicht anhören, dass seine Grifftechnik zu wünschen übrig lässt. Sie hatten nur einander und haben damit in einer vollkommen feindseligen Umgebung überlebt. Schon darin liegt eine Würde.
Kokushibo: der Bruder, den ein Genie zerdrückt
Die Geschichte von Kokushibo, dem Oberen Rang Eins, der einst Michikatsu Tsugikuni hieß, ist vielleicht die stillste und zugleich erschreckendste Tragödie des ganzen Werks.
Er ist Yoriichi Tsugikunis älterer Bruder. Die Tsugikunis sind eine Samurai-Familie der Sengoku-Zeit; auf dem Erstgeborenen Michikatsu ruhen große Hoffnungen. Yoriichi dagegen gilt von klein auf als untauglich. Er spricht kaum, wird vom Vater verachtet und muss in einem winzigen Zimmer leben.
Dann sieht Michikatsu eines Tages seinen Bruder mit dem Schwert üben. Eine beiläufige Bewegung genügt: Yoriichi beherrscht bereits, wofür Michikatsu jahrelang gearbeitet hat. Er ist nicht bloß ein wenig besser. Er bewegt sich in einer ganz anderen Größenordnung.
Von diesem Augenblick an bricht Michikatsus Welt zusammen. Sein gesamtes Selbstbild, „Ich bin die Hoffnung der Familie“, „Ich bin der Beste“, wird über Nacht zur Lüge. Und entlarvt hat sie kein Fremder, sondern der eigene jüngere Bruder, auf den er sein Leben lang herabgesehen hat.
Yoriichi verlässt später das Elternhaus, entwickelt die Sonnenatmung und wird zum größten Schwertkämpfer in der Geschichte der Dämonenjäger. Michikatsu schließt sich ebenfalls dem Korps an und erreicht mit der Mondatmung die Spitze. Aber „einer der Besten“ ist eben nicht „der Beste“. So sehr er sich auch anstrengt, der Abstand zum Bruder schrumpft nicht. Er wächst.
Das Vernichtende an dieser Erfahrung ist, dass sie kein Ende kennt. Verlierst du gegen einen Fremden, kannst du dir sagen: Er hatte nur Glück. Beim nächsten Mal gewinne ich. Verlierst du aber gegen deinen Zwillingsbruder, mit dem du Gene und Herkunft teilst, bleibt dir aus Michikatsus Sicht keine Ausrede. Es liegt weder am Einsatz noch an den Chancen, sondern an euch selbst. Eine grundsätzlichere Zurückweisung ist kaum denkbar: Du kannst es einfach nicht. Nicht, weil du zu wenig gearbeitet hast, sondern weil du nicht gut genug bist.
Schließlich wird Michikatsu freiwillig zum Dämon Kokushibo. Entscheidend ist für ihn, dass ein Dämonenkörper immer stärker werden kann und nicht den Grenzen des menschlichen Körpers unterliegt. Er trainiert Jahrhunderte und steigt zum Oberen Rang Eins auf, dem stärksten Dämon nach Muzan.
Doch am Ende des Kampfes mit den Dämonenjägern sieht er sein eigenes Gesicht: entstellt, in seiner Hässlichkeit Muzan ähnlich. Da fällt ihm wieder ein, was er ursprünglich wollte. Er wollte nur ein Mensch wie sein Bruder werden.
Um seinem Bruder ähnlich zu werden, ist er zu dem geworden, was diesem am wenigsten gleicht.
Er jagt der Stärke nach. Doch die Stärke seines Bruders entspringt in dieser Lesart gerade nicht einer Jagd nach Stärke. Yoriichis Schwertkunst kennt keine Besessenheit, kein aufgeblähtes Ich, keinen Drang, sich etwas beweisen zu müssen. Er tut einfach, was zu tun ist. Michikatsu hingegen schlägt jedes Mal mit dem Gedanken zu: Ich muss meinen Bruder übertreffen. Und genau dieses Verlangen versperrt ihm den Weg auf dessen Ebene.
Kokushibos Tragödie handelt deshalb von mehr als unzureichender Begabung. Wenn eine Beziehung allein durch Vergleich bestimmt wird und du deinen Wert nur dadurch bestätigen kannst, dass du den anderen übertriffst, ist diese Beziehung schon an der Wurzel vergiftet. Ob du den anderen liebst oder hasst, verliert seine Bedeutung. Sein bloßes Dasein ist deine Wunde.
Doma: der Dämon, der nie verbunden war
Doma, der Obere Rang Zwei, unterscheidet sich von allen anderen. Er ist nicht der Stärkste unter ihnen, aber der Leerste.
Schon als Kind wird er als „Gotteskind“ verehrt. Er ist schön, seine Augen schillern in Regenbogenfarben, und die Gläubigen halten ihn für die Wiedergeburt einer Gottheit. Solange er sich erinnern kann, kommen Menschen zu ihm, weinen, beten, beichten und flehen um Erlösung.
Nur empfindet er dabei nichts.
Von Geburt an fehlt ihm, so wird diese Figur gezeichnet, der Zugang zu den Gefühlen anderer. Wenn die Gläubigen weinen, reagiert er weder mit Mitgefühl noch mit Abscheu. Er versteht es einfach nicht. Warum leiden diese Menschen so? Tot ist tot. Was soll die Trauer daran ändern?
