Non DubitoEssays in the Self-as-an-End Tradition
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Chinesische Geschichte · 25 Essays · 22 / 25

Essay 22: Späte Ming, frühe Qing – Mit der Hälfte allein kommst du nicht aus

In keinem Jahr der chinesischen Geschichte drängte sich so viel zusammen wie 1644.

In keinem Jahr der chinesischen Geschichte drängte sich so viel zusammen wie 1644.

Im dritten Monat nach dem damaligen chinesischen Kalender eroberte Li Zicheng Peking, Kaiser Chongzhen erhängte sich, die Ming-Dynastie ging unter. Im vierten Monat ließ Wu Sangui die Qing-Truppen durch den Pass ins Land. Nach ihrem Sieg über Li Zicheng besetzten sie im fünften Monat Peking. In den folgenden Jahren fristeten die verschiedenen Südlichen Ming-Regime im Süden ein kümmerliches Dasein. Die Bauernarmeen Li Zichengs und Zhang Xianzhongs zogen flüchtend durch das Land und zerfielen, während die mandschurischen Qing Schritt für Schritt von Norden nach Süden vorrückten.

Drei Mächte stießen zur selben Zeit am selben Ort aufeinander. Die Schwächen ihres jeweiligen Herrschaftsgefüges traten so deutlich hervor, als hätte die Geschichte eigens einen Lehrfall arrangiert.

Li Zicheng konnte abtragen, hatte aber keinen dauerhaft funktionsfähigen Aufbau zustande gebracht. Die Südlichen Ming besaßen das Gerüst eines Aufbaus, doch ihnen fehlte die Kraft zum Abtragen. Die mandschurischen Qing hatten diese Kraft und auch den Willen zum Aufbau. Vor ihnen stand allerdings ein grundlegendes Problem: Wie lässt sich die Herrschaft einer anderen Volksgruppe auf das Zivilisationsgefüge der Han aufpfropfen, das seit zweitausend Jahren in Betrieb ist?

Drei Probleme, eine Lehre: Abtragen und Aufbau müssen zusammenpassen. Wer nur abtragen, aber nicht aufbauen kann, erobert das Reich und kann sich darin nicht halten. Wer nur über den Aufbau verfügt, aber nicht über die Kraft zum Abtragen, mag fest im Sattel sitzen, kann seine Herrschaft jedoch nicht verteidigen. Und wer beides besitzt, ohne dass es zusammenpasst – wie beim Aufpfropfen einer Fremdherrschaft –, muss einen gewaltigen Preis zahlen, um die Teile aufeinander abzustimmen.

1. Li Zicheng: Abtragen ohne Aufbau

Li Zicheng stammte aus Mizhi in der Provinz Shaanxi und war ursprünglich ein einfacher Bediensteter der Poststation Yinchuan. Als Chongzhen Poststationen abschaffen ließ, um Geld zu sparen – eine der Kettenreaktionen der Finanzkrise am Ende der Ming-Zeit –, verlor Li seine Arbeit. Arbeitslosigkeit und Hungersnot trieben ihn in die Reihen der aufständischen Bauern.

Vom arbeitslosen Postbediensteten zum Eroberer Pekings und Kaiser brauchte Li Zicheng ungefähr fünfzehn Jahre. Sein militärisches Können ist nicht zu bestreiten. Mehrfach schlugen ihn die Ming-Truppen so vernichtend, dass von seiner Armee fast nichts übrig blieb; in den Bergen von Shangluo verfügte er zeitweise nur noch über achtzehn Reiter. Doch immer wieder kam er zurück, bis er schließlich Peking erreichte. Eine solche Zähigkeit verlangt außerordentliche Willenskraft und militärische Begabung.

Sein Problem zeigte sich allerdings in dem Augenblick, in dem er Peking betrat.

Was tat er dort? Er ließ „unrechtmäßig erworbenes Vermögen zur Finanzierung der Truppen eintreiben“: Ming-Beamte und wohlhabende Haushalte wurden in großem Stil erpresst und gefoltert, um Gold und Silber herauszugeben. Das war keine bloße Auflösung der Truppendisziplin. Die Eintreibungen waren organisiert und systematisch; führende Generäle wie Liu Zongmin leiteten sie. Daran zeigte sich, dass Lis Dashun-Regime noch keine verlässliche, reguläre Einnahmebasis geschaffen hatte. Um seine Armee zu bezahlen, blieb es auf Plünderungen angewiesen.

Plünderung ist kein Finanzwesen. Ein Finanzwesen beschafft Ressourcen auf institutionellem Wege und so, dass es auf Dauer funktionieren kann. Zwischen Herrschaft und Gesellschaft besteht eine Abmachung: Du zahlst Steuern, ich sorge für Sicherheit und öffentliche Leistungen. Plünderung dagegen ist eine einmalige Sache. Hast du jemandem sein ganzes Geld geraubt, hat er keines mehr. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Staat nicht dauerhaft betreiben.

