074 / 108 · Arbeit, die ein Leben überdauert
Roosevelt: Architektur
Vor der Bank, neben dem Rollstuhl, hinter dem Lagerzaun: Institutionen lassen Menschen durch und halten sie auf. Roosevelt hinterließ Rampen – und Eingänge, die weiter geprüft werden müssen.
I. Dieser Satz
4. März 1933. Washington. Die Amtseinführung.
Geschlossene Banktüren. Stillstehende Maschinen. Menschen, die Arbeit suchen und weitersuchen. Nach der später häufig verwendeten Jahresschätzung war in diesem Jahr ungefähr ein Viertel der amerikanischen Erwerbsbevölkerung arbeitslos. Zu Hause wurde aus der Zahl die fällige Miete, die nächste Mahlzeit, ein Sparbuch, aus dem sich kein Geld mehr abheben ließ.
Franklin Delano Roosevelt sagte: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“
Der Satz begann später ein eigenes Leben außerhalb der Rede. Doch in derselben Rede sprach Roosevelt von Steuern, Einkommen, Ersparnissen und Arbeitslosigkeit. Er benannte die Härte der materiellen Wirklichkeit. Seine Zuhörer mussten Hunger nicht für ein psychologisches Problem halten, um ihm weiter zuhören zu können.
Er sprach eine Furcht an, die den nächsten Schritt verhindern konnte. Das ist etwas anderes, als einem Menschen ohne Arbeit zu erklären, sein eigentlicher Fehler liege darin, Angst zu haben.
Sieben Jahre später würde Churchill Strände, Straßen und Hügel in seine Sätze holen. Hier waren es Banken, Farmen und Fabriken. Beide brachten eine gewaltige Krise in die Nähe von Orten, an denen ein Zuhörer täglich vorbeikam. Keiner von beiden konnte mit Worten die dort wartende Arbeit erledigen.
Die Zeremonie würde zu Ende gehen. Jemand würde wieder vor der geschlossenen Banktür stehen.
Ein Satz konnte bleiben. Damit die Tür aufging, musste noch etwas anderes geschehen.
II. Die unsichtbare Hand
Adam Smith. 1776. Der Wohlstand der Nationen. Die unsichtbare Hand.
Wenige Wörter können zu einer bequemen Zusammenfassung werden: Jeder kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten, der Markt ordnet alles, die Regierung braucht nicht einzugreifen.
Smiths Buch war dicker. Im vierten Buch steht die unsichtbare Hand in einer Erörterung darüber, warum Kapitalgeber Anlagen im eigenen Land bevorzugen und welche nicht beabsichtigten Folgen das für die Allgemeinheit haben kann. Im fünften Buch weist Smith dem Staat bestimmte öffentliche Bauwerke und Einrichtungen zu und behandelt Bildung. Eine Hand hält nicht das ganze Buch.
Doch vor einer zusammengebrochenen Bank brauchte der Einleger mehr als eine Erklärung. Hatte die Fabrik keine Aufträge, konnte ein Arbeiter sie nicht durch noch größeren Fleiß herbeischaffen. Wer sich anstrengte, so hatte man geglaubt, würde einen Weg finden. Nun waren die Wege auf einmal versperrt.
Der New Deal schrieb einige Antworten in Gesetze und Behörden. Das war kein Haus, das Roosevelt allein am Schreibtisch entworfen hätte und das am nächsten Morgen vollständig stand.
Das Bankengesetz von 1933 schuf eine staatliche Einlagensicherung auf Bundesebene. Anfang 1934 nahm sie ihre Tätigkeit mit einer anfänglichen Obergrenze von 2.500 Dollar auf. Es gab teilnehmende Banken, Grenzen und Bedingungen, kein Versprechen, jeder Anlageverlust werde verschwinden. Roosevelt hatte die Einlagensicherung zunächst abgelehnt. Vorschläge und Verhandlungen im Kongress hielten sie dennoch in dem Gesetz, das er schließlich unterzeichnete. Die 1934 gegründete Securities and Exchange Commission befasste sich mit Marktaufsicht und Offenlegungspflichten. Sie versprach nicht jedem Aktienkäufer einen Gewinn.
