SAE-Handlungstheorie · 08
Das musst du sie selbst fragen
Jahre später begegnet er der Leiterin jenes Teams wieder, das er damals auf den Fehler hingewiesen hatte. Zwei Menschen können zueinanderfinden und gemeinsam handeln, ohne zu einem einzigen Subjekt zu werden. Einverständnis macht sie nicht identisch; die eigene Tat lässt sich niemand anderem zuschreiben.
Wieder an einem Tisch
Später begegnet er der Leiterin jenes Teams wieder. Es ist das Team aus dem ersten Essay, zu dem er damals mit seiner Nachricht ging. Sie hatte ihm keine Einmischung vorgeworfen und den Fehler auch nicht dem Mitarbeiter zugeschoben, dem er unterlaufen war. Noch am selben Tag holte sie alle zusammen, um Punkt für Punkt nachzuprüfen. Seither arbeiteten die beiden in verschiedenen Abteilungen und trafen sich gelegentlich in Sitzungen. Dieses Jahr richtet die Firma eine abteilungsübergreifende Datengruppe ein. Beide werden hinzugebeten.
Auch sie hat etwas, das ihr wichtig ist: die Menschen in ihrem Team. Ist ein Bericht falsch, trägt am Ende oft der junge Datenmitarbeiter die Schuld, obwohl die Ursache in den Vorgaben anderer liegt. Ihm geht es um etwas anderes: Ein Bericht wird für Leser gemacht; die Zahlen dürfen sie nicht in die Irre führen. Verschiedene Anliegen, doch beim ersten Treffen wollen beide dasselbe tun: In jedem Bericht der Firma soll stehen, nach welchen Maßstäben die Daten erfasst und berechnet wurden; ändern sich diese, muss es mitgeteilt werden.
Dass sie wieder an einem Tisch sitzen, ist auch Glück. Es gibt einen Ort, der ihre Zusammenarbeit aufnehmen kann: diese Arbeitsgruppe. Andere Zeiten bieten den nicht unbedingt. Mancher Mensch, der seinem eigenen Gesetz folgt, findet sein Leben lang niemanden, der ihm antworten kann. In anderen Zeiten schreiben solche Menschen über Grenzen hinweg, erkennen einander in einem Dorf und verstecken gemeinsam Fremde. Und denkbar sind Zeiten, in denen dieses Finden nichts Seltenes mehr ist, sondern Alltag. Wie finden zwei Menschen mit je eigenem Gesetz zusammen? Wie tun sie etwas gemeinsam, ohne zu einem Menschen zu verschmelzen? Darum geht es hier.
Finden ist keine Beglaubigung
Woher weiß er, dass auch sie ihrem eigenen Gesetz folgt? Er weiß es nicht. Er kennt einige Vorgänge. Damals machte sie dem Überbringer der Nachricht keinen Vorwurf und schob die Schuld nicht nach unten. Zwei- oder dreimal hörte er über die Jahre, dass sie bei Schwierigkeiten zunächst ihre Leute schützte und dann den Sachverhalt klärte. Man kann aus der Ferne und wiederholt beobachten, wie jemand andere behandelt, und hinzunehmen, was andere über ihn erzählen. Je mehr Zugänge, desto eher zeigt sich, wo ein Bild bloß inszeniert ist.
Das sind Hinweise, keine Beglaubigungen. Aus sichtbaren Taten lässt sich nicht ablesen, was ein Mensch in sich anerkannt hat. Auch ein nach zwanzig Jahren überall zutreffendes Bild liefert kein Urteil „Nun habe ich ihn vollständig gesehen“. Deshalb gibt es hier keinen Test, der von außen feststellt, wer seinem eigenen Gesetz folgt. Er sucht ihre Zusammenarbeit, weil er in einzelnen Vorgängen etwas gesehen hat und nun etwas mit ihr tun möchte. Er stellt ihr kein Zertifikat aus.
Auch wer nicht gefunden wurde, bleibt Zweck. Den Kollegen aus dem vorigen Essay, der in Sitzungen Menschen anhand von Ranglisten vorführte, sah er nicht als jemanden, mit dem er so zusammenfinden konnte. Der Kollege ist deshalb um keinen Grad weniger Mensch. Gesucht wird, um etwas gemeinsam zu tun, nicht um Menschen in zwei Lager einzuteilen.