Li Zicheng blieb zweiundvierzig Tage in Peking. In diesen zweiundvierzig Tagen gelang es ihm nicht, eine stabil arbeitende Verwaltung aufzubauen. Er schuf Ämter, ernannte örtliche Beamte und nahm auch frühere Ming-Beamte in seinen Dienst, die sich ihm ergeben hatten. Doch aus diesen Ansätzen entstand weder ein verlässliches Steuersystem, das die Plünderungen ersetzt hätte, noch ein Verwaltungsapparat, der die öffentliche Ordnung dauerhaft sichern konnte. Proklamationen zur Beruhigung der Bevölkerung allein ersetzten keine wirksame Durchsetzung. Die Übernahme von Beamten war noch keine Übernahme eines funktionierenden Staates.

Warum gelang ihm dieser Aufbau nicht?

Nicht, weil er persönlich dumm gewesen wäre. Auf seinen vorherigen Feldzügen hatte Li Zicheng beträchtliches politisches Urteilsvermögen bewiesen. Als er in Xi’an das Dashun-Regime gründete, unternahm er durchaus einige Versuche, Institutionen aufzubauen. Wahrscheinlicher ist, dass seinem engsten Kreis die Erfahrung und die organisatorische Fähigkeit fehlten, aus ersten Einrichtungen eine funktionierende Reichsverwaltung zu machen.

Dieser Kreis – Liu Zongmin, Niu Jinxing, Song Xiance – bestand im Wesentlichen aus einer Mischung von Heerführern und umherziehenden Wahrsagern. Zwar arbeiteten auch frühere Ming-Beamte für das neue Regime. Doch daraus wurde noch keine eingespielte Verwaltungsspitze, die das politische System Chinas als Ganzes beherrschte und verlässlich zum Arbeiten brachte. Niu Jinxing hatte immerhin die Provinzialprüfung bestanden und war damit wohl der Gebildetste im engsten Kreis. Seine Fähigkeiten entsprachen jedoch eher denen eines Ratgebers als denen eines Verwaltungsfachmanns.

Der Gegensatz zu Liu Bang ist scharf. Auch Liu Bang verstand selbst nichts von Verwaltung. Aber er hatte Xiao He, einen Mann, der den Verwaltungsapparat der Qin in- und auswendig kannte. Als Liu Bang Xianyang einnahm, sammelte Xiao He als Erstes die Haushaltsregister, Karten und Rechtsdokumente der Qin: die Grunddaten, ohne die sich ein Land nicht regieren lässt. Li Zichengs Mannschaft hatte keinen „Xiao He“. Als sie Peking einnahm, sammelte sie Gold und Silber, keine Akten.

Unter dem Gesichtspunkt des Aufbaus blieb Lis Dashun-Regime vor allem eine Organisation des Abtragens. Seine entscheidende Stärke lag im Zerstören, im Erobern von Städten und Land. Erste institutionelle Ansätze hatten sich noch nicht in die Fähigkeit verwandelt, dauerhaft administrativ zu regieren. Abtragen und Aufbau sind zwei völlig verschiedene Fertigkeiten. Zum Abtragen braucht man militärisches Können, die Fähigkeit, Gewalt zu organisieren und Anhänger anzuspornen. Zum Aufbau braucht man Verwaltungsentwürfe, den Aufbau von Institutionen und die Fähigkeit, in Friedenszeiten zu regieren.

Eine Herrschaft, die nur abtragen und nicht aufbauen kann, wird sich auch dann nicht halten, wenn sie das ganze Reich erobert. Wie schnell kann es vorbei sein? Von Li Zichengs Einzug in Peking bis zu seiner Niederlage gegen die Qing und seinem Abzug vergingen zweiundvierzig Tage. Vom Abzug bis zu seinem Tod – 1645 wurde er in Hubei getötet – etwas mehr als ein Jahr. Von seiner Erhebung zum Kaiser bis zu seinem Ende: weniger als zwei Jahre.

Das waren keine fünfzehn Jahre wie bei den Qin oder siebenunddreißig wie bei den Sui. Bei denen arbeitete wenigstens ein Herrschaftsgefüge, wenn auch schlecht. Li Zicheng wurde vernichtet, bevor aus seinen ersten Einrichtungen ein tragfähiges Herrschaftsgefüge geworden war. In der chinesischen Geschichte verkörpert er „Abtragen ohne funktionsfähigen Aufbau“ in seiner reinsten Form.

2. Die Südlichen Ming: Aufbau ohne Kraft

Nachdem Chongzhen sich erhängt hatte, gründeten Angehörige des Ming-Kaiserhauses und die verbliebenen Beamten im Süden nacheinander mehrere Herrschaften: das Hongguang-Regime in Nanjing, das Longwu-Regime in Fuzhou und das Yongli-Regime zunächst in Guangdong, dann in Guangxi und schließlich in Yunnan. Zusammen werden sie als die Südlichen Ming bezeichnet.