Der Social Security Act von 1935 regelte Altersversicherung, Fürsorge und die Unterstützung einzelstaatlicher Arbeitslosenversicherung in unterschiedlichen Teilen. Arbeitsministerin Frances Perkins hatte dem Ausschuss für wirtschaftliche Sicherheit vorgesessen. Zwischen Entwurf und Gesetz standen Untersuchungen, Anhörungen und Änderungen im Kongress. Die ursprüngliche bundesstaatliche Altersversicherung erfasste nicht alle Beschäftigten. Landwirtschaftliche Arbeit und häusliche Dienste in Privathaushalten gehörten zu den Ausnahmen.
Es gab auch Baustellen. Die als PWA bekannte, 1933 entstandene Organisation für öffentliche Bauvorhaben arbeitete vor allem über die Finanzierung und Abwicklung von Bauprojekten. Bei der 1935 gegründeten WPA stand die Bereitstellung von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt. Die Buchstaben gehörten nicht auf dasselbe Schild. Ein Vorhaben zu finanzieren und unmittelbar Beschäftigung bereitzustellen waren verschiedene Vorgänge. Hinter Straßen und Brücken standen örtliche Verwaltungen, Ingenieure, Bauunternehmen und Arbeiter.
„Architektur“ bekam Einzelheiten auf dem Papier. Wer zahlte Beiträge? Wer durfte einen Antrag stellen? Wer zahlte aus? Wer stand unter den Ausnahmen einer Begriffsbestimmung? Eine Zahlung konnte für ihren Empfänger verändern, wie sich die nächsten Tage leben ließen. Für jemanden, dessen Antrag nicht zugelassen wurde, war das Hindernis mehr als ein juristischer Ausdruck.
Diese Einrichtungen veränderten die Beteiligung der Bundesregierung am Wirtschaftsleben. Wie sie jeweils wirkten, was sie kosteten und wen sie nicht erreichten, blieben gesonderte Fragen. Eine Unterschrift konnte nicht für jede Stufe antworten.
Die Gestalt eines Hauses liegt nicht nur im Dach. Sie liegt auch im Eingang.
III. Der Mensch
Franklin Delano Roosevelt wurde am 30. Januar 1882 in Hyde Park im Staat New York geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, studierte in Harvard und anschließend an der juristischen Fakultät der Columbia University, die er ohne juristischen Abschluss verließ.
1921, mit neununddreißig Jahren, diagnostizierten seine Ärzte Kinderlähmung. Die Lähmung seiner Beine veränderte die Einrichtung seines Alltags.
Schienen, ein Stock, der Arm eines anderen Menschen, ein Rollstuhl. Jedes Hilfsmittel leistete etwas anderes. Mit Schienen und Unterstützung konnte er stehen; er übte, sich auf einen Stock und einen Arm gestützt fortzubewegen. Im Wasser nahm der Auftrieb ihm einen Teil des Körpergewichts ab. Außerhalb des Wassers gab es wieder Stufen.
Ein Mensch war nicht plötzlich nur noch das geworden, was er nicht konnte. Entfernungen, die er früher kaum bemerkt hatte, mussten nun anders bewältigt werden.
1928 wurde er zum Gouverneur von New York gewählt. Er gewann die Präsidentschaftswahlen von 1932, 1936, 1940 und 1944. Früh in der vierten Amtszeit starb er. Vier Wahlen waren nicht vier vollendete Amtszeiten. Den 22. Verfassungszusatz, der die Wahl zum Präsidenten begrenzt, schlug der Kongress 1947 vor; 1951 wurde er ratifiziert. Das war ein späteres Verfassungsverfahren, keine Regel, die Roosevelt allein für sich umgeschrieben hatte.
Spätere Erzählungen können aus dem Rollstuhl einen Universalschlüssel machen. Er litt, also verstand er jeden Leidenden. Er konnte nicht gehen, also erfand er für alle eine Rampe.
Aber eine körperliche Erfahrung überliefert uns nicht den vollständigen Ursprung einer Politik. Sie garantiert auch nicht, dass jemand gegenüber der Not eines anderen immer nach demselben Maßstab urteilt.