Finden in den drei Phasen
In der Keimphase reicht dieses Finden oft über Generationen hinweg. Menschen mit eigenem Gesetz leben verstreut und wissen häufig nichts voneinander. Niemand von außen fragt sie weiter. Eine mögliche Gestalt des Scheiterns ist das einsame Opfer, das später als Heiliger oder tragische Figur gelesen wird. Doch ihre Worte können Generationen überdauern, ohne an eine Einrichtung gebunden zu sein; Spätere können wieder in sie eintreten. Ein Mensch liest einen lange vergangenen Satz und erkennt darin jemanden, der ebenfalls seinem eigenen Gesetz folgte. Dieses Finden geht nur in eine Richtung: Der frühere Mensch erfährt nichts davon und kann nicht antworten. Auch das beglaubigt keine ganze Person. Wiedererkannt werden jene Tat und jener Satz, kein Standbild.
In der Umkehrphase entstehen Orte, die solche Begegnungen tragen: Briefe, Veröffentlichungen, grenzüberschreitende Gemeinschaften. Chiune Sugihara stimmte sich beim Ausstellen der Transitvisa mit konsularischen Kollegen vor Ort ab. Die französische Ärztin Adélaïde Hautval verweigerte 1943–1944 in Auschwitz die Teilnahme an medizinischen Experimenten an jüdischen Frauen; dabei gab es Abstimmung mit ärztlichen Kollegen im Widerstand. 1939 luden amerikanische Kollegen den Theologen Dietrich Bonhoeffer nach New York ein und boten ihm eine Lehrstelle, einen sicheren Ausweg. Etwa einen Monat später entschied er sich zur Rückkehr nach Deutschland. Die Weiße Rose, zu der Sophie Scholl gehörte, war eine Gruppe von Studierenden und einem Professor, die gemeinsam etwas aussprachen. Wawilow hatte über Landesgrenzen hinweg Kollegen, die seine Wissenschaft kannten. Es wurde nicht einfach. Aber es war nicht mehr völlige Einsamkeit.
Sophie Scholl sagte vor Gericht sinngemäß: Jemand müsse anfangen; vieles, was sie geschrieben und gesagt hätten, glaubten auch andere, die es nur nicht so auszusprechen wagten. Die überlieferten Wortlaute weichen etwas voneinander ab. Darin zeigt sich eine Weise des Findens in der Umkehrphase: zu wissen, dass andere da sind, auch wenn sie gerade schweigen. In Le Chambon gab es noch eine andere. Nicht jeder musste jeden persönlich prüfen; Vertrauen lief eine Kette entlang: Ein vertrauenswürdiger Mensch bürgte für einen weiteren. Das machte das Finden möglich; weitergereicht wurden dennoch Hinweise, keine Zertifikate. Auch diese Phase kennt ihr Scheitern: Menschen finden einander, doch die gegenseitige Anregung wird von einer Bewegung oder Strategie aufgesogen. Die Behandlung von Menschen als Mittel kehrt in neuer Gestalt zurück.
Die Etablierungsphase ist noch nicht erreicht. Dort wäre das Finden alltäglich. Es bräuchte weder erst eine Notlage noch einen kleinen geschlossenen Kreis; die Möglichkeit, andere zu finden und an sie anzuknüpfen, stünde normalerweise offen. Hinweise blieben Hinweise. Wo alle „Respekt“ und „Anerkennung“ sagen, wirkt das sichtbare Bild einheitlicher und ist umso schwerer richtig zu lesen. Unverändert gilt in allen drei Phasen: Dass Menschen einander gefunden haben, berechtigt sie nicht, einen Kreis zu bilden, der die noch nicht Gefundenen ausschließt. In Le Chambon und im niederländischen Nieuwlande versteckte man unbekannte Menschen. Aufnahme kann heißen, Fremde zu den Eigenen zu machen, sodass sie nicht mehr fremd sind. Oder sie bleiben Fremde und werden trotzdem als Zwecke anerkannt. Die beiden Dörfer versteckten Fremde.