Die Südlichen Ming verfügten über sämtliche Software-Ressourcen des Betriebssystems Version 3.5: dynastische Legitimität durch die Abstammung vom Haus Zhu, einen Beamtenapparat mit zahlreichen Zivilbeamten im Süden, eine Ideologie aus konfuzianischer Sprache und der Erzählung vom geeinten Reich sowie ein historisches Gedächtnis, getragen von der institutionellen Beharrungskraft von 276 Jahren Ming-Herrschaft.

Nur lief diese Software auf einer Plattform, die kaum noch Hardware hatte.

Die militärischen Kräfte waren zersplittert und keiner gemeinsamen Führung unterstellt.

Die Südlichen Ming hatten kein Zentralheer unter einheitlichem Kommando. Ihre militärischen Kräfte kamen aus verschiedenen Quellen: versprengten Ming-Truppen in den einzelnen Landesteilen, Bauernarmeen, die sich zunächst ergeben hatten und später wieder auf die Ming-Seite wechselten – darunter einige Generäle der verbliebenen Truppen Li Zichengs –, und den privaten Streitkräften örtlicher Machthaber. Diese Verbände misstrauten einander, behinderten einander und bekämpften sich oft sogar. Möglicherweise verwandten sie mehr Energie auf ihre internen Kämpfe als auf den Widerstand gegen die Qing.

Die Rechtmäßigkeit der Thronfolge war umstritten.

Mehrere Angehörige des Ming-Kaiserhauses hatten überlebt. Wer besaß den stärksten Anspruch auf die Nachfolge? Verschiedene Beamtengruppen unterstützten verschiedene Prinzen. Das Hongguang-Regime war von Anfang an in der Frage tief gespalten, ob man den Prinzen von Fu oder den Prinzen von Lu zum Kaiser machen sollte. Dieser Streit verschlang Zeit und Kraft in den ersten Monaten des Regimes – gerade in denen, auf die es am meisten ankam.

Die Beharrungskraft der Beamtenpolitik wurde selbst zur Last.

Die Zivilbeamten der Südlichen Ming führten sämtliche schlechten Gewohnheiten der späten Ming fort: Fraktionskämpfe, Cliquendenken und leeres Gerede, an dem das Land zugrunde ging. Während die Qing-Armee bedrohlich nach Süden vorrückte, verbrachte der Hongguang-Hof viel Zeit mit Fragen wie diesen: Welchen postumen Ehrennamen sollte Kaiser Chongzhen erhalten? Welche verstorbenen Beamten sollten nachträglich ausgezeichnet werden? Gegen welche Beamten, die am Ende der Ming-Zeit zum Feind übergelaufen waren, sollte man vorgehen?

Diese Fragen waren nicht bedeutungslos. Aber sie zu erörtern, während die eigene Existenz an einem seidenen Faden hängt, ist so, als würde man das Bücherregal ordnen, während das Haus brennt.

Aus der Perspektive des Aufbaus bestand die Tragödie der Südlichen Ming darin, dass sie sämtliche Leiden der Version 3.5 erbten: Fraktionskämpfe, die Selbstaufreibung der Beamtenschaft, die Unsicherheit der Thronfolge und die Zersplitterung der Streitkräfte. Keine ihrer Stärken aber ging auf sie über: weder die Verwaltungseffizienz zentralisierter Macht noch der durch die Beamtenprüfungen gesicherte Nachschub an fähigen Leuten noch eine Armee unter einheitlichem Kommando.

Die Stärken eines Aufbaus beruhen darauf, dass er als Ganzes funktioniert. Ist er zerschlagen und sind nur noch Bruchstücke übrig, bieten diese keine Vorteile mehr. Sie werden vielmehr zur Belastung: Ihre Schnittstellen passen nicht mehr zusammen, und ihr Zusammenwirken erzeugt Reibung und Verschleiß.

Eine intakte Version 3.5 ist sehr viel besser als gar kein Aufbau. Eine zerbrochene Version 3.5 kann dagegen sogar schlechter sein. Denn ihre innere Reibung – Fraktionskämpfe, Streit um die Rechtmäßigkeit und starre Reaktionen aus institutioneller Gewohnheit – überwiegt die Ordnung, die sie noch hervorbringt.

Die Geschichte der Südlichen Ming lehrt viel darüber, ob sich ein Aufbau verpflanzen lässt. Ein Aufbau ist kein Rucksack, den man einfach mitnehmen kann. Er ist ein Ökosystem, das in einem bestimmten Boden wurzelt. Seine Bestandteile kann man mitnehmen: Beamte, Wissen, institutionelle Regeln. Die Umweltbedingungen, unter denen es funktioniert, kann man aber nicht mitnehmen: eine Zentralgewalt, geeinte Streitkräfte, eine verlässliche finanzielle Grundlage und eine Gesellschaft, die es gewohnt ist, zu gehorchen. Fehlen diese Bedingungen, wird aus einem Haufen von Einzelteilen kein laufendes System.

