Non Dubito · Urteilskraft und Spiel
Noch eine Runde
Eine vertraute Geschichte, ein allein entdeckter Zug, die gute Idee eines Gegners, der unerwartete halbe Schritt eines Tanzpartners: vier Essays über das, was offenbleibt, obwohl die Regeln schon bekannt sind.
Zum Einstieg
Warum wir noch einmal spielen wollen
Die Geschichte kennen wir schon, die Spielfiguren sind dieselben. Vielleicht wollen wir gar kein neues Ergebnis. Vielleicht sehen wir diesmal etwas, das uns bisher entgangen ist.
Essay lesen →Allein spielen
Diesen Zug habe ich selbst gesehen
Allein vor einer Schachaufgabe: Kein Gegner hilft, kein Schiedsrichter pfeift. Einen Weg entdecken und dann sagen: „Da habe ich mich geirrt“ – auch dabei ist jemand am Werk.
Essay lesen →Gegeneinander spielen
Ich will gewinnen. Du bist trotzdem mehr als mein Gegner.
Du machst einen guten Zug, den ich nicht gesehen hatte. Ich will noch immer gewinnen. Zugleich könnte ich erkennen: Dieser Zug ist deine Entdeckung, nicht bloß die nächste Aufgabe für mich.
Essay lesen →Miteinander spielen
Diesen Tanz kann ich nicht allein zu Ende tanzen
Mein Partner führt einen halben Schritt weiter nach rechts. Ich ziehe ihn nicht zurück. Gut, wenn ich daran anschließen kann. Doch nehme ich seinen Schritt auf – oder benutze ich ihn nur, um mein eigenes Bild zu verwirklichen?
Essay lesen →Allein spielen, gegeneinander spielen und gemeinsam spielen sind unterschiedliche Formen der Begegnung, keine Entwicklungsstufen. Die Essays unterscheiden Urteilen, Voraussagen und Handeln. Dass jemand etwas selbst entdeckt, lässt sich nicht allein am Ergebnis ablesen; auch ein Fortschritt ist damit nicht garantiert. Niemand muss spielen oder andere zu einem Mittel für die eigene Entwicklung machen.
Keine Leiter zu einer höheren Stufe
Wer allein spielt, begegnet Regeln und Materialien. Im Wettbewerb steht einem jemand gegenüber, der ebenfalls gewinnen möchte. Beim gemeinsamen Spielen bleibt der nächste Schritt des anderen sein eigener und wird zugleich Teil dessen, was man miteinander erreichen möchte. Das sind verschiedene Weisen, einander oder einer Sache zu begegnen. Sie teilen Menschen nicht in Stufen ein und garantieren nicht, dass man nach dem Spielen Fortschritte gemacht hat.
Quelle und Lesehinweis
Die vier vollständigen Leseressays gehen auf die Übersicht und die drei Arbeiten der Reihe SAE Exercises and Games of Judgment zurück; jede Seite führt zur zugehörigen wissenschaftlichen Arbeit. Diese deutsche Fassung ist unmittelbar aus den chinesischen Essays eigenständig für deutschsprachige Leser geschrieben, nicht aus dem Englischen übersetzt und keine vollständige technische Übersetzung der Arbeiten. Die englischen Essays wurden ebenfalls eigenständig für ihr Publikum geschrieben; vereinfachtes und traditionelles Chinesisch bilden eigene Lesefassungen. Was ein Spiel ermöglicht, ist weder ein Versprechen von Fortschritt noch ein Persönlichkeitstest oder eine Pflicht zur Teilnahme. Diese Reihe gehört zur Philosophie. Die Deutungen einzelner Videospiele bleiben im gesonderten Spiele-Regal.