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NON DUBITO · Architektur · Westliche Architektur

Der Parthenon: Hinter den Säulen zieht ein weiterer Zug

Zwischen zwei mächtigen Säulen erscheint eine kleine Gruppe von Menschen und Pferden.

In diesem Essay
Blick am Parthenon nach oben: Der durchlaufende Fries liegt hinter den vorderen Säulen zurück.
Blick am Parthenon nach oben: Der durchlaufende Fries liegt hinter den vorderen Säulen zurück. Bildnachweis: In der angeführten Quelle ist kein Fotograf genannt. © 2018 Acropolis Museum. All rights reserved. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Zwischen zwei mächtigen Säulen erscheint eine kleine Gruppe von Menschen und Pferden. Die Figuren sind winzig und waagerecht aufgereiht; die großen Säulenschäfte steigen vom unteren Bildrand bis über ihre Köpfe. Im nächsten Säulenzwischenraum setzen sich Menschen und Pferde fort. Das lange Skulpturenband scheint von den Säulen in Stücke geschnitten zu werden und findet doch durch jede Lücke wieder zusammen.

Es handelt sich um eine Untersicht auf der offiziellen Website des Akropolismuseums. Am leichtesten erkennt man zunächst die kannelierten dorischen Säulen im Vordergrund. Komplex wird das Bild dadurch, dass hinter ihnen eine weitere Schicht liegt. Das Gebälk über der äußeren Säulenstellung, das zurückgesetzte Band aus Menschen und Pferden und die noch tiefer liegende Türöffnung befinden sich nicht in derselben Ebene. Das offizielle Foto ansehen

Oft bleibt der Parthenon als klare Silhouette im Gedächtnis: ein dreieckiges Dach, eine Reihe steinerner Säulen. Sein Reichtum liegt jedoch gerade darin, dass nicht alle Teile des Bauwerks im selben Rhythmus auftreten. Außen sind die Skulpturen auf einzelne Felder verteilt, weiter innen bilden sie ein durchgehendes Band, an beiden Enden fügen sich Figurengruppen in ein Dreieck. Die Säulen bringen diese unterschiedlichen Ordnungen zusammen und bestimmen zugleich, wie viel wir von ihnen sehen.

Der Athena geweihte Tempel steht auf der Athener Akropolis. Der Hauptbau entstand zwischen 447 und 438 v. Chr., die Giebelskulpturen waren 432 v. Chr. vollendet. Architekten waren Iktinos und Kallikrates; Pheidias leitete das gesamte Bauvorhaben und das Skulpturenprogramm. Der heutige Bestand hat Umnutzungen zur Kirche und Moschee, die Explosion von 1687 sowie neuzeitliche Restaurierungen durchlaufen. Die Offenheit, die Lücken und die freiliegenden Steinflächen auf den Fotos sind vor diesem geschichtlichen Hintergrund zu betrachten. Akropolis-Restaurierungsdienst: der Parthenon

1 Um die Ecke setzt sich die Säulenreihe fort

Zunächst nehmen wir etwas Abstand. Die schräge Gesamtansicht des Museums zeigt eine kurze und eine lange Seite zugleich. An der kurzen Seite stehen die Säulen frontal nebeneinander, an der langen rücken sie in der Ferne optisch immer enger zusammen. Keine senkrechte Fuge trennt an der Ecke zwei Fassadenbilder. Dieselbe Ecksäule nimmt beide Richtungen auf; auch das waagerechte Gebälk darüber biegt hier um. Die schräge Gesamtansicht ansehen

Schrägansicht des Parthenon: Eine Ecksäule verbindet Schmalseite und Längsseite.
Schrägansicht des Parthenon: Eine Ecksäule verbindet Schmalseite und Längsseite. Bildnachweis: In der angeführten Quelle ist kein Fotograf genannt. © 2018 Acropolis Museum. All rights reserved. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Die Säulenstellung bildet damit einen äußeren Ring um das Bauwerk. An den beiden Enden stehen jeweils acht, an den Längsseiten jeweils siebzehn Säulen: Das ist die tatsächliche Anordnung. Dass sie auf dem Foto nach hinten kleiner und dichter erscheinen, liegt dagegen am Aufnahmestandpunkt. Beides wirkt zusammen: Wir erkennen wiederholte Einheiten und sehen zugleich, wie weit diese Reihe reicht.

Betrachten wir nun die oberen Säulenenden. Der kannelierte Schaft endet unter einem breiteren Kapitell, darüber liegt ein kräftiger waagerechter Balken. Senkrechte Glieder steigen nebeneinander auf, waagerechte Schichten setzen sich darüber fort. Doch die Steinsäulen tragen nicht unmittelbar das kleine Skulpturenfeld. Zwischen Säule und Skulptur liegt zunächst ein vergleichsweise glattes Steinband.