Etwas Kleineres lässt sich deutlicher sehen. Kommt dieser Stuhl um die Ecke im Flur? Ist die Tür breit genug? Kann er nah genug an den Schreibtisch heranfahren? Keine dieser Bedingungen muss darauf warten, dass sein Benutzer beweist, einmal Präsident zu werden.
Der Mensch vor der Tür ist bereits angekommen. Vielleicht fehlt nur dieses kurze Stück Weg unter seinen Rädern.
Eine Rampe.
IV. Executive Order 9066
Am 19. Februar 1942 unterzeichnete Roosevelt die Executive Order 9066.
Sie ermächtigte zur Festlegung militärischer Gebiete, aus denen einzelne Personengruppen oder sämtliche Menschen ausgeschlossen werden konnten. Menschen japanischer Herkunft wurden im Wortlaut nicht genannt. Nachfolgende militärische Ausschlussbefehle, Maßnahmen zur Zwangsumsiedlung, vom Kongress beschlossene Strafbestimmungen und die Verwaltung durch die War Relocation Authority machten aus der Ermächtigung die Verpflichtung, das eigene Zuhause zu verlassen.
Ungefähr 120.000 Menschen japanischer Herkunft wurden zwangsweise umgesiedelt und in Lagern festgehalten. Etwa zwei Drittel werden gewöhnlich als amerikanische Staatsbürger angegeben. Ihre Abstammung ordnete sie diesem Verfahren zu; dafür musste nicht zuvor nachgewiesen sein, dass jeder Einzelne ein Verbrechen begangen hatte.
Häuser und Geschäfte mussten geregelt, verkauft oder zurückgelassen werden. Das zulässige Gepäck war begrenzt. Manche kamen in die Wüsten des Westens, andere in Lager in Arkansas. Hinter der amtlichen Bezeichnung „Umsiedlungszentrum“ standen Zäune, Wachen und ein Alltag, dessen Angelegenheiten man nicht mehr einfach zu Hause erledigen konnte. Nicht jedes Lager lag in der Wüste. Der verlorene Zugang zur eigenen Haustür war bereits konkret genug.
Am 18. Dezember 1944 bestätigte der Oberste Gerichtshof in Korematsu v. United States eine Verurteilung wegen Missachtung eines militärischen Ausschlussbefehls. Die Mehrheit unterschied den Ausschluss aus einem bestimmten Gebiet von der Rechtmäßigkeit der anschließenden Haft. Das Urteil war keine pauschale Erlaubnis für jede Maßnahme in jedem Lager. Abweichende Richter, darunter Frank Murphy, wandten sich gegen Annahmen, die auf Abstammung statt auf einer Prüfung des Einzelnen beruhten.
Am selben Tag entschied das Gericht in Ex parte Endo, die War Relocation Authority sei nicht befugt, eine Bürgerin weiter festzuhalten, deren Loyalität die Regierung einräume. Es begründete dies mit den Grenzen der gesetzlichen und exekutiven Ermächtigung, ohne sämtliche Verfassungsfragen dieser Politik zu entscheiden.
Zwei Urteile an einem Tag, zu verschiedenen Fragen. Für jemanden, der im Lager wartete, konnten diese Unterschiede beeinflussen, wann eine Abreise möglich wurde. Eine Zeile Recht musste noch bis zum Tor gelangen.
Zurück zu den Dokumenten. Ein Befehl kam nicht von selbst an jemandes Haustür. Die Ermächtigung des Präsidenten, militärische Befehle, vom Kongress beschlossene Strafen, vor Gericht angenommene oder verworfene Begründungen: Ein Verfahren griff ins nächste, bis ein Mensch packen musste. Hinter jeder Station blieben Menschen, die sich dafür befragen ließen.
Ein Verfahren entzieht sich nicht der Prüfung, nur weil es eingehalten wurde. Wer den ganzen Vorgang einer einzigen Hand zuschreibt, verliert die anderen Stufen aus dem Blick. Wer alle Stufen aufzählt, entfernt dadurch keine Unterschrift und keinen Befehl aus den Akten.
