Der Gruß
Nach dem Zugraub taucht Drew Sharp auf dem Fahrrad auf und winkt. Todd hebt ruhig die Hand und schießt. Wut oder Panik fehlen; nur die Aufgabe wird fortgesetzt: den Zeugen entfernen. Die Szene erschreckt, weil vor dem Mord eine minimale Beziehung entstand. Das Kind war weder Feind noch unmittelbare Bedrohung, sondern jemand, mit dem ein Gruß ausgetauscht wurde. Für viele Menschen unterbricht das plötzliche Erscheinen eines Gegenübers die Rechnung. Bei Todd verändert das Sichtbarwerden eines Menschen das Gewicht der Entscheidung nicht. Sein Gesicht bleibt freundlich, weil der Plan auf keine Tatsache getroffen ist, die er als Grund zum Anhalten gelten lässt.
Ein vorbildlicher Mitarbeiter
Todd ist pünktlich, merkt sich Anweisungen, fragt nach, lernt aus Fehlern und beansprucht keinen Ruhm. Bei der Schädlingsbekämpfung entdeckt er eine versteckte Kamera und schützt das Team. Er besitzt fast jede Oberflächentugend, mit der ein Betrieb gute Kollegen erkennt. Ihn nur Monster zu nennen, schwächt daher die Beobachtung der Serie. Ein sichtbares Monster würde warnen. Todd zeigt, dass Nützlichkeit und angenehme Umgangsformen kein ausreichender Vertrauensgrund sind. Wenn eine Bewertung nur fragt, wie effizient eine Aufgabe erledigt wird, und nie, was den Handelnden vor einem Menschen stoppen könnte, passiert Grausamkeit das Kompetenzraster ohne Schwierigkeit.
Gefühle ohne Anerkennung
Todd ist nicht gefühllos. Er begehrt Lydia, bewundert Walter, gehört zur Gruppe seines Onkels und bringt Jesse Eis. Mit dem angeketteten Gefangenen kann er freundlich reden. Die Leerstelle liegt woanders: Der fremde Wille wirkt in seinen Gefühlen nie als eigenständige Grenze. Lydia ist idealisiertes Objekt, Walter Lehrer, Jesse Vermögenswert und verfügbare Gesellschaft. Zuneigung und Besitz geraten nicht in Konflikt. Vor Andreas Ermordung entschuldigt er sich, doch das Verständnis ihrer Angst wird kein Grund zum Anhalten. Er kann wahrnehmen, was ein anderer empfindet, ohne anzuerkennen, dass dieses Empfinden ein Vetorecht gegenüber seinem Ziel besitzt.
Blau ohne Reinheit
Nach Walters Verschwinden versucht Todd, das blaue Meth zu reproduzieren. Die Reinheit sinkt, aber die Farbe lässt den Markt Heisenbergs Produkt erwarten. Dieses falsche Blau ähnelt seiner sozialen Oberfläche: Zeichen von Höflichkeit, Loyalität und Arbeit sind da, der relationale Inhalt, den sie versprechen, fehlt. Chemische Reinheit sollte nicht direkt zur Moralmetapher werden; dennoch spielt die Serie mit unserem Vertrauen in Kennzahlen. Todd befolgt Befehle gut und zeigt Gefühle. Eben deshalb legt er die Schwäche eines Charakterurteils offen, das auf Funktion und Sympathie beruht. Beruhigende Zeichen können intakt sein, obwohl das, was sie anzeigen sollten, nicht existiert.
Die Kette
Todd sperrt Jesse ein, führt ihn angekettet ins Labor und tötet Andrea nach einem Fluchtversuch. Brocks Foto über dem Tisch verbindet Jesses Zuneigung mit der Produktionsmaschine. Todd hält sich trotzdem nicht für einen grausamen Herrn. Er belohnt gute Arbeit und behandelt das menschliche Werkzeug höflich. Einen Menschen zur Funktion zu reduzieren und die Funktion sorgfältig zu pflegen ist vereinbar. Im Finale legt Jesse die eigene Kette um Todds Hals. Der Tod repariert die Opfer nicht und macht Jesse nicht unschuldig. Er kehrt nur ein Verhältnis um, das Todd nie verstand: Der Körper, den er wie ein Instrument verwaltete, ändert selbst die Richtung der Kette.