Nachtisch, Schulweg, medizinische Behandlung: Entscheidungen haben sehr unterschiedliches Gewicht. Wer ein Kind begleitet, kann nicht bei jeder Frage nur nach seinem Wunsch fragen und die Antwort ausführen. Manchmal wäre der Verzicht auf Autorität keine Achtung, sondern ein Wegsehen vor einem Risiko.

Respekt zeigt sich darin, ein Nein zu hören, Gründe zu erklären, echte Wahlmöglichkeiten anzubieten und ein unterlegenes Bedürfnis nicht lächerlich zu machen. Das Ergebnis darf beim Erwachsenen liegen, ohne dass die Stimme des Kindes bedeutungslos wird.

Elterliche Macht folgt jedoch nicht zeitlich unbegrenzt aus einer Rolle. Sie braucht einen konkreten Grund: eine Gefahr verstehen, Folgen abschätzen, einen Schaden beheben oder andere schützen. Wird diese Lücke kleiner, muss auch die Macht kleiner werden.

Oft lässt sich eine Entscheidung teilen. Die Behandlung mag notwendig sein, aber Zeitpunkt, Begleitung und Reihenfolge können wählbar sein. So wird das Kind nicht zum Alleinentscheider, übt aber bereits das Entscheiden.

Elternschaft übt eine Verantwortung aus, deren Rückgabe von Anfang an mitgedacht werden muss. Autorität erfüllt ihren Zweck, wenn das Kind zunehmend ohne sie auskommen kann.