Der Civil Liberties Act von 1988 entschuldigte sich im Namen der amerikanischen Regierung und sah Zahlungen von 20.000 Dollar an anspruchsberechtigte Personen vor. Ob jemand noch lebte, welchen Status er hatte und welchen Maßnahmen er ausgesetzt gewesen war, gehörte zu den Voraussetzungen. Es war keine gleiche Zahlung an jeden Nachkommen oder jeden Menschen, der einen Verlust erlitten hatte. Der Kongress erkannte in dem Gesetz ein grundlegendes Unrecht an Bürgern und dauerhaft Aufenthaltsberechtigten an.
Ein Scheck Jahrzehnte später war nicht dasselbe wie die Tage des erzwungenen Aufbruchs.
Ein Mensch konnte unter einen Schutz fallen und durch eine andere Regelung aus seinem Haus gewiesen werden. Beide Akten müssen zugänglich bleiben. Die erste deckt die zweite nicht zu. Die zweite beweist nicht, dass die erste niemals ein Leben verändert hätte.
V. Roosevelt und Churchill
Churchill bringt in dieser Reihe eine Stimme mit. Roosevelt eine Architektur.
Geht man näher heran, hört man allerdings auch im Haus eine Stimme. Hinter der Stimme werden Balken und Säulen sichtbar, die sie tragen.
Am 12. März 1933 erklärte Roosevelt seinen Radiohörern das Bankwesen. Eingezahltes Geld blieb nicht vollständig im Tresor. Warum hatten die Banken vorübergehend geschlossen? Warum sollten sie in Etappen wieder öffnen? Er sprach von Prüfungen durch das Finanzministerium, von Bargeldlieferungen und von dem gerade beschlossenen Gesetz. Auch hier war eine Stimme, die ihre Zuhörer durch bereits laufende Vorgänge führte.
Hinter Churchills Stimme standen ein Kabinett, Flotten, Ministerien und viele Menschen, die Entscheidungen umsetzten. Sprache und Institutionen waren kein exklusiver Besitz, der den jeweils anderen davon ausgeschlossen hätte.
Beide wirkten an der Zusammenarbeit im Krieg mit. Beide hinterließen Reden, Besprechungen, Dokumente und Entscheidungen, die der Erklärung bedürfen. Flagge und Rollstuhl können nebeneinanderstehen. Imperiale Politik und Executive Order 9066 müssen dennoch anhand ihrer jeweiligen Unterlagen untersucht werden. „Jeder hatte auch eine andere Seite“ erledigt die Unterschiede nicht.
Roosevelt gewann 1944 zum vierten Mal eine Wahl. Im Juli 1945 wurde Attlee nach der britischen Wahl Premierminister; Churchill blieb Abgeordneter für Woodford. Ein Regierungswechsel im einen Land und die frühere Wiederwahl des Präsidenten im anderen offenbaren nicht schon die Gedanken sämtlicher Wähler.
Ebenso wenig zeigen sie, dass die Brücke des einen Landes fertig und die des anderen noch unfertig gewesen sei. Als Großbritannien wählte, dauerte der Krieg gegen Japan an. Wohnungen und Arbeitsplätze für die Friedenszeit würden sich am Tag der Ergebnisverkündung nicht selbst organisieren.
Ein Amtswechsel bedeutet nicht, ein Mensch sei aufgebraucht. Ein Verbleib im Amt macht ihn nicht zum unersetzlichen Bauteil. Im Büro kann jemand anderes Platz nehmen. Draußen gehen die Leben weiter.
Roosevelt erreichte das Ende seiner Amtszeit nicht.
Als sein Leben aufhörte, lag die Arbeit weiterhin auf vielen Schreibtischen.
VI. Der 12. April 1945
Warm Springs, Georgia. Das Little White House.
Elizabeth Shoumatoff malte Roosevelts Porträt. An diesem Tag wurde er plötzlich schwer krank und verlor das Bewusstsein.
Um 15.35 Uhr starb er, dreiundsechzig Jahre alt. Als Todesursache wurde eine Hirnblutung festgehalten. Das Porträt blieb unvollendet.
