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Non Dubito

Das Zhuangzi neu aufschlagen · 20 · Der Auftrag des Herrn von She

Morgens der Auftrag, abends schon Eiswasser

Die Sache hat noch nicht begonnen. Der Körper bezahlt bereits dafür. Was lässt sich heute wirklich klären?

Han Qin ·

Der Auftrag hat noch nicht begonnen, das Eiswasser steht schon da

Manche Aufgaben erreichen zuerst nicht den Kalender, sondern den Körper. Die E-Mail ist noch unbeantwortet, die Schultern sind schon angespannt. Die Sitzung findet nächste Woche statt, heute Nacht ist sie im Kopf bereits mehrmals gelaufen. In der Menschenwelt erzählt von der Gesandtschaft des Herrn von She, Zigao, nach Qi und bewahrt ein konkretes Detail:

Heute Morgen erhielt ich den Auftrag, und am Abend trinke ich Eiswasser. Bin ich innerlich bereits erhitzt? Noch habe ich die wirkliche Lage der Sache nicht erreicht und leide schon an einer Störung von Yin und Yang. Gelingt die Sache nicht, werden gewiss Schwierigkeiten von menschlicher Seite kommen.

Morgens beauftragt, abends Eiswasser: Ist in mir schon Hitze entstanden? Noch kennt er die wirklichen Umstände der Sache nicht und sorgt sich bereits um sein körperliches Gleichgewicht. Misslingt sie, droht zudem Unheil unter Menschen. So spricht die Figur mit der körperlichen Sprache ihrer Zeit über ihre Lage. Daraus lässt sich nach mehr als zweitausend Jahren keine moderne Diagnose stellen. Verständlich bleibt trotzdem: Bevor die Aufgabe beginnt, zahlt er schon ihren Preis.

Seine Angst kommt nicht von ungefähr

Der Herr von She heißt Zhuliang. Dem Konfuzius der Erzählung berichtet er von der schweren Mission des Herrschers. Qi werde den Gesandten vermutlich sehr ehrerbietig empfangen, ohne die Sache eilig zu betreiben. Schon gewöhnliche Menschen seien schwer zu bewegen, wie viel mehr Fürsten. In dieser Aussage bleibt eine Erwartung hörbar. Qi hat ihn nicht schon persönlich hingehalten, und wir lesen keinen diplomatischen Nachweis, dass es dort immer so zuging. Vor ihm liegt eine noch nicht eingetretene, aber mit Grund befürchtete Lage. Er erinnert zudem an frühere Worte des Konfuzius: Scheitern könne menschliches Unheil bringen, Erfolg durch die seelische Anstrengung das Gleichgewicht kosten. Er fragt, wie er nicht von beiden Seiten verletzt wird.

‚Beide Wege führen ins Schlechte‘ beschreibt daher zunächst seinen Druck, nicht einen dem Leser vorab gegebenen Ausgang. Erfolg macht nicht logisch notwendig krank; ebenso wird Scheitern nicht in allen Zeiten vom Fürsten bestraft. In dieser Geschichte hat Macht aber tatsächlich das Gewicht möglicher Strafe. Seine Angst darf nicht leichthin zu bloßer Übertreibung erklärt werden. Er erwähnt außerdem seine sonst einfache Ernährung. Die Worte darüber, dass in seiner Küche niemand Kühle begehre, schließen daran an: Seine Küche muss nicht lange für aufwendige Speisen arbeiten; selbst der Koch braucht keine Abkühlung von großer Hitze. Er lebt also gewöhnlich nicht von aufwendiger Versorgung. Ausgerechnet heute hält er schon Eiswasser in der Hand.

Zuerst sehen, wo die Wand steht

Konfuzius antwortet nicht sofort mit Verhandlungstechniken, sondern zuerst mit ming und yi, Schicksalsbindung und Verpflichtung:

Unter dem Himmel gibt es zwei große Bindungen: die eine heißt ming, die andere yi. Dass ein Kind seine Eltern liebt, ist ming; aus dem Herzen lässt es sich nicht lösen. Dass ein Diener seinem Fürsten dient, ist yi; wohin er auch geht, ist ein Fürst. Zwischen Himmel und Erde gibt es kein Entkommen. Das nennt man die großen Bindungen.

Diese Worte beschreiben eine schwere Welt. Eltern-Kind- und Herrscher-Diener-Beziehungen gelten als große Grenzen, die man nicht beliebig ablegen kann. Besonders das fehlende Entkommen zwischen Himmel und Erde ist kein milder, nur auf diese Dienstreise begrenzter Rat. Es drückt eine starke Bindung der antiken Herrscherordnung aus, an die später noch die Treue anschließt, die sich in Aufgaben fügt, ohne sie auszuwählen. Das müssen wir nicht in heutige Arbeitsethik umpflanzen. Vorgesetzte sind keine Fürsten. Eine Stelle anzunehmen hebt die Berechtigung zum Nein, zur Hilfe und zum Gehen nicht auf. Ein alter Text ist nicht nur dann lesenswert, wenn wir jede seiner Beziehungsvoraussetzungen übernehmen sollen.