Einverständnis ist keine Identität
Bei der zweiten Sitzung verständigen sie sich: Zunächst erproben zwei Teams das Verfahren. Auf die erste Seite jedes Berichts kommen die Berechnungsgrundlagen; bei einer Änderung geht eine erläuternde Nachricht hinaus. Das ist ein wirkliches Einverständnis, das ihr weiteres Tun tatsächlich bindet. Aber sie sind nicht gleich geworden. Er will verhindern, dass Leser irregeführt werden; sie will verhindern, dass die Ersteller für fremde Fehler geradestehen. Zwei Anliegen führen zu demselben Vorgehen, ohne zu einem Anliegen zu verschmelzen.
Einverständnis kann auf zwei Arten entstehen. Entweder bleiben beide eigenen Gesetze unverändert und man findet gemeinsam ein Vorgehen, mit dem sich beide Anforderungen erfüllen lassen. Oder eine beziehungsweise beide Personen ändern sich je selbst, sodass ihre Anforderungen zusammenpassen. Hier geschieht das Erste. Auch die beiden Dörfer lassen sich so lesen. Die Menschen in Le Chambon waren verschieden: manche ängstlich, manche folgsam, manche schweigend, manche im Streit. In einem waren sie sich einig: Diese Menschen werden nicht ausgeliefert. Auch ihre ausgesprochenen Gründe unterschieden sich. Pfarrer André Trocmé sprach vom Evangelium: „Wann immer unsere Gegner Gehorsam verlangen, der den Geboten des Evangeliums widerspricht, werden wir widerstehen. Ohne Furcht, aber auch ohne Stolz und ohne Hass.“ Seine Frau Magda sagte nur: „Wie hätten wir sie abweisen können? Sie brauchten Hilfe.“ Glaube auf der einen Seite, die Hilfsbedürftigen unmittelbar vor einem auf der anderen: dasselbe Tun.
Auch Einverständnis hat eine Grenze. Überzeugen darf Gründe anbieten und jemanden dazu bewegen, sich zu ändern. Ein Überzeugungserfolg allein ist aber noch kein gemeinsames Einverständnis. Es beruht darauf, dass beide je selbst anerkennen. Keine Seite kann für die andere Zustimmung erklären. In Le Chambon wurde nicht eine Entscheidung nach unten weitergereicht; viele kleine Entscheidungen einzelner Haushalte fanden zusammen. Niemand erklärte eine andere Familie für einverstanden. In der Datengruppe fragt ein Vorgesetzter ihn einmal, ob auch die Leiterin der Ausweitung auf alle Abteilungen zustimme. „Das musst du sie selbst fragen“, sagt er.
Im Jahr ihrer Zusammenarbeit lernen beide vom anderen. Sie zeigt ihm etwas, woran er nie gedacht hatte: Eine Änderung der Berechnungsgrundlage läuft durch mehrere Tabellen weiter — und bei wem landet am Ende der Fehler? Er hatte stets an Leser gedacht, nicht an Ersteller. Er zeigt ihr etwas anderes: Wie muss eine Erklärung geschrieben sein, damit jemand sie wirklich liest? Die Texte ihres Teams werden später halb so lang. Das ist gegenseitige Förderung: Die Entfaltung des einen eröffnet auch dem anderen etwas. Der Unterschied ist kein Fremdkörper, den man beseitigen müsste. Gerade ihr anderes Anliegen lässt sie sehen, was ihm entgeht. Und Einverständnis ist kein Vertrag, weitere Fragen einzustellen. Nachdem der Plan steht, kritisiert sie weiter seine Formulierungen; er fragt weiter nach der Herkunft ihrer Zahlen.
