Nein zum Mantel, zum Heimgehen, zur Hand an der Straße: Das Wort kommt oft vor der Begründung. Für Erwachsene stört es den Ablauf. Für das Kind ist es eine frühe Erfahrung, dass sein Wunsch nicht mit dem Wunsch der betreuenden Person zusammenfällt.
Das Nein ernst zu nehmen bedeutet nicht, dass es immer gilt. An der Straße wird die Hand gehalten, ein Schlag wird verhindert. Eine Grenze kann fest bleiben, ohne den Widerstand zur Charakterschwäche zu erklären.
Die Frage „Was genau willst du nicht?“ unterscheidet Angst, Müdigkeit, Schmerz und den Wunsch nach Mitbestimmung. Selbst wenn das Ergebnis gleich bleibt, erfährt das Kind, dass seine Äußerung ankommt und manchmal die Form des Handelns verändert.
Hebt jedes Nein dagegen jede Verpflichtung auf, lernt es nicht, dass auch andere Menschen einen Körper, Zeit und Grenzen haben. Die eigene Grenze zählt, aber sie löscht fremde Grenzen nicht.
Nein ist kein Wort gegen Beziehung. Es macht sichtbar, dass zwei Personen nicht dieselbe Person sind und deshalb eine gemeinsame Form finden müssen, in der keiner den anderen verschluckt.