Non Dubito
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NON DUBITO · Malerei · Westliche Malerei

Poussins Der Raub der Sabinerinnen

Die klare Komposition macht Zwang und Widerstand unterscheidbar. Wie lässt sich ihre Ordnung würdigen, ohne zu vergessen, was sie ordnet?

In diesem Essay

Der Mann links oben steht sicher. Zwei hohe Säulen fassen seine Gestalt ein. Von seiner Schulter fällt ein roter Mantel herab; mit einer Hand hebt er dessen Zipfel an. Unter seinen Füßen gerät dagegen alles aus dem Gleichgewicht. Eine Frau in Blau wird vom Boden gehoben, eine Frau in Grün streckt den Arm nach oben, Bewaffnete drängen in die Menge. Kleine Kinder liegen dicht neben den Füßen der Erwachsenen. Wenn unser Blick von der erhöhten Plattform hinunterwandert, wird ein Abstand schlagartig sichtbar: der zwischen einem Befehl und den Körpern, die seine Folgen tragen müssen.

Gesamtansicht von Poussins Gemälde. Links oben hebt Romulus auf einer Plattform seinen roten Mantel. Darunter ergreifen Männer sich wehrende Frauen. Rechts drängen sich Bewaffnete und ringende Figuren um ein weißes Pferd. Vorn befinden sich eine ältere Person und zwei kleine Kinder dicht am Boden.
Abbildung 1. Nicolas Poussin, Der Raub der Sabinerinnen, wohl 1633–1634. Öl auf Leinwand, 154,6 × 209,9 cm. The Metropolitan Museum of Art, New York, Harris Brisbane Dick Fund, 1946, Inventarnummer 46.160. Bild: The Metropolitan Museum of Art, gemeinfrei / CC0. SammlungseintragBilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Eine besondere Leistung dieses Gemäldes steht im Mittelpunkt der folgenden Betrachtung: Poussin unterscheidet die gleichzeitig ablaufenden Handlungen so genau, dass wir erkennen können, wie der Zwang verschiedene Menschen trifft. Architektur, Farben und Körperhaltungen ordnen das Getümmel zu einem überschaubaren Bild. Zugleich bleiben der Widerstand der Frauen, ihre abgewandten Köpfe, ihre von den Entführern wegstrebenden Hände und ihre haltlosen Füße in dieser Ordnung sichtbar. Wer die Anordnung würdigt, muss sich deshalb auch ansehen, was hier angeordnet wird.

Das Thema gehört zur römischen Gründungssage, nicht zu den durch verlässliche Augenzeugenberichte belegten Ereignissen. In der antiken Erzählung laden Romulus und seine Gefolgsleute die benachbarten Sabiner zu einem Fest ein. Dann rauben sie deren Frauen, um sie zu Ehefrauen zu machen. Das Anheben des Mantels ist das verabredete Zeichen. Poussin zeigt den Überfall selbst; die spätere Vermittlung der Sabinerinnen, die einen Kampf zwischen den beiden Völkern unterbrechen, ist eine andere Episode. Erläuterung des Met

Poussin malte das Bild in Rom. Sein erster Besitzer war Charles de Créquy, damals französischer Botschafter in der Stadt; später gelangte es in die Sammlung Kardinal Richelieus. Antiker Erzählstoff und eine an Skulpturen geschulte Figurensprache trafen hier auf ein gebildetes, gesellschaftlich hochgestelltes Publikum. Eine anders komponierte Fassung desselben Themas befindet sich im Louvre. Wir betrachten durchgehend das New Yorker Gemälde, erkennbar an der erhöhten Plattform links und dem Gebäude mit drei dunklen Fenstern und einem großen Torbogen rechts. Über die zeitliche Reihenfolge der beiden Fassungen wurde lange diskutiert. Hier gilt die heutige Datierung des Met: wohl 1633–1634. Wissenschaftlicher Katalog des Met; Fassung im Louvre

