Was in diesen zwei Tagen war
Meursault lässt den Sarg geschlossen, raucht mit dem Pförtner, trinkt Milchkaffee und schläft ein. Im Trauerzug spürt er Sonne und Erschöpfung, weint aber nicht. Am Folgetag schwimmt er mit Marie, sieht eine Komödie und schläft mit ihr. Verborgene tiefe Trauer hinzuzuerfinden macht ihn nur annehmbarer.
Nicht kalt, sondern sinnlich offen
Meerwasser, Salz in Maries Haar, weiße Steine, sonntägliche Straßen und Abendlicht erhalten die reichsten Sätze. Auch dem alten Salamano hört er nach dem Verlust des Hundes zu. Meursault fehlt Gefühl nicht; er bündelt es nur nicht zur Rolle des trauernden Sohnes oder ehrgeizigen Angestellten.
Kein zusätzliches Wort
Marie fragt nach Liebe und Heirat, der Chef nach Paris, Raymond nach Freundschaft. Meursault sagt nur, was er empfindet: Liebe vermutlich nicht, sonst sei es gleich. Die gewünschten Antworten wären leicht und folgenlos. Er fügt trotzdem kein Gefühl hinzu, das er nicht findet.
Anderswo statt mangelhaft
Die Gesellschaft verlangt Tränen, Liebeserklärung und Begeisterung als austauschbare Belege. Meursault besitzt Meerestemperatur, Haargeruch und Nachmittagslicht; nichts davon lässt sich einreichen. Er ist nicht leer, sondern reich außerhalb des Bewertungsrasters. Zur Frage wird damit, welche Form von Erleben als lesbare Menschlichkeit zählt.