Die Südlichen Ming hielten sich achtzehn Jahre, von 1644 bis 1662. Angesichts ihrer Voraussetzungen – keine geeinten Streitkräfte, keine wirksame Zentralregierung, kein dauerhaft gesichertes Territorium – waren achtzehn Jahre erstaunlich lang. Dass sie so lange durchhielten, lag vor allem an zwei Dingen. Zum einen wirkte die Sprache dynastischer Legitimität: Viele Menschen hielten die Ming weiterhin für die rechtmäßigen Herrscher. Zum anderen machten die Qing bei ihrem Vormarsch Fehler. Die Massenaufstände gegen den Befehl zur Übernahme der mandschurischen Haartracht verschafften den Südlichen Ming Zeit.

Doch die Macht der Worte bleibt am Ende wirkungslos, wenn keine militärische Macht hinter ihr steht. Mit Worten lässt sich eine Niederlage hinausschieben. Einen Sieg kann man damit nicht erringen.

Aus heutiger Sicht hatten die Südlichen Ming durchaus Möglichkeiten, die sie nicht erprobten: einen Guerillakrieg, die Verlagerung ihrer Basis nach Übersee, Störaktionen hinter den feindlichen Linien und ein asymmetrisches Widerstandsnetz, das alle erreichbaren Bündnispartner einschloss, von Li Zichengs verbliebenen Truppen bis zu Mächten jenseits des Meeres. Zheng Chenggong kam diesem Ansatz bereits ein Stück näher. Er hielt Taiwan, betrieb Seehandel und bedrängte die Qing von See aus. Aber das war die militärische Intuition eines Einzelnen, keine systematische Strategie der Südlichen Ming.

Warum schlugen sie diesen Weg nicht ein? Die Antwort entspricht unserer Analyse der sechs Staaten gegenüber Qin im Essay über die Zeit der Streitenden Reiche. Eine asymmetrische Strategie war nicht undurchführbar. Die strategische Vorstellungskraft der Epoche war nur noch nicht so weit. Zweitausend Jahre strategischer Tradition waren auf das Festland ausgerichtet: Legitimität gewann man durch die Herrschaft über das chinesische Kernland, das strategische Ziel war die Rückeroberung der alten Hauptstadt, und Kriege führte man in offenen Feldschlachten. Von einem ganz in dieser Tradition verwurzelten Regime zu erwarten, dass es sagte: „Wir geben das Kernland auf und überleben erst einmal auf dem Meer“, war gedanklich fast unmöglich. Jede militärische Aktion der Südlichen Ming zielte in dieselbe Richtung: nach Norden ziehen, Nanjing zurückerobern, Peking zurückerobern. Bei den damaligen Kräfteverhältnissen war dieses Ziel kaum zu erreichen. Doch niemand kam auf die Idee, sich ein anderes zu setzen.

Hier bestätigt sich erneut der Gedanke eines historischen Zeitfensters. Die Eroberung durch die Qing gelang, ähnlich wie Qins Unterwerfung der sechs Staaten, auch deshalb, weil ihre Gegner noch nach den alten Spielregeln handelten. Hätten diese auf eine asymmetrische Strategie umschalten können – verzögern, zermürben, sich zerstreuen, ausweichen –, wäre die Eroberung weit teurer geworden und hätte viel länger gedauert. Das Ergebnis hätte völlig anders ausfallen können. Asymmetrisches Denken muss jedoch erst durch historische Erfahrung entstehen. Man muss oft genug in der offenen Konfrontation gescheitert sein, um daraus die Strategie abzuleiten, eben diese Konfrontation zu vermeiden. Den Südlichen Ming fehlte dieser Erfahrungsschatz. Ihre gesamte militärische Ausbildung hatte ihnen beigebracht, wie man frontal kämpft.

Das Scheitern der Südlichen Ming war also nicht allein ein Scheitern ihres Herrschaftsgefüges. Es war auch ein Scheitern der strategischen Vorstellungskraft. Ihr struktureller Nachteil war real: Aufbau ohne Kraft. Aber strukturelle Unterlegenheit bedeutet keine zwangsläufige Niederlage. Findet die schwächere Seite eine Form der Auseinandersetzung, in der die stärkere ihre Vorteile nicht ausspielen kann, lässt sich der Ausgang verändern. Die Südlichen Ming fanden sie nicht. Das ist bedauerlich. Vorherbestimmt war es nicht.

3. Der Einzug der Qing: Zum dritten Mal wird Fremdherrschaft aufgepfropft

Der Einzug der mandschurischen Qing durch den Pass war in der chinesischen Geschichte der dritte groß angelegte Versuch einer fremden Volksgruppe, die Herrschaft über das chinesische Kernland zu übernehmen.

Den ersten unternahmen die Xianbei der Nördlichen Wei. Wir haben darüber gesprochen: Kaiser Xiaowen entschied sich für die vollständige Sinisierung; der Preis war der Aufstand der Sechs Garnisonen. Den zweiten unternahmen die mongolischen Yuan. Auch sie haben wir bereits behandelt: Sie entschieden sich dafür, keine Entscheidung zu treffen, wurstelten sich siebenundneunzig Jahre lang durch und brachen dann zusammen.