Für einen Befehl genügt eine kleine Bewegung

Romulus steht hoch und hat Platz. Die Männer hinter ihm verdecken seinen Umriss nicht. Neben ihm zieht sich eine Säule senkrecht nach unten; rechts öffnet sich der Himmel. Die große rote Mantelfläche lässt sich beinahe mit einem Blick erfassen. Schulter, Arm und angehobener Zipfel bleiben in einer weitgehend zusammenhängenden Form verbunden. Macht zeigt sich zunächst als räumliche Unbeengtheit: Der Befehlende braucht sich nicht in die verschlungenen Körper unter ihm hineinzubegeben.

Vergleichen wir seine Hand am Mantelrand mit der erhobenen Hand der blau gekleideten Frau darunter. Auf der Bildfläche liegen sie recht nahe beieinander, doch sie tun grundverschiedene Dinge. Die eine entfaltet ein Stück Stoff. Die andere strebt von einem festgehaltenen Oberkörper fort. Die Frau legt den Kopf zurück und dreht den Rumpf; ihre zweite Hand reicht seitlich an das Gesicht des Mannes heran, der sie trägt. Ihr Körper wird in eine Richtung bewegt, während Kopf und Hände eine andere vorgeben.

Ausschnitt der linken Bildhälfte. Romulus hebt zwischen den Säulen seinen Mantel an. Darunter umfasst ein Mann die blau gekleidete Frau an der Taille und unter den Beinen; ein zweiter ergreift die Frau in Grün. Beide Frauen strecken die Arme von den Männern weg.
Abbildung 2. Ausschnitt aus der Originaldatei. Vergleichen Sie die Hand am Mantelzipfel mit der erhobenen Hand der Frau in Blau und mit den Händen, die ihren Körper umfassen und tragen. Bild: The Metropolitan Museum of Art, CC0.Bilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Der Träger der Frau in Blau hat die Beine weit auseinandergestellt und steht mit beiden Füßen auf dem Boden. Ein Arm liegt um ihre Taille, der andere unter ihren Beinen. Zusammen bilden sie ein tragendes Gerüst. Einer ihrer Füße ragt nach links, der andere hängt herab; die blauen Gewandfalten verbinden beide Richtungen. Die Gruppe lediglich als diagonale Komposition zu beschreiben, würde einen entscheidenden Unterschied unterschlagen. Der Mann verfügt über festen Halt. Der Frau ist der Boden unter den Füßen entzogen.

Daneben wird die Bewegung abgewandelt. Der Mann mit dem kupferfarbenen Helm wendet uns den Rücken zu. Sein Harnisch und das rosabraune Gewand bilden eine kompakte Masse. Über seiner Schulter erscheint das Gesicht der Frau in Grün, deren Hand nach rechts oben reicht. Die Gruppen berühren sich beinahe, behalten aber jeweils einen nachvollziehbaren Umriss. Das leuchtende Blau breitet sich weiter unten aus, das dunklere Grün steigt höher auf. Die Arme der Männer umschließen die jeweils ergriffenen Körper. Poussin wiederholt eine Handlung und verändert dabei Höhe, Richtung und Farbe. So wird der Raub als eine Folge einzelner Übergriffe lesbar und geht nicht in einer unbestimmten Unruhe auf.

Die erhobenen Handgelenke beider Frauen sind abgewinkelt. Ihre Finger bilden keine geschlossenen, gleichförmigen Fäuste. Tatsächlich haben diese Kurven etwas Leichtes; sie führen den Blick von der einen Gruppe zur nächsten. Ihr Zusammenhang bleibt dennoch eindeutig: Die Frauen verlieren die Verfügung darüber, wohin ihre Körper bewegt werden. Dass die Linien anmutig ineinandergreifen, ändert nichts an den Handlungen, zu denen sie gehören.

