Erwachsene sind sich über Geld, Regeln, Zeit oder Verwandtschaft nicht immer einig. Das Kind beobachtet den Umgang mit dieser Differenz, lange bevor es abstrakte Sätze über Kompromiss versteht.

Vollständige Einheit scheint Sicherheit zu geben. Muss dafür aber jemand sein Urteil verstecken, lernt das Kind, dass Stabilität die Selbstverkleinerung eines Menschen verlangt. Eine gemeinsame Entscheidung ist keine identische Meinung.

Ebenso schädlich ist die Rekrutierung des Kindes: „Du siehst doch, dass ich recht habe.“ Es erhält scheinbar Einfluss und zugleich die Last, eine von zwei wichtigen Beziehungen zu verletzen.

Erwachsene können verschiedene Sichtweisen anerkennen und ihre Entscheidung mitteilen. Betrifft sie das Kind unmittelbar, soll seine Stimme zählen, ohne dass es den Konflikt der Erwachsenen entscheiden muss.

Respekt zeigt sich auch darin, aus einem Streit keine Koalition gegen den Schwächeren zu bauen. Eine Familie kann ungelöste Unterschiede enthalten, ohne dass jemand für die Einheit verschwinden muss.