Hier möchte ich eine engere Frage herausnehmen: Wenn ein Teil der Wirklichkeit gegenwärtig tatsächlich nicht veränderbar ist, wie verbraucht man nicht auch noch die gesamte übrige Kraft damit, immer wieder dagegen anzukämpfen? Die Wand zu erkennen ist etwas völlig anderes, als vorab jede Tür für nicht existent zu erklären.

Was unbeweglich ist, muss einzeln geprüft werden

Konfuzius fährt fort:

Wer sich um sein eigenes Herz kümmert, lässt es angesichts dessen, was ihm begegnet, nicht leicht durch Trauer und Freude erschüttern. Er erkennt, was nicht zu ändern ist, und ruht darin wie in einer Schicksalsbindung. Das ist die höchste Tugend.

Im Erkennen des Unabänderlichen steckt ein Erkennen. Es fordert nicht nur Annahme, sondern lässt fragen: Wie hast du festgestellt, dass gerade dieser Teil unbeweglich ist? Manches ist wirklich schon geschehen. Gesagte Worte können nicht ungesagt werden, ein versäumter Tag kommt nicht zurück. Entschuldigung, Erklärung und eine veränderte nächste Handlung können trotzdem noch möglich sein. Einen nicht rückgängig zu machenden Teil anzuerkennen nimmt nicht der ganzen Sache ihren Handlungsspielraum.

Bei der Arbeit sind die Dinge häufig vermischt. Das Ziel lässt sich vielleicht vorerst nicht ändern, der Umfang aber klären. Die Frist wirkt fest, Prioritäten können womöglich neu besprochen werden. Allein kannst du nicht ablehnen; deshalb muss ein gemeinsames Nachfragen mit Kollegen nicht unmöglich sein. Manche Anordnung ist tatsächlich ungerecht, und das Gehen kostet tatsächlich etwas. Wegen der Kosten vorerst zu bleiben erklärt die Ungerechtigkeit nicht für richtig. Heute Selbstschutz zu suchen und morgen andere Bedingungen, ist kein Widerspruch. ‚Wie eine Schicksalsbindung‘ kann hier vor einer bestimmten vergeblichen Kollision warnen. Niemand sollte sich darauf berufen, um noch veränderbare Institutionen vorschnell zum Himmelsgeschick zu erklären.

Vorbereitung und wiederholte innere Bestrafung sind nicht dasselbe

Das Eiswasser erinnert an viele Nächte. Das Material ist bereits gelesen; trotzdem spielst du die schlimmste Nachfrage noch einmal durch. Die Antwort steht; du ergänzt die vielleicht noch hässlichere Äußerung des anderen. Schließlich fühlt der Körper sich wie nach einem langen Streit an, während die Arbeit auf dem Tisch nicht weiter ist. Daraus folgt nicht, Proben seien nutzlos. Fragen vorbereiten, mit jemandem eine Situation durchspielen, Risiken aufschreiben kann das Handeln erleichtern. Entscheidend ist nicht, ob man vorausdenkt, sondern ob dieser Durchgang neues Material, einen nächsten machbaren Schritt oder eine nötige Entscheidung bringt.

Manchmal holt die Notiz ‚Morgen früh den Lieferumfang klären‘ die Frage aus der nächtlichen Schleife. Manchmal hilft ein anderer Mensch, wirkliche Risiken von noch nie aufgeschriebenen Ängsten zu unterscheiden. Nicht aufhören zu können ist kein moralisches Versagen. Philosophie sollte hier keine Schuld hinzufügen: Du leidest schon und sollst dich nun auch noch für fehlende Gelassenheit tadeln. Wirkliche Bedrohung kann anspannen. Anspannung ist kein Fehler, dessen Beseitigung eine Einsicht garantiert. Vielleicht lässt sich nur erreichen, heute Nacht etwas weniger unnötig zu bezahlen.

Die zweite Hälfte wird sehr konkret

Nehmen wir nur das Ruhen im Unveränderlichen heraus, lesen wir leicht: Augen schließen und aushalten. Konfuzius spricht danach aber ausführlich über angemessenes Handeln. Worte zwischen zwei freudigen oder zwei zornigen Seiten zu übermitteln ist schwer. Freude führt zu übersteigertem Lob, Zorn zu übersteigerter Verurteilung. Übertreibung entfernt die Worte von den Tatsachen, und zuletzt trägt der Überbringer den Schaden. Deshalb sagt er:

Übermittle, was sie wirklich meinen, nicht ihre überschießenden Worte. Dann bleibst du beinahe unversehrt.