Rechts stoßen Kräfte aufeinander

Der rechte Vordergrund lässt sich weniger rasch entwirren. Mehrere Handlungen treffen hier an einer eng begrenzten Stelle zusammen. Ein Mann im gelben Harnisch hebt sein Schwert und dreht den Oberkörper zu uns. Ein graubärtiger Mann, um dessen Hüfte ein rosa Tuch liegt, kniet auf einem Knie und zeigt uns Seite und Rücken. Einen Arm streckt er gegen die Flanke des Bewaffneten aus, den anderen hebt er an. Neben ihnen kauert eine Frau in Blau. Sie greift in das rosa Tuch, während Kopf und Schultern nach links sinken. Wer auch diese Gruppe bloß als einen Mann beschreibt, der eine Frau fortträgt, übersieht die Abwehr und den Zusammenstoß in ihrer Mitte.

Ausschnitt des rechten Vordergrunds. Ein Mann im gelben Harnisch hebt ein Schwert. Der in rosa Stoff gehüllte graubärtige Mann kniet und stemmt ihm einen Arm entgegen. Die niedrig kauernde Frau in Blau hält den rosa Stoff fest. Dahinter überschneiden sich ein weißes Pferd, Bewaffnete und fliehende Figuren.
Abbildung 3. Ausschnitt aus der Originaldatei. Folgen Sie zunächst der Hand der Frau am rosa Stoff, dann dem ausgestreckten Arm des bärtigen Mannes und schließlich der Hand mit dem Schwert. Bild: The Metropolitan Museum of Art, CC0.Bilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Beginnen wir beim rosa Tuch. Es knickt neben der greifenden Hand um, läuft über Hüfte und Rücken des Mannes und bildet breite Falten, die rechts unten zu seinem Knie hinabfallen. Der Stoff macht die Berührung der beiden Personen erkennbar und bindet die Gruppe an den unteren Bildrand. Gehen wir dagegen vom gelben Harnisch aus, führen Ellenbogen, erhobener Unterarm und Schwert nach links oben. Auf engem Raum widersetzen sich die beiden Bewegungszüge einander. Das Auge kann ihnen folgen, doch die Handlungen lassen sich nicht zu einer einzigen ungehinderten Bewegung verbinden.

Das unbedeckte Bein der Frau in Blau liegt dicht am unteren Rand. Ihr Gesicht ist zur Bildmitte gewandt; Brauen und geöffneter Mund lassen Angst erkennen. Ihr Haar fällt an dem geneigten Hals und der Schulter herab. Ausgestreckter Arm, gewölbter Rücken und auseinandergesetzte Beine der benachbarten Figuren engen ihren möglichen Rückzugsraum ein. Widerstand hat hier verschiedene Formen: ein unmittelbar abwehrender Arm, eine Hand, die Stoff festhält, ein tief zu Boden geduckter Körper. Die Bedeutung der Figuren lässt sich nicht allein an ihrer Muskelkraft ablesen.

Dahinter bildet die helle, gerundete Hinterhand eines weißen Pferdes eine größere Lichtfläche zwischen den kleineren Wendungen von Helmen, Armen und blauem Stoff. Das Pferd liegt in einer höheren Bildzone und trennt so das Ringen im Vordergrund von den Bewegungen weiter hinten. Noch weiter rechts weisen Hände und Gewänder über den Rand hinaus. Die Leinwand schneidet sie ab; der Vorgang scheint jenseits ihrer Grenze weiterzugehen.

Am Boden verändert sich der Rhythmus

Zwischen den großen seitlichen Gruppen öffnet sich unten ein niedriger Zwischenraum. Dort sitzt eine ältere Person mit einem hellen Tuch über dem Kopf. Eine Hand liegt am Kopf, die andere reicht zu den Füßen. Orangeroter Stoff sammelt sich um die angewinkelten Knie. Zu beiden Seiten befinden sich kleine Kinder: Eines stützt sich auf beide Hände, das andere liegt halb seitlich und hebt einen Arm. Ganz in ihrer Nähe setzen Erwachsene die Füße auf und spreizen die Beine.

