Verfall ist kein Sturz, sondern Zinseszins
Der erste Fehler ist eine Fehlrechnung
Platons gerechte Stadt verfällt über Timokratie, Oligarchie und Demokratie zur Tyrannis. Der erste Bruch ist keine Korruption: Gut ausgebildete Herrscher verfehlen die Zahl günstiger Zeugung. Kleine Unterschiede bleiben unbemerkt, musische Bildung verliert Gewicht, Gold und Silber schließen einen Kompromiss mit Bronze und Eisen. Land und Häuser werden privat; freie Bürger werden Dienende.
Auch später wirken Mechanismen: Ehre weicht Reichtum, eine Vermögensgrenze teilt die Stadt, Krieg enthüllt die Schwäche der Reichen, vielfältige Demokratie entsteht, grenzenlose Freiheit bringt den Volksführer hervor, der Tyrann wird.
Voraussetzungen verzinsen sich
Weil Platon jeder Verfassung einen Charaktertyp zuordnet, erscheint die Folge leicht als moralische Verschlechterung. SAE liest genauer auf die Übertragung. Eine lokal begründete, aber nicht erneut geprüfte Entscheidung wird zum selbstverständlichen Boden der nächsten Ordnung. Diese setzt ihre Entscheidungen darauf und übergibt beides weiter.
Nicht vier unabhängige Verfehlungen häufen sich, sondern vier Verringerungen dessen, was noch fragbar bleibt. Wie Gegenstände auf einem Fußboden: Der erste wird aus einem Grund abgestellt, der zweite leichter, später ist nicht mehr sichtbar, was Boden und was Ablagerung ist.
Wer hält das Gericht offen?
Für Platon steht Demokratie kurz vor Tyrannis. Für SAE ist sie zugleich die einzige Form der Reihe, die Rede, Teilnahme, Wechsel und öffentliche Kritik einbaut. Krankheit und Medizin liegen am selben Ort. Wird Prüfung zur Show, bleibt der bunte Markt und verliert seine Korrekturkraft.
SAE wünscht ein Gericht ohne endgültige Vertagung. Platon fragt, wer es einberuft, wenn Institutionen gerade dann Prüfung verweigern, wenn sie nötig ist. „Die Bürger müssen weiterfragen“ ist ohne Schutz und Folgen noch keine Institution. Niemand beginnt mit dem Wunsch nach Tyrannis; lokale Gründe führen schrittweise dorthin.