Die mandschurischen Qing standen vor derselben Grundfrage: Wie kann ein Erobererregime, dessen Träger eine ethnische Minderheit ist, eine riesige Agrargesellschaft regieren, die überwiegend aus Han besteht?

Ihre Antwort war raffinierter als die beiden vorherigen. Sie wählten weder die vollständige Sinisierung der Nördlichen Wei, die ihnen die eigene ethnische Identität und den militärischen Vorsprung genommen hätte, noch die Verweigerung von Integration nach Art der mongolischen Yuan, mit der sich eine Herrschaft nicht dauerhaft erhalten ließ. Sie schlugen einen Mittelweg ein. Man könnte ihn „selektives Aufpfropfen“ nennen.

Was wurde aufgepfropft?

Für die Staatsverwaltung übernahmen die Qing die Institutionen der Han. Fast der gesamte Verwaltungsrahmen der Ming ging an sie über: die Sechs Ministerien, das Zensorat, das Oberste Gericht, das Großsekretariat – später der Große Rat –, das System der Beamtenprüfungen und die örtliche Gliederung in Provinzen, Präfekturen, Bezirke und Kreise. Sämtliche Bauteile der Ming-Bürokratie wurden unmittelbar in das Qing-System verpflanzt. Die Qing mussten also kein Verwaltungssystem von Grund auf neu entwerfen. Sie griffen auf ein ausgereiftes System zurück, das seit über zweihundert Jahren lief.

Das war eine außerordentlich kluge Entscheidung. Die mongolischen Yuan hatten sich geweigert, das Verwaltungssystem der Han zu nutzen, oder hatten es nur dem Anschein nach getan. Das Ergebnis war ein Scheitern ihrer Verwaltung. Die Qing übernahmen das System vollständig und vermieden so den Fehler der Yuan.

Was wurde nicht aufgepfropft?

Der Kern der Macht. Die Qing bewahrten das mandschurische Machtzentrum: das Acht-Banner-System. Die Acht Banner bildeten die militärische und gesellschaftliche Organisation der Mandschuren. Die Bannerangehörigen – Mandschuren, Mongolen und eine kleine Zahl in die Bannerregister aufgenommener Han – stellten den herrschenden Kern der Qing. Sie besetzten die entscheidenden militärischen und politischen Stellen. Die Beamtenprüfungen standen den Han offen und sicherten damit die Beteiligung ihrer Gelehrten. Den obersten Entscheidungskreis aber beherrschte stets der mandschurische Adel.

Damit wurde die Idee des dualen Aufbaus der Liao in größerem Maßstab wieder aufgegriffen: Ein System verwaltete die Unterworfenen, nämlich der Verwaltungsapparat nach Han-Vorbild die Han-Gesellschaft. Ein anderes sicherte die Macht im Kern der Erobererherrschaft: Das Acht-Banner-System erhielt den Zusammenhalt und die militärische Handlungsfähigkeit des mandschurischen Adels.

Wodurch ließ sich der Spalt zwischen den beiden Systemen schließen?

Hier lag das eigentlich Originelle der Qing-Lösung. Sie entwickelten eine Reihe von Mechanismen, die die beiden Systeme organisch miteinander verzahnten, statt sie nur nebeneinanderzustellen.

Da war zunächst die mandschurisch-han-chinesische Doppelbesetzung. An der Spitze jedes Zentralministeriums standen zwei Amtsträger nebeneinander, ein mandschurischer und ein han-chinesischer Minister. Ähnliche Regelungen gab es auf örtlicher Ebene. So hatten die Angehörigen beider Systeme das Gefühl, beteiligt zu sein.

Dann das Lifan Yuan, die Behörde eigens für die Verwaltung nicht han-chinesischer Gebiete wie der Mongolei, Tibets und Xinjiangs. Damit wurde der duale Aufbau der Liao noch einmal erweitert. Es ging nicht mehr bloß um zwei Gruppen, Mandschuren und Han, sondern um mehrere: Mandschuren, Han, Mongolen, Tibeter und Uiguren. Verschiedene Gebiete wurden mit verschiedenen institutionellen Ordnungen verwaltet.

Hinzu kamen die verschiedenen Identitäten des Kaisers. Der Qing-Kaiser war für die Han der Sohn des Himmels, für die Mandschuren der Großkhan, für die Mongolen der Bogda Khan und für die Tibeter eine Verkörperung des Bodhisattva Manjushri. Ein Mensch erfüllte zugleich mehrere Rollen, aus denen sich Legitimität ableitete. Er zeigte den unterschiedlichen Gruppen seiner Untertanen unterschiedliche Gesichter. Das war eine gewaltige Erweiterung jener Idee, die Tang Taizong mit dem Titel „Himmlischer Khan“ verfolgt hatte.