Ausschnitt aus Vordergrund und Bildtiefe. Eine ältere Person mit hellem Kopftuch sitzt am Boden und hält eine Hand an den Kopf. Zwei kleine Kinder liegen zu ihren Seiten. Dahinter laufen kleinere Figuren und tragen Schwerter; ein blauer Rock schwingt seitwärts aus.
Abbildung 4. Ausschnitt aus der Originaldatei. Die drei bodennahen Figuren unterbrechen die weit ausgreifenden Haltungen der Erwachsenen. Hinter ihnen bleiben Bodenflächen und entferntere Handlungen erkennbar. Bild: The Metropolitan Museum of Art, CC0.Bilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Diese Gruppe verändert, wie wir Bewegung lesen. Die stehenden Figuren strecken Arme nach außen und nehmen weite Beinstellungen ein. Daraus ergeben sich Richtungen des Fliehens, Ergreifens oder Abwehrens. Bei der älteren Person führt die Hand zurück zum eigenen Kopf. Die Glieder der Kinder bleiben dicht am Boden; ihr Handlungsspielraum ist klein. Auch die Frau in Blau rechts neigt ihr Gesicht zu dieser niedrigen Zone hin. Das Bild unterwirft nicht alle Körper demselben weit ausgreifenden Takt. In der Mitte zeigt es eine Bestürzung, die auf das Geschehen weder mit Davonlaufen noch mit Kämpfen antworten kann.

Auch die Farbe scheint hier langsamer zu werden. Das Orangerot erinnert an den roten Mantel oben, sammelt sich aber nun an den Füßen, statt von einer erhöhten Plattform herabzufallen. Das weiße Kleid des Kindes bildet einen hellen Fleck auf der Erde. Verwandte Farben verbinden verschiedene Höhenlagen, während die Lage der Menschen eine andere ist. Rot bezeichnet keineswegs durchgehend eine bestimmte Tugend oder Zugehörigkeit. Die Farbe schafft eine Beziehung für das Auge; die Handlungen machen deren Unterschiede sichtbar.

Dunkle Bodenstücke und die deutlich verkleinerten Läufer dahinter erschließen die Tiefe. Die Vordergrundfiguren haben den Platz nicht vollständig abgeriegelt. Weiter hinten blitzen noch immer schmale Schwertklingen auf; manche Gesichter und Hände sind zu kleinen Farbflecken geworden. Die nahen Berührungen können wir einzeln prüfen. Die entfernten Figuren dehnen das Ereignis zu einer fortlaufenden Menschenbewegung aus, die sich nicht auf einen Blick auszählen lässt. Das Bild hält beides bereit: genau unterscheidbare Kontakte und die größere Reichweite des Geschehens.

Die Architektur macht das Getümmel lesbar

Das große Gebäude rechts wirkt ruhig. Drei dunkle Fenster folgen in nahezu regelmäßigen Abständen aufeinander. Senkrechte Gliederungen treffen auf die waagerechte Gesimslinie; der große Torbogen führt ins Dunkel. Unter graublauem Himmel und schweren Wolken bleiben die breiten braunen Mauerflächen zurückhaltender als Blau, Rot und Gelb im Vordergrund. Wir müssen diese Architektur nicht als genaue Rekonstruktion des frühen Rom verstehen, um ihre Funktion zu erkennen. Sie gibt den dicht gedrängten Körpern ein Bezugssystem, das sich nicht mit ihnen biegt.

Kreuzt ein Arm eine Waagerechte, tritt seine Schräge deutlicher hervor. Die dunklen Fenster bilden ein regelmäßiges Band über den unterschiedlich hoch angeordneten Köpfen darunter. Die Figuren vor dem Bogen erhalten einen Ort in der Tiefe. Architektur ist hier kein Lückenfüller hinter den Menschen. Sie entscheidet mit darüber, wie jede Körpergruppe lesbar wird.