Gemeinsam handeln, ohne ein einziges Subjekt zu werden
Sein A: Leser sollen nicht irregeführt werden. Ihr B: Ersteller sollen nicht für fremde Fehler geradestehen. Beide können C nicht unterlassen: In jedem Bericht müssen die Berechnungsgrundlagen deutlich werden. C gehört weder zu A noch zu B; es entsteht als notwendiges Vorgehen dort, wo zwei eigene Zwecke zusammentreffen. Beide haben es anerkannt: nicht einer allein, der anschließend für die andere spricht. Beide können es gemeinsam verwirklichen: Er schreibt Erklärungen, sie ändert Abläufe; ohne eine Seite gelingt es nicht. Keine Seite verfügt allein darüber: Weder benutzt sein A bloß ihre Hände noch ihr B bloß seinen Namen; auch das Vorgehen bestimmt keiner allein. Es ist gemeinsames Tun, kein gemeinsames eigenes Gesetz. Geändert wird die Art, wie Berichte in der Firma entstehen, nicht das Gesetz des jeweils anderen.
Einmal kommen sie nicht weiter: Sie beurteilen unterschiedlich, welche Abteilung im zweiten Quartal zuerst einbezogen werden soll. Für solche Fälle haben sie vorher den Leiter der Arbeitsgruppe als Entscheider anerkannt. Er entscheidet, beide setzen es um. Das ist ein begrenztes gemeinsames Verfahren. Es regelt die Reihenfolge dieser einen Sache und bindet, weil beide es zuvor angenommen haben. Damit entsteht keine Stelle, die den beiden ihr eigenes Gesetz vorschreiben dürfte. Einen geeigneten äußeren Entscheidungsweg mit einer Sache zu betrauen heißt, diese Sache abzugeben. Es heißt nicht, in ihr Einverständnis erreicht zu haben.
1968 sitzen in My Lai drei Menschen im Hubschrauber. Hugh Thompson landet und befiehlt, die Dorfbewohner zu schützen; Bordschütze Lawrence Colburn bleibt an der Waffe; Glenn Andreotta steigt in einen Graben voller Leichen und trägt den noch lebenden Jungen heraus. An diesem Tag tun sie gemeinsam eines: Sie schützen die Bewohner. Wie jeder von ihnen das innerlich anerkennt, spricht diese Reihe nicht für sie aus. Sichtbar ist, dass sie deshalb nicht zu einem Menschen werden. Thompson meldet seine Beobachtungen und erhält später Todesdrohungen. Dreißig Jahre danach werden Thompson und Colburn für jenen Tag ausgezeichnet. Andreotta fällt ungefähr drei Wochen später in Vietnam. Die Tat jenes Tages geschieht gemeinsam. Was jeder danach trägt, bleibt das Seine.
1879 klagt Standing Bear gemeinsam mit den amerikanischen Anwälten John Webster und Andrew Poppleton vor einem Bundesgericht gegen seine Festhaltung. Er bringt seine eigene Sache mit: den Sohn in der Heimat bestatten und die lebenden Angehörigen seines Volkes nicht auslöschen lassen. Die Anwälte bringen das Verfahren mit, das ein Bundesgericht damit befassen kann. Standing Bear bedient sich des amerikanischen Rechtsbegriffs „Person“, weil nur diese Sprache die staatliche Maschine damals erreicht. Anerkannt hat er stets die lebenden Angehörigen seines Volkes, nicht einen Rechtsbegriff. Eine Sprache zu benutzen und etwas gemeinsam zu tun heißt nicht, diese Sprache zum eigenen Gesetz zu machen.
Die Firma schuf die Arbeitsgruppe und brachte sie wieder an einen Tisch. Das können Einrichtungen leisten: Menschen, die bereits ihrem eigenen Gesetz folgen, das Finden ermöglichen, sie schützen und schädigende Taten sanktionieren. Ein „Wir“ für die beiden erzeugen können sie nicht. Zusammenarbeit schafft auch nicht automatisch eine Stelle über beiden, die ihnen Gesetze gibt. Nieuwlande, ein kleines Dorf in der niederländischen Provinz Drenthe, hatte während der Besatzungsjahre ungefähr 117 Einwohner. Zwischen 1942 und 1945 versteckte fast jeder Haushalt zeitweise Menschen, insgesamt etwa zweihundert bis fünfhundert; Johannes Post und Arnold Douwes koordinierten. Am 16. Juli 1944 wurde Post festgenommen und hingerichtet. Das Dorf versteckte weiter Menschen bis zur Befreiung. Douwes sagte rückblickend: „Wir haben nichts Besonderes getan. Wir taten, was getan werden musste. Wenn nicht wir, wer dann?“ Dieses „Wir“ fasst die eigenen Taten vieler Menschen zusammen. Es steht nicht über ihnen und entscheidet nicht an ihrer Stelle. Von außen wirkt es wie ein Handelnder. Innen handeln viele, jeder selbst, an derselben Sache.
