Professionell zu handeln heißt, Zusagen einzuhalten, Gefühle nicht ungefiltert an anderen auszulassen und trotz Meinungsverschiedenheiten kooperationsfähig zu bleiben. Persönliche Echtheit entschuldigt weder Herabsetzung noch Willkür.

Mitunter wird derselbe Begriff zum Schweigegebot. Erst soll Kritik sachlich sein, später gilt schon ihr Vorhandensein als unreif. Aus der Aufforderung, nicht anzugreifen, wird die Forderung, das Problem nicht mehr zu benennen.

Als ideal gilt dann, wer keine Reibung erzeugt: fremde Ziele übernimmt, Folgen nicht gewählter Entscheidungen trägt und Unbehagen als Einstellungsfehler behandelt. Die Organisation stellt Urteilskraft ein und entfernt sie anschließend zugunsten einfacher Steuerbarkeit.

Natürlich muss eine Debatte irgendwann in gemeinsames Handeln übergehen. Eine Entscheidung auszuführen ist dennoch nicht dasselbe, wie sie gutzuheißen. Wer entschieden hat, welche Bedenken bleiben und wann überprüft wird, kann offen benannt werden.

Wirkliche Professionalität prüft das eigene Urteil an Tatsachen und kann es ändern. Eine reife Organisation sucht nicht bloß Folgsamkeit. Sie lässt zu, dass Menschen die Arbeit ernst nehmen und zugleich über das sprechen, was ihr schadet.