Dazu trägt auch die Modellierung innerhalb der Farbflächen bei. Das Blau des Kleides wird am Knie hell und verdunkelt sich dort, wo ein Arm dagegen drückt. Auf dem Rücken einer rosa Falte liegt beinahe Weiß; in der Vertiefung wird derselbe Stoff dunkelrot. Licht und Schatten modellieren Brust und Bauch des gelben Harnischs. Wer Farben lediglich als flache Erkennungszeichen auffasst, übersieht, wie Griff und Druck die Form eines Gewandes verändern. Helle Flächen holen Körper nach vorn, schmale Schatten trennen aneinanderliegende Teile. Die Leinwand besitzt kein solches körperliches Volumen; dennoch erhalten die Handlungen durch diese Kontaktstellen eine nachvollziehbare Gestalt.

Das Gemälde ist gut zwei Meter breit. Auf dieser Fläche können sich mehrere Gruppen ausdehnen, und unser Blick kann zwischen großen Haltungen und einzelnen Fingern wechseln. Das Met erläutert, dass Poussin kleine Wachsfiguren und eine bühnenartige Vorrichtung zur Vorbereitung seiner Kompositionen verwendete. Der wissenschaftliche Katalog verbindet Figuren dieses Bildes außerdem mit antiken Skulpturen, mit einer Skulptur Giambolognas und mit einer Darstellung Pietro da Cortonas. Die Körpersprache ist ausgiebig studiert und greift auf ältere wie jüngere Kunst zurück. Kommentar und Katalog des Met Das erklärt die Klarheit der Posen, liefert aber kein automatisches Lob für jede Handlung, die sie vorführen.

Poussins Ordnung erlaubt uns, innezuhalten, zu vergleichen und zum bereits Gesehenen zurückzukehren. Gerade dabei werden die ungleichen Verhältnisse auf demselben Platz sichtbar. Der Befehlende steht erhöht; die zugreifenden Männer haben Halt; die geraubten Frauen verlieren den Boden; die Gegenwehr wird nach unten gedrängt. Die formale Ordnung bewahrt diese Unterschiede. Darin liegt die hier hervorgehobene Stärke des Gemäldes: Es hält solche Beziehungen einer längeren Betrachtung zugänglich. Für uns ergibt sich daraus eine Aufgabe. Die Bewunderung für die Anordnung darf den darin angeordneten Zwang nicht aus dem Blick verlieren.

Zum Weiterdenken: Zwei Arten der Zustimmung unterscheiden

In Die Schönheit der Philosophie untersucht Han Qin im Rahmen von SAE, Self-as-an-End, wie eine Unterscheidung aus einem verknäuelten Problem eine präzisere Frage machen kann und dabei selbst überprüfbar bleibt. Auf dieses Gemälde bezogen lässt sich vorläufig zwischen zwei Sätzen unterscheiden: „Ich erkenne die bildnerische Ordnung“ und „Ich billige die dargestellten Handlungen“. Das ist eine heutige Betrachtungsübung; über Poussins Absichten gibt sie keine Auskunft. SAE-Grundlagentext; Die Schönheit der Philosophie

Wählen Sie eine der linken Gruppen und schreiben Sie zunächst einen Satz über die Form: Das blaue Kleid breitet sich vor dem dunklen Rumpf des Mannes aus. Ergänzen Sie dann für dieselbe Stelle ein genaues Tätigkeitswort: Sein Arm umfasst ihre Taille; ihre andere Hand strebt von ihm fort. Lesen Sie beide Sätze zusammen. Hat die Bewunderung im ersten unbemerkt ausgelassen, was im zweiten geschieht? Prüfen Sie anschließend den rechten Vordergrund. Wenn alle männlichen Arme mit „Zugreifen“ beschrieben werden, zwingt uns dann der gegen den gelben Harnisch gerichtete Arm, die Beschreibung zu ändern? Die Unterscheidung bewährt sich daran, ob wir genauer sehen.