Die eigene Tat lässt sich niemand anderem zuschreiben
Im dritten Quartal führt ein Bericht seines Teams trotz korrekt angegebener Grundlage Leser irre: Die Erklärung stimmt, doch die Änderung ist auf Seite drei vergraben. In der Gruppe sagt er: „Dieser Bericht kommt von uns.“ Leicht ließe sich die eigene Tat jemand anderem zuschreiben: „Unser Versuch ist eben noch unausgereift“, „Die Regeln waren nicht genau genug“ oder „Ihr Ablauf hat nicht Schritt gehalten“. Darin mag Wahres liegen. Aber diesen Bericht hat sein Team erstellt. Die erste Person der eigenen Handlung kann niemand gegen eine andere austauschen, die sie übernimmt. Gemeinsamkeit darf aus der eigenen Tat keine Tat eines „Wir“ machen, die niemand getan hat.
Eine extreme historische Gestalt dieses Satzes: Am 18. Februar 1943 verteilen Sophie Scholl und ihr Bruder Hans in der Münchner Universität das sechste Flugblatt der Weißen Rose. Ein Hausmeister entdeckt sie und übergibt sie der Gestapo. Im Verhör wird ihr ein Ausweg angeboten: die Beteiligung leugnen, sich als vom Bruder gelenkt darstellen, dadurch eine Strafmilderung erreichen. Sie geht diesen Weg nicht und beharrt darauf, selbst entschieden zu haben. Am 22. Februar werden sie, Hans und Christoph Probst vor dem Volksgerichtshof verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Der Ausweg hätte ihre eigene Tat ihrem Bruder zugeschrieben und einen Mitwirkenden zum Menschen gemacht, der sie steuerte.
Mit dieser Geschichte misst die Reihe niemanden. Das eigene Gesetz fordert keine Selbstvernichtung als Existenzbeweis. Opfer sind Kosten, keine Auszeichnungen. Wer in einem solchen Verhör anders sprach, über den wird hier nicht geurteilt. Was die Person in jenem Augenblick sagte, gehört zur Ebene der konkreten Handlung und zu ihrem eigenen Urteil in jenem Augenblick. Der Satz betrifft das Betrachten: Eine Tat hat getan, wer sie getan hat; eine andere Darstellung tauscht den Handelnden nicht aus. Weiter reicht er hier nicht. Aufgabenverteilung, Fehler, Folgen und Wiedergutmachung haben eigene Rechnungen, die dieser Essay nicht abschließt. Später schreiben manche die Berichtsregel ihr zu, andere ihm. Verdienst und Namensnennung sind wiederum eine andere Rechnung.
Im nächsten Jahr gilt die Regel in der ganzen Firma. Die Arbeitsgruppe löst sich auf, beide kehren in ihre Abteilungen zurück. Es bleiben zwei Menschen. Ihr sind weiterhin die Menschen ihres Teams wichtig, ihm die Leser. Ein Jahr lang haben sie etwas gemeinsam zustande gebracht, gemeinsam getan und je selbst anerkannt. Danach ist keiner zum anderen geworden, und kein „Wir“ bleibt zurück, um ihnen Gesetze zu geben. Ein Dorf versteckt vier Jahre lang Menschen; ein Häuptling und zwei Anwälte gewinnen einen Prozess; Studierende verteilen Flugblätter. Groß oder klein, unter schweren oder leichteren Bedingungen gilt derselbe Satz: Zwei oder viele Menschen können gemeinsam handeln, ohne dasselbe Subjekt zu werden.
Quelle und Lesehinweis
Nach dem achten Aufsatz der SAE-Handlungstheorie, ausgehend von der chinesischen Essayfassung eigenständig auf Deutsch geschrieben. Theoretischer Originalaufsatz: Originalaufsatz · DOI: 10.5281/zenodo.22970783.