Die militärische Kapitulation Deutschlands folgte im Mai und trat am 8. Mai in Kraft. Die förmliche japanische Kapitulationsurkunde wurde am 2. September unterzeichnet. Bei Roosevelts Tod war noch keines der beiden Dokumente unterschrieben.
Die Konferenz von San Francisco begann am 25. April. Die Charta der Vereinten Nationen wurde am 26. Juni unterzeichnet und trat am 24. Oktober in Kraft. Seine Mitwirkung blieb in den Vorbereitungen erhalten. Viele andere betraten die Sitzungsräume, verhandelten Bestimmungen, unterschrieben und ratifizierten. Ihn als Mitgestalter zu nennen darf nicht zugleich heißen, ihre Namen wegzulassen.
Das Porträt hielt an jenem Tag inne. Die Sitzungen würden weitergehen. Andere würden eintreten, die Papiere aufnehmen, einen Satz hinzufügen, einen streichen. Dass die Arbeit weitergehen konnte, hieß nicht, dass an jenem Nachmittag nur ein Amtsinhaber verloren gegangen war. Der Mensch, der für dieses Bild gesessen hatte, konnte nicht noch einmal zurückkommen und sich eine Weile setzen.
Auch Jeanne d’Arc sah das Ende ihres Krieges nicht. Sie starb 1431; das Ende des Hundertjährigen Krieges wird gewöhnlich auf 1453 datiert. Jahrhunderte liegen zwischen den beiden Leben, doch an derselben Stelle halten wir inne: Ein Mensch hat kein Morgen mehr. Seine Arbeit hat noch eines.
Churchills späterer Abschied vom Amt war kein Schlusspunkt der Geschichte. Roosevelts Tod im Amt machte nicht jede öffentliche Frage zu einem Testament, das die Lebenden unverändert vollstrecken mussten.
Er war nicht mehr da. Auf dem Tisch lag eine weitere Seite.
Wer sie beschreiben und was sich ändern würde, blieb anderen zu entscheiden.
VII. Die Rampe
Einer von Roosevelts Rollstühlen war aus einem Esszimmerstuhl umgebaut worden. Seine schmale Form half ihm durch Türen und Flure. Rückenlehne, Räder, Platz zum Wenden: Nichts davon war eine Metapher.
Er gestaltete auch sein öffentliches Bild. Er bat die Presse, bestimmte Bewegungen und das Umsetzen nicht zu fotografieren. Viele Journalisten hielten sich daran, nicht alle. Daraus lässt sich nicht machen, er habe seine körperlichen Umstände niemals öffentlich benannt.
Am 1. März 1945 sprach er im Sitzen vor dem Kongress über Jalta. Zu Beginn erklärte er, ohne die zehn Pfund Stahlschienen an seinen Beinen lasse sich leichter sprechen. Dann folgten die Reise, der Krieg und die noch verhandelten internationalen Vereinbarungen. Dass er saß, nahm der Rede nicht ihren Inhalt.
Stehend zu erscheinen und etwas voranbringen zu können sind verschiedene Fragen.
Eine Rampe antwortet zuerst auf etwas Praktisches. Kommt dieser Stuhl hier durch? Ihr Benutzer braucht nicht erst seine Beine zu heilen. Auch muss nicht jede Bewegung Dankbarkeit für Hilfe ausdrücken. Am anderen Ende kann er weiterhin wählen, wohin er fährt.
Wer Sozialversicherung, Arbeitslosenunterstützung, Einlagensicherung oder Mindestlohn mit einer Rampe vergleicht, muss mehr sehen als eine sanft ansteigende Linie. Wo beginnt sie? Wohin führt sie? Wessen Arbeit wird von ihr nicht erreicht?
Der Fair Labor Standards Act von 1938 führte Mindestlohn- und andere Arbeitsstandards ein, mit Grenzen und Ausnahmen. Paragraph 14 erlaubte im ursprünglichen Gesetz sogar besondere Bescheinigungen für Löhne unter dem allgemeinen Minimum, wenn die Erwerbsfähigkeit einer Person als beeinträchtigt galt. Ein Mindestbetrag auf dem Papier stellte nicht alle auf dieselbe Linie.