Damit ist die Frage nicht erledigt. Gerade weil Griff, Verlust des Halts und gegenläufige Gesten so klar angeordnet sind, können wir die Gewalt erkennen. Bildform und dargestelltes Handeln lassen sich innerhalb des Gemäldes also nicht vollständig voneinander lösen. Daraus entsteht eine genauere Frage: Wo hilft uns die Ordnung, den Zwang wahrzunehmen, und wo könnte sie dazu verführen, nur noch die Posen zu bewundern? Eine Antwort verlangt die erneute Prüfung einzelner Bildstellen. Weder der Rang des Werkes im Kanon noch ein moralisches Etikett kann uns dieses Hinsehen abnehmen.

Bildnachweise und Quellen

Die Beobachtungen beruhen auf der offiziellen Bilddatei des Met mit 4000 × 2973 Pixeln. Die Gesamtansicht ist die unveränderte heruntergeladene Datei einschließlich des schmalen Leinwandrandes und der äußeren schwarzen Umrahmung. Die drei Detailansichten wurden ausschließlich beschnitten. Pixelwerte und ICC-Farbprofil sind erhalten; es erfolgten keine Farbkorrektur, Schärfung, Restaurierung oder Ergänzung. Die Bedingungen einer Bildschirmansicht unterscheiden sich weiterhin von der Betrachtung des Originals.

Das Bild steht gemäß der Open-Access-Richtlinie des Met unter CC0 zur Verfügung. Diese Freigabe gilt nicht automatisch für wissenschaftliche Texte des Museums. Werkdaten, die Unterscheidung der Fassungen und theoretische Bezüge sind durch die Links im Text sowie das Quellenverzeichnis nachgewiesen. Technische Angaben enthält der Bildnachweis. Die Deutungen werden in diesem Beitrag zur Diskussion gestellt; eine Bestätigung durch das Museum ist damit nicht verbunden.

Quellen · 中文 / English

参考资料 References

核验日期 Checked: 2026-10-15.

作品与历史 Object and history

1. The Metropolitan Museum of Art. Nicolas Poussin, The Abduction of the Sabine Women, 46.160. Current object information and overview; Catalogue Entry by Mary Sprinson de Jesús, 2010, with provenance and bibliography. Primary source for the title, tentative date, medium, dimensions, foundation legend, cloak signal, Créquy and Richelieu provenance, and the discussion of compositional methods and sculptural/pictorial sources. 核对当前“probably 1633–34”、布面油画、154.6×209.9厘米;蜡人方法来自馆方概述,古今造型来源来自学术目录。正文没有把每一姿态说成出自某个已证实的蜡模型。

2. The Met Collection API. Object 437329. Structured object information, accession 46.160, primary image URL, and isPublicDomain=true. 用于基本元数据和官方开放图源核验。

3. Musée du Louvre. Nicolas Poussin, L’enlèvement des Sabines, INV 7290; MR 2335. The separate Louvre canvas is oil on canvas, 159 × 206 cm. Its display date is 1637–1638, while the detailed scholarly comment discusses the possibility that both treatments were made close together around 1634–1635. The present essay does not adjudicate this chronology or transfer the Louvre canvas’s restoration and material history to the Met painting. 卢浮宫页面题头与学术注释保留不同年代层次,本文不借此宣布两作确定的先后;纽约本作采用Met当前的约年。

版本辨识也对照了卢浮宫作品页的官方图像:卢浮宫版本左侧庙宇有显著三角山墙,右侧建筑沿纵深后退;纽约版本右侧较正面的三暗窗外墙与左侧高台形成本文讨论的布局。卢浮宫图像仅用于核对,未收入本包。

The official Louvre image was also checked: its prominent temple pediment at the left and receding architecture at the right distinguish it from the Met canvas’s broad, more frontal three-window wall and high left platform. The Louvre image was consulted for identification and is not included in the package.