Sein Vater leitet den Kult. Als seine Mutter von dessen Untreue erfährt, tötet sie ihn und dann sich selbst. Der kleine Doma sieht das Blut überall und denkt sinngemäß nur: Das wird schwer sauber zu machen. Was für eine Unordnung.
Hier liegt der Unterschied zu Akaza, Gyutaro und Kokushibo. Sie hatten einmal wirkliche Beziehungen und verloren sie. Ihr Sturz führt von einem Haben ins Nichts. Doma beginnt schon im Nichts. Er hat nie eine echte emotionale Verbindung zu jemandem erlebt.
Auch als Dämon und Oberer Rang Zwei führt er seinen Kult weiter, dessen Lehre die Leere aller Dinge beschwört. Nach wie vor „rettet“ er die Gläubigen; inzwischen frisst er sie dazu. In seiner Logik ist das sogar Barmherzigkeit: Ihr leidet so sehr. Wenn ich euch fresse, hört euer Leiden auf. Ihr werdet ein Teil von mir und bleibt für immer bei eurem „Gott“.
An seinem Tod hat Shinobu Kocho, die Insektensäule, entscheidenden Anteil. Doma hat ihre ältere Schwester ermordet. Über lange Zeit sammelt Shinobu Glyziniengift in ihrem Körper an. Sie lässt sich von ihm fressen und macht ihren eigenen Körper zum Träger des Giftes, das ihn schwächt und Kanao und Inosuke ermöglicht, den Kampf zu Ende zu bringen.
Als Doma verschwindet, erlebt er etwas, womit selbst er nicht gerechnet hat: Shinobu löst ein Gefühl in ihm aus. Er weiß nicht, was es ist. Zuneigung? Neugier? Berührt ihn zum ersten Mal wirklich ein anderer Mensch? In seiner letzten Begegnung mit Shinobu fragt er sinngemäß: Ist es das, was ihr meint, wenn ihr von Herzklopfen sprecht?
Shinobu nimmt diese verspätete Regung nicht an. Sie schickt ihn in die Hölle.
Doma ist das radikalste Bild eines Daseins ohne Beziehung in diesem Werk. Akaza leidet, weil er seine Beziehungen verloren hat. Gyutaro verformt sich, weil seine einzige Bindung zum Gefängnis wird. Kokushibo zerbricht an einer Beziehung, die Neid vergiftet hat. Aber sie wissen wenigstens, wie es sich anfühlt, mit jemandem verbunden zu sein. Doma weiß es nicht. Es ist, als wäre er nie wirklich in die Menschenwelt hineingeboren worden. Sein Körper ist da; etwas anderes hat von Anfang an gefehlt.
Verschiedene Türen, derselbe Eingang
Diese Oberen Ränge haben grundverschiedene Leben hinter sich. Doch der Augenblick, in dem sie in Muzans Ordnung eintreten, hat etwas Gemeinsames: Der letzte Faden zwischen ihnen und der Menschenwelt ist gerissen.
Akaza hat alle Menschen verloren, die er liebte. Gyutaro und Daki wurden von der Welt nie angenommen. Kokushibo zerbricht an einem Abstand, den er nicht überwinden kann. Bei Doma ist der Faden nie geknüpft worden.
Muzans System nimmt sie nicht auf, weil es ihnen etwas Schönes zu bieten hätte. In diesem bestimmten Moment ihres Lebens ist es schlicht das Einzige, das sie noch „haben will“. Ein Kämpfer, der Dutzende Menschen erschlagen hat, zwei von der Gesellschaft weggeworfene Geschwister, ein vom Neid zerfressener Samurai, ein Kultführer, der nie Gefühle empfunden hat: Für sie scheint es in der Menschenwelt keinen Platz mehr zu geben.
So arbeitet Muzans System tatsächlich. Es muss niemanden überzeugen. Es muss nur warten. Warten, bis die Welt einen Menschen zerdrückt hat, bis alle seine Beziehungen und Verbindungen abgerissen sind, bis er mitten in seinen Trümmern steht und nirgendwohin kann. Dann tritt es zu ihm und sagt, dem Sinn nach: Komm. Ich kann dir Macht geben.
Die Welt zerbricht die Menschen. Muzan sammelt die Stücke auf.
Diese Logik lässt uns frösteln, weil sie auch außerhalb der Fiktion funktioniert. Systeme, die Menschen aufzehren, ob extremistische Organisationen, Sekten oder manche scheinbar vollkommen legale Einrichtung, bedienen sich desselben Musters. Sie suchen nicht in erster Linie böse Menschen. Sie suchen Einsame, Verzweifelte, Menschen, die ihre Verbindung zur Welt verloren haben.
Wenn also Dämonen aus dem Zusammenbruch von Beziehungen entstehen: Auf welchen Beziehungen beruht dann die Gegenkraft, die Säulen der Dämonenjäger? Wie bringt ein kränklicher junger Mann, der keine dreißig Jahre alt werden wird, die stärksten Krieger dazu, aus freien Stücken für ihn in den Tod zu gehen?
Im nächsten Essay geht es um die besondere Beziehung zwischen Ubuyashiki und seinen Säulen.
Der Manga Demon Slayer von Koyoharu Gotouge ist mit 23 Bänden abgeschlossen. Die Anime-Adaption produziert ufotable.