Wozu dient praktische Klugheit?
Der Einwand gegen ihren Nutzen
Im sechsten Buch stellt Aristoteles eine scharfe Frage. Weisheit behandelt nichts, wodurch der Mensch glücklich wird; praktische Klugheit behandelt das Handeln, aber wer bereits tugendhaft ist, scheint durch zusätzliches Wissen nicht besser zu handeln. Medizinisches Wissen macht nicht automatisch gesund. Und wie könnte die niedrigere Klugheit der höheren Weisheit Befehle erteilen?
Die Antwort beginnt mit einer Unterscheidung. Weisheit und Klugheit sind als Vortrefflichkeiten ihrer Seelenteile schon um ihrer selbst willen wählenswert. Sie erzeugen dennoch etwas—nicht wie Medizin Gesundheit herstellt, sondern wie ein guter Zustand seine Tätigkeit hervorbringt. Vor allem erklärt Klugheit, was zwischen richtiger Absicht und gelungener Einzeltat liegt.
Geschicklichkeit ist nicht Klugheit
Aristoteles nennt eine neutrale Fähigkeit: Geschicklichkeit. Ist ein Ziel gesetzt, findet sie wirksame Mittel und trifft. Bei einem guten Ziel ist sie lobenswert; bei einem schlechten wird sie zur Fähigkeit, alles zu tun. Praktische Klugheit ist nicht identisch mit ihr, kann aber ohne sie nicht handeln. Tugend macht das Ziel richtig; Klugheit bestimmt, was zu diesem Ziel führt.
Damit erhält Effizienz keine Befugnis, ihren eigenen Zweck zu rechtfertigen. Ein hervorragend optimiertes System kann Schaden schneller ausführen. Der gewandte Mitarbeiter, der jede Vorgabe erfüllt, ist nicht deshalb klug. Zugleich schwebt das richtige Ziel bei Aristoteles nicht als neutrale Option vor allen Menschen. Charakter beeinflusst, was überhaupt als gut erscheint. Schlechtigkeit verdirbt den Ausgangspunkt des praktischen Schlusses.
Der starke Körper ohne Augen
Aristoteles vergleicht natürliche Tugend mit einem kräftigen Körper ohne Sehvermögen. Angeborener Mut, Großzügigkeit oder Selbstvertrauen können wertvolle Kräfte sein. Ohne nous und praktische Klugheit stürzt der Starke gerade wegen seiner Kraft schwerer. Spontane Aufrichtigkeit ist daher keine hinreichende Moraltheorie.
Das Bild erklärt auch, warum Klugheit nicht vollständig ausgelagert werden kann. Ratschläge können eine Handlung nennen. Der Handelnde muss dennoch sehen, ob sie hier passt, welches Ende in der Lage wirklich auf dem Spiel steht und wie die besonderen Umstände den Weg verändern. Dem Klugen zu folgen kann Bildung sein; es ist nicht dasselbe wie selbst klug zu urteilen.
Was gelangt in die Prüfung?
SAE teilt die Weigerung, Ableitungsstärke mit Geltung zu verwechseln. Sind Prämissen und Regeln gesetzt, kann eine Maschine oder ein sehr geschickter Mensch den Zweig weiterführen. Der Erfolg prüft den Boden nicht. Auch die Voraussetzung muss adressierbar und revidierbar bleiben.
Aristoteles setzt jedoch früher an. Ein Audit prüft, was ins Feld gelangt: Behauptung, Adresse, Prämissen, Einwände. Charakter formt, was überhaupt als prüfenswert erscheint. Wer Herrschaft als normal gelernt hat, legt die betreffende Beziehung vielleicht nie auf den Tisch. Die perfekte Kontrolle sichtbarer Posten entdeckt den fehlenden Kandidaten nicht automatisch.
SAE kennt blinde Flecken und den Wert fremder Fragen, aber noch keine vollständige Theorie der Salienz. Ein anderer kann auf das Fehlende hinweisen; auch er kann es übersehen. Aristoteles nennt Erziehung, Gesetz, Lust und Schmerz als Kräfte, die das Sehen formen. Das ist keine Widerlegung von SAE, sondern eine Schuld, die aus dem Vergleich sichtbar wird.
Ziele, Mittel und die sehende Person
Management trennt gern Strategie und Ausführung. Führung setzt Ziele, geschickte Kräfte finden den Weg. Aristoteles hält diese Teilung moralisch für unvollständig. Wenn ein deformierter Charakter das Ziel attraktiv macht, vertieft gute Ausführung den Fehler. Ein edles Motto ohne Kenntnis der Einzelheiten dient umgekehrt als Alibi für vorhersehbaren Schaden.
Praktische Klugheit verbindet Ende, Mittel und geformte Wahrnehmung. SAE kann die Verbindung rechenschaftspflichtiger machen, indem es Voraussetzungen und Reste offenlegt. Aristoteles erinnert daran, dass jede Tabelle ein Außen hat: eine Bildungsgeschichte, die bestimmt, was eingetragen wird.
Das ist der Nutzen der Klugheit. Sie ersetzt Tugend nicht, schmückt keine gute Absicht und optimiert nicht bloß. Sie ist das Sehen, durch das ethische Kraft nicht als starker Körper im Dunkeln läuft. SAE liefert keinen Beweis für diese aristotelische Lehre. Es gewinnt aus ihr eine präzise Gegenfrage: Wer prüft die Auswahl dessen, was zur Prüfung zugelassen wurde?
Diese Frage betrifft auch künstliche Systeme. Ein Modell kann angebotene Ziele konsistent verfolgen und Varianten schneller vergleichen als jeder Mensch. Genau diese Stärke macht die fehlende Zielprüfung gefährlicher. Mehr Rechenleistung ersetzt keinen richtig erscheinenden Anfang; ein edler Anfang wiederum entschuldigt keine Blindheit gegenüber dem besonderen Fall.