Die Landarbeiter und Hausangestellten außerhalb der ursprünglichen Altersversicherung arbeiteten weiter und wurden älter. Der Ausschluss eines Berufs aus der Versicherung erlaubte keinem Leben, das Altern aufzuschieben.
Eine Rampe ist deshalb mehr als eine Leistung, die dem Geber gutgeschrieben wird. Für den Benutzer ist sie zuerst ein Stück befahrbarer Boden. Für jemanden, der nicht hinaufkommt, kann sie auch die Unterschiede zwischen den Eingängen sichtbarer machen.
Nicht nur auf das Dach schauen. An der Tür ist noch jemand.
VIII. Eleanor
Eleanor Roosevelt war Franklins Frau. Sie veröffentlichte, reiste und begegnete Menschen auch unter ihrem eigenen Namen.
1943 besuchte sie das Lager für japanischstämmige Amerikaner in Gila River, Arizona. In ihren öffentlichen Texten widersprach sie der Vorverurteilung von Nachbarn aufgrund ihrer Abstammung. Sie schrieb über Menschen, die sich von Eigentum trennen mussten und das Lager nicht verlassen konnten, um sich um ihre Geschäfte zu kümmern. Sie blieb nicht nur im Büro ihres Mannes.
Doch ihr Artikel „A Challenge to American Sportsmanship“ aus jenem Jahr enthält noch etwas anderes. Sie übernahm die behördliche Trennung zwischen „loyal“ und „illoyal“, lobte Teile der Umsiedlungsverwaltung und erklärte die Lagerhaft als Sicherheitsmaßnahme im Krieg. Der Widerspruch gegen rassistische Vorurteile und die Zustimmung zu diesen Begründungen standen in demselben Text.
Das Blatt ist nicht ohne Falten. Sie forderte die Leser auf, japanischstämmige Amerikaner als Einzelne zu betrachten, während sie manchen den Weg aus dem Lager erst jenseits einer Loyalitätsprüfung eröffnete. Die Menschen, um die es ging, würden Verschiedenes in diesen Sätzen hören.
Unterdessen wurde an Studienmöglichkeiten außerhalb der Lager gearbeitet. Der National Japanese American Student Relocation Council, 1942 unter Beteiligung des American Friends Service Committee und von Hochschulen gegründet, half Studierenden, ihre Ausbildung außerhalb der Westküste fortzusetzen. Einschreibung, aufnehmende Hochschule, Kosten, Ausreisegenehmigung: Eine Verbindung nach der anderen musste hergestellt werden. Ein solcher Weg entstand nicht schon dadurch, dass eine First Lady einem Präsidenten etwas sagte.
Am anderen Ende warteten auch nicht einfach Menschen darauf, untergebracht zu werden. Die Katalogzusammenfassung eines an der University of the Pacific erhaltenen Briefs vom März 1943 beschreibt Mabel Sugiyamas Empfinden, bei ihren Eltern bleiben zu müssen. Ein Studium fortzusetzen war eine Frage. Die Lage der weiterhin im Lager lebenden Familie eine andere. Wir können ihr beides nicht zu einer problemlosen Abreise zusammenziehen.
Jenseits der Räume des Präsidentenpaares werden weitere Schreibtische sichtbar. Eleanor schreibt einen Artikel. Der Rat nimmt Kontakt mit einer Universität auf. Eine Studentin wägt ab, was ihre Abreise für die Familie bedeuten würde. Damit ein Ausweg entsteht, müssen Menschen, die nicht im selben Zimmer sitzen, jeweils den nächsten Schritt tun.
Im Dickens-Essay bewahrte Catherine die Briefe. Sie war kein Blatt, das von einem Riss verschluckt wurde. Eleanor war ebenso wenig nur damit beschäftigt, das Bild ihres Mannes auszubessern. Um einer der beiden Frauen zu begegnen, müssen wir sehen, was sie behielt, was sie schrieb, wohin sie ging.
Jemand schreibt einen Brief. Jemand liest ihn. Jemand richtet einen Platz ein. Jemand kann noch nicht fort.