Unter dem Gesichtspunkt des Aufbaus war das selektive Aufpfropfen der Qing die ausgereifteste Lösung für die Herrschaft einer fremden Volksgruppe in der Geschichte des chinesischen Kaiserreichs. Sie zogen die Lehren aus den beiden vorherigen Versuchen: Die Nördlichen Wei hatten durch vollständige Sinisierung ihre militärische Überlegenheit verspielt – der Aufstand der Sechs Garnisonen. Die mongolischen Yuan hatten durch ihre Integrationsverweigerung ihre Regierungsfähigkeit eingebüßt – siebenundneunzig Jahre des Durchwurstelns. Die Qing fanden ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Sinisierung und der Bewahrung ihrer eigenen Identität: genug Sinisierung, um die Han-Gesellschaft wirksam zu regieren, aber nicht so viel, dass die Mandschuren ihren inneren Zusammenhalt und ihre militärische Stärke verloren.

Dieses Gleichgewicht hielt fast zweihundert Jahre, vom Einzug der Qing bis in die Zeit vor dem Taiping-Krieg. Zweihundert Jahre sind keine Ewigkeit. Gemessen an den Maßstäben des chinesischen Kaiserreichs ist das aber schon sehr lange.

4. Der Zopferlass: Der Preis des Aufpfropfens

Die umstrittenste Maßnahme nach dem Einzug der Qing war der Zopferlass. Alle Han-Männer sollten sich das Haar nach mandschurischer Sitte scheren lassen und einen Zopf tragen. „Wer seinen Kopf behalten will, behält sein Haar nicht. Wer sein Haar behalten will, behält seinen Kopf nicht.“

Der Erlass löste erbitterten Widerstand aus. Die einundachtzig Tage lange Verteidigung Jiangyins und die drei Massaker von Jiading standen in unmittelbarem Zusammenhang mit ihm. Viele Gebiete, die die Qing-Herrschaft bereits angenommen hatten oder dazu bereit gewesen waren, erhoben sich wegen des Erlasses erneut.

Vom Aufbau her betrachtet war der Zopferlass kein Fehlgriff. Er war ein notwendiger Bestandteil der Strategie des selektiven Aufpfropfens, auch wenn sein Preis ungeheuer hoch war.

Welche Funktion hatte er? Er machte das Verhältnis zwischen Eroberern und Unterworfenen in jedem Augenblick des Alltags sichtbar. Jeden Tag sahst du im Spiegel deinen Zopf und wurdest daran erinnert: Du gehörst zu den Unterworfenen. Sah ein Mandschure deinen Zopf, wusste er, dass du dich gefügt hattest.

In seiner Logik bildet das ein Gegenstück zu Xiaowens Verbot der nicht han-chinesischen Tracht. Xiaowen ließ die Xianbei Han-Kleidung tragen, um die äußeren Unterschiede zwischen ihnen und den Han zu beseitigen. Alle sollten gleich aussehen. Wenn die Qing die Han zur mandschurischen Haartracht zwangen, ging es dagegen nicht darum, Unterschiede aufzuheben. Selbst nach dem Erlass waren die Frisuren von Mandschuren und Han nicht völlig gleich. Vielmehr sollte jedem Einzelnen das Zeichen des Gehorsams in den Körper eingeschrieben werden.

Warum brauchten die Qing dieses Zeichen? Wegen des inneren Widerspruchs ihrer Strategie. Wer institutionell auf das System der Han zurückgreift, riskiert, dass diese denken: „Ihr beherrscht uns doch bloß mit unseren eigenen Einrichtungen. Was ist an euch so besonders?“ Der Zopferlass errichtete auf kultureller und psychologischer Ebene eine Verteidigungslinie. Selbst wenn Han im Verwaltungsapparat eingesetzt wurden, trugen sie weiterhin an ihrem Körper das Zeichen ihrer Unterwerfung. Diese Linie sollte verhindern, dass sie „institutionelle Beteiligung“ mit „politischer Gleichheit“ verwechselten.

Der Preis war gewaltig. Die vom Zopferlass ausgelösten Aufstände verzögerten die Einigung des Reiches unter den Qing, machten die Eroberung noch blutiger und hinterließen in der Han-Gesellschaft tiefe Verbitterung. Aus Sicht der Qing-Herrscher war dieser Preis dennoch tragbar. Denn die Alternative – auf das Scheren zu verzichten und den Han ihre äußerlich sichtbare Eigenständigkeit zu lassen – hätte langfristig womöglich noch größere Risiken geschaffen.

Der Zopferlass ist ein Musterfall dafür, kurzfristige Kosten gegen langfristige Sicherheit einzutauschen. Der unmittelbare Preis waren heftiger Widerstand und sehr viele Tote. Der langfristige Ertrag bestand darin, dass sich die Unterworfenen nach abgeschlossener Eroberung körperlich wie psychisch bereits an den Zustand des Gehorsams gewöhnt hatten. Nach einigen Generationen war der Zopf kein Zeichen der Demütigung mehr, sondern alltägliche Gewohnheit und schließlich sogar Teil der eigenen Identität. Als die Revolutionäre am Ende der Qing-Zeit verlangten, die Zöpfe abzuschneiden, wollten viele ihren auf einmal nicht mehr hergeben.

