Literatur und Kultur · Aldous Huxley, Schöne neue Welt
Schöne neue Welt neu lesen
Gemachtes Begehren, lückenlose Erleichterung und das Recht auf ein unvorbereitetes Leben
Der Weltstaat hält die Menschen nicht vor allem mit sichtbarer Gewalt an ihrem Platz. Er produziert Körper, Vorlieben und Abneigungen so, dass jede Kaste ihre Funktion als eigenen Geschmack erlebt. Das macht Zufriedenheit politisch zweideutig, nicht wertlos.
Vier Essays lesen die Brut- und Normzentrale, Soma, Bernard und Helmholtz sowie das Gespräch zwischen John und Mustapha Mond als zusammenhängendes Problem: Wie lässt sich Leid mindern, ohne zugleich die Instanz zu beseitigen, die über Sinn und Risiko des eigenen Lebens urteilen soll?
- Essay 1 von 4Dazu gemacht, den eigenen Platz zu liebenDie Kasten werden nicht nur zu ihrer Arbeit gezwungen. Körper und Wünsche werden rückwärts von einer fertigen Stellenbeschreibung her entworfen.
- Essay 2 von 4Ein Gramm – und die Frage verschwindetSoma beseitigt nicht bloß Unbehagen. Es unterbricht den Zeitraum, in dem Unbehagen zu Erinnerung, Sprache und Urteil werden könnte.
- Essay 3 von 4Der eine will hinein, der andere passt nichtBernards Kränkung verlangt einen besseren Rang; Helmholtz spürt eine Fähigkeit, für die der Weltstaat überhaupt keinen Gegenstand bereithält.
- Essay 4 von 4Er fordert das Recht auf schlechte DingeJohn verlangt kein Leiden um des Leidens willen, sondern ein Leben, dessen Risiken und Bedeutungen nicht vollständig für ihn vorentschieden sind.