Unter Druck rückt ein Team zusammen. Menschen übernehmen mehr, verschieben Urlaub und schweigen über die eigene Erschöpfung, um andere nicht zusätzlich zu belasten. Eine echte Krise kann so überstanden werden.

Hat die Krise kein Ende, wird die Tugend zum Verdeckungsmechanismus. Weil alle noch funktionieren, erscheinen die Ziele erreichbar. Das System liest Opfer als verfügbare Kapazität und plant sie erneut ein.

Wer zuerst eine Grenze zieht, fürchtet nun, das Ganze zum Einsturz zu bringen. Weitergearbeitet wird nicht aus freier Zustimmung, sondern weil das Nein den Schmerz sofort auf bereits erschöpfte Kollegen verlagert.

Der Ausweg braucht eine gemeinsame Prioritätenentscheidung: Was lassen wir weg, welche Frist ändert sich, welche Ressource fehlt und wer entscheidet darüber? Noch mehr Einsatz zu verlangen beantwortet keine dieser Fragen.

Solidarität soll Menschen schützen, nicht die Organisation von Verantwortung entlasten. Manchmal hilft ein Team einander am meisten, wenn es gemeinsam aufhört, die Unmöglichkeit durch private Opfer unsichtbar zu machen.