The depicted episode belongs to Roman foundation legend. It should not be presented as an eyewitness reconstruction, consensual courtship, a wedding, or the later intervention of the Sabine women. The pictorial reading distinguishes seizure, flight, low-lying distress, and resistance; it does not infer that every male figure has the same role.

画中是建城传说里的掳夺,不能写成可靠现场纪实、自愿求偶、婚礼,或后来妇女介入停战的另一幕。图中的抓夺、逃避、受惊和抵挡分别阅读,不把所有男子赋予同一行动。

理论出处 Theoretical sources

4. Qin, Han (秦汉). SAE Judgment and Aesthetics — In Tribute to Kant, second edition, 2026. DOI 10.5281/zenodo.19296710. Source for the framework’s distinction between personal response and a fallible aesthetic claim, and for its treatment of aesthetic rays as directions of judgment.

5. Qin, Han (秦汉). The Beauty of Philosophy / 哲学之美, 2026. DOI 10.5281/zenodo.22985905. In particular §§2–5 and 7: a distinction must open a question and remain examinable itself; classification, a question with its answer already built in, and a local distinction elevated into an unconditional judgment do not suffice. 原论文已读。本文借此提出“看清形式组织”与“赞同行为”的区分练习,随后指出两者在具体画面中仍会互相作用;没有宣称本作满足该射线全部条件。

The SAE papers are the philosophical work of Han Qin and carry CC BY 4.0. Their use here is a limited, explicitly contemporary application. It is not a reconstruction of Poussin’s thinking or a statement of established art-historical consensus.

SAE原论文署名秦汉,许可CC BY 4.0。本篇只作有限的当代应用,不把它写成普桑思想或艺术史既定共识。

图像与许可 Image and rights

6. The Metropolitan Museum of Art. Official original image DP-29324-001.jpg, 4000 × 2973 pixels. This is the sole source of the package’s full image and three details.

7. The Met. Open Access; CC0 1.0. The object page marks the image Public Domain, and the API confirms public-domain status. Museum research prose does not automatically inherit the image’s CC0 status.

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Bildnachweise und Nutzung · 中文 / English

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图像登记 Image credits

Nicolas Poussin, The Abduction of the Sabine Women, probably 1633–34. Oil on canvas, 154.6 × 209.9 cm.

The Metropolitan Museum of Art, New York. Harris Brisbane Dick Fund, 1946. Accession 46.160.

Object record · Collection API · Official full-size image · Met Open Access · CC0

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The original JPEG contains a 3136-byte ICC profile described as sRGB.icc. All three PNGs preserve the identical profile. Each detail’s pixels match the corresponding decoded pixels from the source JPEG exactly. No resizing, interpolation, colour conversion, adjustment, sharpening, denoising, restoration, or generated content has been applied.

全图外黑边与画布窄边属于摄影记录,予以完整保留。局部用于检查相邻人物与空间关系,未把妇女仅裁成孤立身体片段。右侧局部保留黄甲男子举剑的整段、灰须男子的抵挡动作和蓝衣女子抓布的手;局部上边缘截到背景人物,完整关系仍可参看图1。

The black surround and narrow canvas edge belong to the photographic record and remain in the full file. The crops preserve neighbouring figures and spatial relationships rather than isolating fragments of the women’s bodies. The right-hand crop retains the swordsman’s raised weapon, the bearded man’s opposing arm, and the woman’s grip on the cloth. Its upper boundary cuts through background figures; Figure 1 supplies the complete scene.

八语图注与替代文字随各篇正文提供,并集中登记于captions_alt.json。局部如单独使用,应注明原作局部并保留来源。图像CC0许可不等同于馆方文章或本包文字的许可。

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