Eine späte Nachricht ist zunächst die Ausnahme. Bald gelten schnelle Antworten als Einsatzbereitschaft und Schweigen als mangelnde Kollegialität. Ohne dass eine neue Regel beschlossen wurde, wird die Grenze des Arbeitstags porös.
Rufbereitschaft und Notdienste können notwendig sein. Dann brauchen sie Beginn, Ende, Verteilung, Ausgleich und echte Ruhezeiten. Ein geordneter Bereitschaftsdienst ist etwas anderes als die Erwartung, immer ein Auge auf das Telefon zu haben.
Die Belastung besteht nicht nur aus den Minuten des tatsächlichen Einsatzes. Wer jederzeit mit einer Unterbrechung rechnet, kann weder vollständig abschalten noch zuverlässig für andere da sein. Der Betrieb erhält Aufmerksamkeit, die in keiner Zeiterfassung erscheint.
In einer Krise mehr zu leisten kann Ausdruck guter Zusammenarbeit sein. Doch eine Ausnahme braucht ein Ende. Freiwillige Hilfe von gestern darf nicht ohne Gespräch zum Mindeststandard von heute werden.
Ein verlässlicher Arbeitgeber sagt klar, wann Menschen gebraucht werden, und schützt ebenso klar die Zeiten, in denen sie nicht gebraucht werden dürfen. Gerade weil nicht jede Stunde geschuldet ist, kann in wichtigen Momenten freiwillig mehr entstehen.