Einen Weg passierbar zu machen ist Arbeit, die weitergeht.
IX. Architektur
Was Roosevelt an Architektur hinterließ, begegnet uns an kleinen Stellen.
Ein Berufsfeld auf einem Formular. Die Versicherung hinter einem Bankschalter. Eine Akte über einen Bauzuschuss. Neben dem Lohnzettel eine Regelung, die gilt oder nicht gilt. Nichts davon braucht Ziegelwände, um den Verlauf eines Tages zu verändern.
Solche Einrichtungen können ihre Urheber überleben, ohne sich der Prüfung zu entziehen. Papiere werden neu geschrieben. Straßen müssen ausgebessert werden. Menschen fragen weiter nach dem Eingang.
Stellen wir ihn uns jetzt auf dieser Brücke vor.
Ein weiterer Mensch ist angekommen. Er sitzt im Rollstuhl, die Hände an den Greifreifen. Neben ihm liegt ein Füller.
Darin sind zwei Tinten. Die eine erinnert an die Gesetze des New Deal, die andere an die Executive Order 9066. In diesem erfundenen Füller haben sie sich nicht zu einer Farbe vermischt, die beide Akten verdünnt.
Sokrates steht auf der Lichtung. Platon hockt über seinen Plänen. Hume sitzt an seinem Backgammonbrett. Schopenhauer schaut unter die Brücke. Kierkegaard hat seinen Sprung getan. Turing betrachtet den Apfel in seiner Hand. Tschechow lehnt am Geländer. Cantor schaut zum Himmel. Kopernikus hat sein Buch abgelegt und ist gegangen. Sartre geht mit seiner Pfeife auf und ab. Beauvoir hält einen Spiegel. Quine hat leise einen Satz gesagt.
Tesla lauscht einem Summen. Edison hält eine unbeleuchtete Glühbirne. Heisenbergs Ort ist unbestimmt. Bohr hält einen nicht abgeschickten Brief. Tolstoi steht Tschechow mit seinem Rezept gegenüber. Shakespeare ist nicht da: Er ist das Wasser unter der Brücke. Spinoza hat Glasstaub an den Händen. Aristoteles hockt da und verlegt den Boden. Faraday hebt eine Diele. Maxwell steht und schreibt Gleichungen.
Jeanne d’Arc trägt Feuer über der Brücke. Wilde steht mit selbstverständlicher Eleganz da, jenen Satz in der Hand. Ramanujan ist halb aus einem Spalt hervorgekommen. Oppenheimer geht mit seiner Last aus Asche weiter. Charlotte hält eine Feder. Emily ist im Moor jenseits der Brücke; von dort kommt der Wind. Boltzmann hält den Stein mit seiner Gleichung im Arm. Van Gogh hat Farbe auf der Kleidung, von seinen Pinseln tropft es noch. Dickens steht über dem Riss, Feder und Streichholzschachtel weiter in den Händen. Churchill trägt die Flagge und hält in der anderen Hand eine Feder.
Roosevelt schaut zu Churchill. Der Rand der Fahne bewegt sich. Der Mann, mit dem er einst über den Atlantik hinweg einen Krieg durchstand, steht nun hier auf der Brücke. Roosevelt legt die Hände wieder an die Greifreifen. Der Stuhl rückt ein Stück vor.
In der Ferne steht Kant.
Vor dem Rollstuhl liegt eine Rampe. Der Teil, an dessen Bau Roosevelt mitgewirkt hat, schließt an den von anderen verlegten Boden an. Die Fuge ist sichtbar. Kein Schild erklärt die Straße für fertig.
Er legt Druck auf die Greifreifen und schiebt an. Der Stuhl bewegt sich die sanfte Steigung hinauf. Auch im Sitzen wählt jemand eine Richtung.
Der Füller liegt noch neben ihm. Menschen, die ein bestimmter Schutz nicht erreicht hat, Menschen, denen einst das Verlassen ihrer Wohnung befohlen wurde, verschwinden nicht aus den Akten, weil dieser Stuhl hier vorbeikommt.
