Viele Stellen versprechen Eigenverantwortung, während Budget, Personal, Fristen und Prioritäten anderswo festgelegt werden. Die Person soll das Ergebnis besitzen, darf aber keine seiner Ursachen verändern.

Echte Verantwortung braucht einen echten Handlungsraum. Nicht unbegrenzte Macht, wohl aber die Wahl von Mitteln, die Möglichkeit, unvereinbare Anforderungen zurückzuweisen, und eine klare Eskalation bei Zielkonflikten.

Ohne diesen Raum verschiebt das Wort Verantwortung vor allem Risiko. Oben bleiben die angenehmen Entscheidungen, unten die Pflicht, das Scheitern zu erklären. Ein Organisationsproblem wird als persönliches Versagen erzählt.

Beschäftigte müssen auch die Grenzen ihres Einflusses früh sichtbar machen. Fehlende Mittel zu melden, Optionen vorzulegen und eine Entscheidung einzufordern ist keine Flucht vor Verantwortung. Es verhindert eine spätere, bequeme Schuldzuweisung.

Eine faire Organisation bringt Entscheidung und Rechenschaft möglichst zusammen. Wer einen Weg vorgibt, trägt seine Folgen; wer ein Ergebnis verlangt, eröffnet Handlungsmöglichkeiten. Sonst bedeutet Selbstverantwortung nur organisierte Einsamkeit.