Den wirklichen Sinn weitergeben, Übertreibung und Aufladung nicht weiter vermehren: Das glättet nicht die Anliegen des anderen und verdeckt keine schlechte Nachricht. Es verhindert gerade, dass wir eigene Zusätze als Tatsachen ausgeben, um wichtig oder treu zu wirken. Danach heißt es noch, den Auftrag nicht eigenmächtig zu verschieben und den Erfolg nicht zu erzwingen. Die Aufgabe ist schon schwer genug. Trägt der Bote zusätzlich ‚Ich muss meine Tüchtigkeit beweisen‘ hinein, erhöht er sein eigenes und das fremde Risiko.

Heute genügt in einer vermittelnden E-Mail manchmal eine genaue Aufstellung: Wer verlangt was? Was ist bestätigt, was ungewiss? Ohne den einen Satz ‚Sie wollen überhaupt nicht mitarbeiten‘ ist die Sache vielleicht nicht sofort gelöst. Aber womöglich entfällt ein Kampf, der gar nicht nötig gewesen wäre.

Nicht für die Zufriedenheit aller zuständig

Der Herr von She kann weder die Zustimmung des Fürsten von Qi kontrollieren noch selbst die Erwartungen seines Herrschers aufheben. Dennoch zählen die Treue seiner Übermittlung, das Unterlassen eigenmächtiger Steigerungen und die Grenze zwischen Drängen und Provokation. Daraus folgt keine sichere Rettung durch gutes Erledigen des eigenen Teils. Die Geschichte berichtet nicht von erfolgreicher Mission und anschließend unversehrtem Leben. Auch Konfuzius bietet keine Versicherung für jede Umgebung. Gefährliche Macht kann vorsichtige Menschen weiterhin verletzen.

Gerade deshalb darf die heutige Lektüre nicht nur Forderungen an den Beauftragten stellen. Auch die Auftraggebenden müssen antworten: Sind die Mittel ausreichend, die Verantwortlichkeiten klar, wird ein Misserfolg fair behandelt? Dass jemand sein Herz besser versorgen kann, entlastet kein unangemessenes Arrangement. Du musst nicht die gesamte Verantwortung der anderen übernehmen und noch weniger dich aufbrauchen, um deinen Ernst zu beweisen. Zwischen ehrlicher Arbeit und dem Anspruch, das gesamte Ergebnis sicherzustellen, verläuft eine oft verwischte Linie.

Diese Nacht darf wieder diese Nacht sein

Vom Nähren des Lebens nach In der Menschenwelt führt unser Weg nicht plötzlich aus Freiheit in eine Welt ohne Freiheit. Ding hatte ebenfalls Bedingungen, der Fasan musste ebenfalls Nahrung suchen. Schwerer wird hier die Machtbindung und die Last der Folgen, die ein Mensch schon vor dem Handeln trägt. Fragen wir vorläufig nicht nach unserer ausreichenden Weitherzigkeit. Trennen wir lieber die Sache auf dem Tisch: Was ist schon geschehen, was nur erwartet, was zu klären und was gemeinsam zu tragen? Ist heute Nacht wirklich ein Teil unbeweglich, müssen wir ihn innerlich nicht noch zwanzigmal heben. Steht eine erprobbare Tür offen, schließen wir sie auch nicht eilig, um abgeklärt zu wirken.

Die morgigen Worte werden morgen gewissenhaft übermittelt. Heute Nacht darf dieses Glas Wasser einfach Wasser sein.

Text und Lesart

Diese vollständige deutsche Leserfassung ist auf Grundlage des chinesischen Essays eigenständig geschrieben. Die vorhandene englische Fassung wurde unabhängig verfasst; die vereinfachte und die traditionelle chinesische Fassung enthalten den vollständigen Essay. Klassische Zitate werden hier auf Deutsch wiedergegeben, nicht als vollständige Übersetzung des Zhuangzi. Heutige Arbeitsbeispiele sind Lesarten des Autors, keine zusätzlichen Ereignisse der Überlieferung. Weder wird eine moderne Diagnose für die Figur gestellt noch das antike Verhältnis zwischen Fürst und Diener als heutige Arbeitsethik übernommen. Die theoretischen Begleitbände sind über die vorhandene englisch-chinesische Forschungsübersicht erreichbar.

Hinweise zur Lektüre

Text und Lesart: In der Menschenwelt · Ren jian shi.

Die chinesische Seite bewahrt das klassische Zitat; die englische Erzählung wurde für diese Ausgabe neu geschrieben. Zeitgenössische Vergleiche und weiterführende Überlegungen sind Lesarten des Autors, keine zusätzlichen Vorgänge, die das Original berichtet.