Unter Dickens’ Füßen raschelt Papier. Hume bewegt einen Stein. Der Wind von Emilys Moor verfängt sich in der Flagge auf Churchills Schulter. Auf der Rampe ist mehr als eine Art Bewegung zu hören.
Roosevelt hält an, dann schiebt er weiter. Niemand verlangt, dass er aufsteht, damit sein Vorankommen wirklich zählt. Kant bleibt in der Ferne und erklärt den Weg der anderen nicht für beendet.
Was Roosevelt mitgebaut hat, reicht zu Orten, die er nicht mehr erreichte. Wer später kommt, muss den Weg zurücklegen, reparieren und manchmal eine andere Strecke wählen.
Was er mit aufgebaut hat, gelangt weiter als er selbst.
Lesehinweise und Quellen
Die Arbeitslosenzahl ist eine Jahresschätzung für die Erwerbsbevölkerung 1933. Smiths öffentliche Aufgaben, die verschiedenen New-Deal-Behörden und ursprünglichen Ausschlüsse folgen den Texten und institutionellen Darstellungen. Kein Einzelner hat das ganze Haus gebaut.
Erlass 9066, militärischer Ausschluss, Zwangsumsiedlung und Haft sind verschiedene Schritte. Korematsu betraf eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen einen Ausschlussbefehl; Endo die Befugnis, eine als loyal anerkannte Bürgerin weiter festzuhalten. Entschuldigung und Entschädigung von 1988 hatten gesetzliche Voraussetzungen und machten nicht jeden Verlust rückgängig.
Eleanors Artikel von 1943 widerspricht rassistischen Vorurteilen und übernimmt zugleich Teile der Rechtfertigung der Umsiedlung. Sugiyamas Verhältnis zu ihren Eltern wird nach einer universitären Katalogzusammenfassung dargestellt, nicht als Briefzitat. Die Studienvermittlung war gemeinsame Arbeit vieler Beteiligter.
Die Rampe zwischen körperlicher Erfahrung und Politik ist ein Vergleich, keine psychologische Diagnose. Tod, Kapitulationsurkunden und UN-Gründung haben unterschiedliche Daten. Brücke und zwei Tinten in Abschnitt IX sind erfunden: Verdienste tilgen keine Verletzungen, und ein Mensch mit Behinderung muss nicht stehen können, um passieren zu dürfen.
Antrittsrede vom 4. März 1933 · FDR Library, Angaben zur Weltwirtschaftskrise · Buch IV, Kapitel II; Buch V, Kapitel I, Teil III · Federal Reserve History, „Banking Act of 1933“ · SEC, Gesetze und Vorschriften · Social Security Act von 1935 · historische Darstellung der SSA · PWA-Bestand RG 135 · WPA-Bestand RG 69 · Biografie · Kinderlähmung, Rehabilitation und Mobilität · Darstellung der Präsidentschaft · 22. Verfassungszusatz · Executive Order 9066 und Darstellung der National Archives · historischen Materialien der FDR Library · Korematsu v. United States, 323 U.S. 214 (1944) · Ex parte Endo, 323 U.S. 283 (1944) · Civil Liberties Act von 1988, Public Law 100-383 · Radioansprache über das Bankwesen vom 12. März 1933 · britische Wahlregister · Churchills parlamentarischer Index · Darstellung des National WWII Museum · Historische Stätte Little White House · Today in Georgia History, 12. April 1945 · Portrait Society of Atlanta über Shoumatoff · Deutsche Kapitulationsurkunde · japanische Kapitulationsurkunde · Kongressrede vom 1. März 1945 · UN-Gründungsgeschichte · Charta-Transkription · Hinrichtung und Nachgeschichte des biografischen Eintrags · Archivtranskription des ursprünglichen Fair Labor Standards Act von 1938 · „A Challenge to American Sportsmanship“ · National Park Service · Ausstellungseintrag mit Material des AFSC · Katalog der University of the Pacific, Betty Emlen an Jean McKay, 8. März 1943, Nr. 150
Eigenständige deutsche Neufassung. Quellen, Zitate und ausführliche Anmerkungen in der chinesisch-englischen Originalausgabe。