Der Rest, das Widerstandsbewusstsein der Unterworfenen, wurde von der Zeit verdaut. Aber Verdauen braucht Zeit, und die ersten Jahrzehnte sind die schmerzhaftesten. Die Qing benötigten etwa ein halbes Jahrhundert, von ihrem Einzug bis in die Mitte der Regierungszeit Kangxis, um diesen Vorgang im Wesentlichen abzuschließen.

5. Was der Zusammenstoß der drei Mächte über ihre Strukturen lehrt

Kehren wir zum Zusammenstoß der drei Mächte im Jahr 1644 zurück. Aus ihm lassen sich einige tiefere Einsichten in das Verhältnis von Abtragen und Aufbau gewinnen.

Erstens: Dass Abtragen und Aufbau zusammenpassen, ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Li Zicheng bewies, dass Abtragen ohne einen tragfähigen Aufbau nicht genügt. Du eroberst das Reich, kannst dich aber nicht darin halten, wenn aus deinen ersten Einrichtungen kein verlässlich arbeitender Staatsapparat wird. Die Südlichen Ming bewiesen, dass auch Aufbau ohne Abtragen nicht genügt. Du besitzt einen Verwaltungsrahmen, kannst ihn aber mangels militärischer Macht nicht verteidigen. Die Qing setzten sich schließlich durch, weil sie als Einzige der drei sowohl die Fähigkeit zum Abtragen besaßen – die Kampfkraft der Bannerarmeen – als auch den Willen und das Vermögen zum Aufbau: das selektive Aufpfropfen der Han-Institutionen.

Das heißt nicht, dass die Qing „die Besten“ waren. Es heißt, dass unter den damaligen konkreten Wettbewerbsbedingungen diejenige Seite einen strukturellen Vorteil hatte, bei der Abtragen und Aufbau besser aufeinander abgestimmt waren. Ein Vorteil garantiert keinen Sieg. Zufälle konnten den Ausgang verändern: Wu Sanguis Entscheidung, einzelne Entscheidungen Li Zichengs in Peking oder der Verlauf eines bestimmten Machtkampfs unter den Südlichen Ming. Struktureller Vorteil bedeutet aber, dass bei den meisten denkbaren Verläufen die Seite mit dem besser abgestimmten Zusammenspiel die größere Aussicht auf den Sieg hat.

Zweitens: Einen Aufbau aufzupfropfen ist praktischer, als ihn neu zu erfinden.

Die Qing erfanden keine neuen Regierungsinstitutionen. Alle ihre Einrichtungen – Beamtenprüfungen, Sechs Ministerien, Provinzen, Präfekturen, Bezirke und Kreise – waren unmittelbar von den Ming übernommen. Ihre „Innovation“ bestand nicht darin, etwas Neues zu erfinden. Sie bestand darin, ein fertiges System erfolgreich auf eine andere Machtstruktur aufzupfropfen.

Aufpfropfen kostet sehr viel weniger als Erfinden. Ein neues System erfordert Jahrzehnte des Ausprobierens und Scheiterns. Qin brauchte von Shang Yang bis zum Ersten Kaiser über hundert Jahre, die Han brauchten von Gaozu bis Wudi siebzig. Bei einem vorhandenen System muss man nur das Problem der Schnittstellen lösen: Wie verbindet sich die eigene Machtstruktur mit dem Verwaltungsapparat nach Han-Vorbild? Die Qing lösten dieses Problem mit der mandschurisch-han-chinesischen Doppelstruktur, dem Lifan Yuan, den verschiedenen Identitäten des Kaisers und weiteren solchen Mechanismen.

Drittens: Wird eine Fremdherrschaft aufgepfropft, bleibt zwangsläufig ein Rest: die Spannung zwischen den Identitäten.

Bist du Mandschure oder Chinese? Während des größten Teils der Qing-Zeit wurde diese Frage unterdrückt. Das Acht-Banner-System bewahrte die eigenständige Identität der Mandschuren, während der Verwaltungsapparat nach Han-Vorbild dafür sorgte, dass die Han-Gesellschaft normal weiterlief. Unter dem Dach der verschiedenen Identitäten des Kaisers bestanden beide nebeneinander.

Doch dieses Zusammenleben war zerbrechlich. Als in der späten Qing-Zeit äußerer Druck durch die westlichen Großmächte und die innere Krise des Taiping-Aufstands gleichzeitig auf das Reich trafen, entluden sich die Spannungen zwischen den Identitäten. Die Verteilung der Macht zwischen Mandschuren und Han wurde zu einer offen diskutierten politischen Frage. „Die Mandschuren vertreiben“ wurde eine der zentralen Parolen der Revolutionäre. Unter dem Druck begannen die Verbindungsstellen des selektiv aufgepfropften Systems aufzureißen.

