NON DUBITO · Filmessays
Das Leben ist schön: Eine Lektüre in drei Essays
Drei Essays folgen Guidos komischer Vorstellungskraft, die sein Leben von jeher bestimmt: von seiner gewohnten Lebensweise zu dem Spiel, das im Konzentrationslager ein vorläufiges Gefüge zum Überleben schafft, und schließlich zu dem echten Panzer, der ankommt, als der Erfinder des Spiels schon nicht mehr da ist.
Das Leben ist schön trifft eine ethisch höchst gefährliche Entscheidung. Der Film trägt die Ausdrucksformen der Parabel und der Komödie in eine Geschichte von Deportation und Vernichtung hinein. Zu seiner Verteidigung lässt sich nicht anführen, Humor mache ein Konzentrationslager weniger schrecklich. Tatsächlich arbeitet der Film auf zwei Ebenen: Giosuè hört von einem Spiel, das ihn lehrt, wie er einen weiteren Tag überleben kann. Wir sehen, was das Kind nicht sieht: die judenfeindlichen Schilder, die verriegelten Waggons, die Selektionen und die Leichen.
Guidos Erfindungen verdecken uns also nicht die Wirklichkeit. Sie schaffen innerhalb einer Wirklichkeit, die er nicht besiegen kann, einen kleinen Raum, in dem noch Handeln möglich ist. Vor dem Krieg eröffnet diese Vorstellungskraft anderen eine Wahl, ohne für sie zu entscheiden. Im Konzentrationslager wird sie zu einer ungleichen Form der Fürsorge: Der Vater trägt das Risiko, dem Kind kommt der unmittelbare Nutzen zugute. Die erwachsene Erzählerstimme nennt sie später ein Geschenk. Das beweist weder, dass kein Trauma zurückgeblieben ist, noch beantwortet es von selbst sämtliche Einwände gegen den Film. Es zeigt, welche Bezeichnung der Überlebende später selbst für das Handeln seines Vaters wählt.
I. Schon von Anfang an schafft er Freiraum für andere
Die Liebeskomödie der ersten Hälfte ist keine entbehrliche Süße vor der Katastrophe. Sie zeigt Guidos gewohnte Methode: Aus einem Drehbuch, das andere verfasst haben, macht er eine Tür, durch die man aus eigener Entscheidung hinausgehen kann.
II. Diese Lüge hat nur einen Zweck: Er soll morgen noch leben
Das Spiel erklärt die Welt nicht und begründet auch keinen lebenslangen Glaubenssatz. Es macht aus Stillsein, Sichverstecken und Warten Handlungen, die ein fünfjähriges Kind ausführen kann, um zu überleben.
III. Der Panzer war wirklich da
Bis zu seinem Tod lässt Guido das Spiel nicht zerbrechen. Noch bevor das Kind die Erfindung durchschaut, taucht der versprochene Panzer tatsächlich auf. Als Erwachsener nennt der Überlebende das Ganze ein Geschenk seines Vaters.
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