Aufpfropfen ist kein Verschmelzen. Beim Aufpfropfen werden zwei Dinge verbunden und bleiben dennoch zwei Dinge. Beim Verschmelzen werden zwei Dinge zu etwas Neuem. Kaiser Xiaowen der Nördlichen Wei strebte die Verschmelzung an, also die Sinisierung. Ihr Preis war der Aufstand der Sechs Garnisonen. Die Qing strebten das Aufpfropfen an, den parallelen Betrieb zweier Systeme. Ihr Preis bestand darin, dass die Verbindungsstellen jederzeit wieder aufreißen konnten.

Keine Wahl ist kostenlos. Verschmelzung bezahlt man mit innerem Zerreißen, wenn die durch die Reform ausgegrenzten Gruppen zurückschlagen. Aufpfropfen bezahlt man mit einer dauerhaften Spannung zwischen den Identitäten: Unter Druck werden die Risse zwischen den Systemen früher oder später sichtbar.

Viertens: Eroberung brachte eine neue Dimension ins Spiel, die es bei früheren Dynastiewechseln nicht gegeben hatte: die ethnische Frage.

Frühere Dynastiewechsel – die Han lösten die Qin ab, die Tang die Sui, die Song die Fünf Dynastien – waren Machtwechsel innerhalb der han-chinesischen Bevölkerung. Der Austausch des Betriebssystems berührte die ethnische Identität nicht. Der Familienname des Kaisers wechselte, die ethnische Zusammensetzung der Gesellschaft blieb dieselbe.

Mit der Gründung der Yuan und der Qing verhielt es sich anders. Hier wechselte nicht bloß der Familienname des Kaisers. Eine neue Volksgruppe trat als herrschende Schicht hinzu. Neben den Resten, mit denen jede Dynastie zu kämpfen hatte – Landkonzentration, Korruption der Beamten und Finanzkrisen –, bekamen die Fremddynastien damit einen zusätzlichen Rest: das Verhältnis zwischen den Volksgruppen. Im Herrschaftsgefüge der von Han regierten Dynastien hatte dieser Rest nicht existiert. Deshalb boten deren Regierungserfahrungen für den Umgang mit ihm keine unmittelbare Hilfe.

Die mongolischen Yuan bewältigten diesen Rest schlecht. Ihre Einteilung der Bevölkerung in vier Ranggruppen drückte ihn gewaltsam nieder; siebenundneunzig Jahre später explodierte er. Die Qing gingen sehr viel geschickter damit um: selektives Aufpfropfen und Verdauung durch die Zeit. Vollständig beseitigten aber auch sie ihn nicht. Die antimandschurische Bewegung der späten Qing-Zeit zeigte, dass sich dieser Rest noch nach zweihundertfünfzig Jahren reaktivieren ließ.

Die ethnische Frage ist ein besonders hartnäckiger Rest. Er lässt sich schwerer verdauen als wirtschaftliche oder administrative Probleme, denn es geht um Identität, um eine der tiefsten Bestimmungen des eigenen Selbst. Wirtschaftliche Probleme kann man mit Reformen lösen, Verwaltungsprobleme durch die Gestaltung von Institutionen. Aber kaum eine politische Maßnahme kann die Antwort verändern, die ein Mensch auf die Frage gibt: „Wer bin ich?“

6. Ausblick

Aus dem Zusammenstoß der drei Mächte am Ende der Ming- und zu Beginn der Qing-Zeit ging die letzte Herrschaft hervor, die das chinesische Kaiserreich noch einmal einte. Die Qing sollten China 268 Jahre lang regieren, von 1644 bis 1912.

Im nächsten Essay gehen wir weiter in die Qing-Zeit: Wie arbeitete der mandschurisch-han-chinesische Doppelaufbau in der frühen und mittleren Qing-Zeit, und was kennzeichnete die Regierungsführung unter Kangxi, Yongzheng und Qianlong? Yongzheng war ein technischer Meister des Aufbaus. Das System geheimer Palastberichte, der Große Rat, die Eingliederung der Kopfsteuer in die Grundsteuer und die Ablösung erblicher einheimischer Herrscher durch staatlich eingesetzte Beamte: Jede dieser Maßnahmen war eine präzise Nachjustierung des Aufbaus. In der späteren Regierungszeit Qianlongs begann das Gefüge dann an seiner eigenen Größe zu versagen. Danach folgt die späte Qing-Zeit: der Taiping-Aufstand, die Selbststärkungsbewegung und die Hundert-Tage-Reform von 1898. Ein Betriebssystem, das zweitausend Jahre überdauert hatte, traf zum ersten Mal auf einen Gegner, den es überhaupt nicht verstehen konnte: die industrielle Zivilisation.

Diese deutsche Ausgabe wurde für deutschsprachige Leser eigenständig neu geschrieben.