Diese glatte Schicht erfüllt eine wichtige Aufgabe. Sie hält die Längsrillen der Schäfte vorübergehend an und schafft einen waagerechten Abschluss, bevor die gemeißelten Figuren beginnen. Die Schichten des Bauwerks schließen aneinander an und behalten dennoch ihren eigenen Maßstab. Wer alle Steine als eine einzige Fülle klassischer Ornamentik betrachtet, übersieht leicht diese Übergänge.

Der äußere Ring ist auch nicht die Wand der Cella. In der aufgeschnittenen Rekonstruktionszeichnung des Museums sind Teile der Säulen, Wände und Dächer weggelassen, sodass der Abstand sichtbar wird: außen die Säulenstellung, innen erst die feste Umfassung von Kultbild und Räumen. Die ausgelassenen Teile dienen der zeichnerischen Erklärung. Sie zeigen keine Öffnungen, die zu einer bestimmten Zeit tatsächlich bestanden hätten. Die aufgeschnittene Rekonstruktion des Museums ansehen

Aufgeschnittene Rekonstruktionszeichnung mit äußerem Säulenkranz, Cella und Skulpturenbändern; keine Aufnahme des heutigen Zustands.
Aufgeschnittene Rekonstruktionszeichnung mit äußerem Säulenkranz, Cella und Skulpturenbändern; keine Aufnahme des heutigen Zustands. Bildnachweis: Zeichner nicht genannt. © 2018 Acropolis Museum. All rights reserved. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Durch diesen Zwischenraum erhält der Zug hinter den Säulen im Anfangsbild eine räumliche Erklärung. Die Menschen und Pferde drängen sich nicht auf die Kapitelle. Sie gehören zu einer zurückliegenden Schicht des Bauwerks.

2 Außen einzelne Felder, innen ein fortlaufendes Band

Zurück zur Untersicht: Folgen wir dem äußersten Gebälk in waagerechter Richtung. Schmale Blöcke mit senkrechten Rillen wechseln mit breiteren, annähernd quadratischen Figurenfeldern. Die schmalen heißen Triglyphen, die breiten Metopen. Hier entspricht nicht jeder Säule ein Skulpturenfeld. Auch über den Säulenzwischenräumen stehen Triglyphen; über den größeren Takt der Säulen legt sich eine feinere Einteilung.

Die Metopen gliedern die Skulptur in begrenzte Szenen. An der benachbarten Triglyphe trifft der Blick auf ein kurzes Stück senkrecht gegliederten Steins mit weniger figürlicher Abwechslung, bevor er in die nächste Szene gelangt. Die Figuren können sich drehen, strecken und kämpfen; die Architektur bewahrt zwischen ihnen klare Trennungen.

Die offizielle Museumsbroschüre von 2022 enthält ein Foto der neunten Südmetope. Ein ausgestrecktes Bein durchquert das Bild, in der Mitte fallen Gewandfalten nach unten, die Köpfe liegen auf verschiedenen Höhen. Der Steinrahmen ist nahezu quadratisch, während die Körper darin diagonale und waagerechte Spannungen erzeugen. Das fotografierte Ausstellungsstück verbindet originale Fragmente mit ergänzten Replikateilen. Zunächst geht es darum, wie dieser Kampf ein einzelnes Feld ausfüllt. Seite 15 der PDF-Broschüre ansehen

Ausstellung der südlichen Metope IX, zusammengesetzt aus Originalfragmenten und ergänzten Kopien.
Ausstellung der südlichen Metope IX, zusammengesetzt aus Originalfragmenten und ergänzten Kopien. Bildnachweis: Acropolis Museum Archive. © Acropolis Museum 2022. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Das Verhältnis von Begrenzung und Bewegung lässt sich nicht allein mit „Ordnung“ beschreiben. Die Felder halten benachbarte Szenen unterscheidbar, während die Haltungen im Inneren jedem Innehalten etwas Eigenes geben. Insgesamt besaß der Tempel zweiundneunzig Metopen. Sie verteilten mythologische Kämpfe über den äußeren Ring; viele Szenen an der Südseite zeigen den Kampf zwischen Lapithen und Kentauren. Offizielle Parthenon-Seite: Architektur und Skulptur

Das zurückgesetzte Reliefband geht anders vor.

Es läuft um die Außenseite der Cella und über die inneren Vorhallen an beiden Enden, ohne dass Triglyphen die Menschenmenge immer wieder unterbrechen. Auch dieses Relief ist aus Steinblöcken zusammengesetzt, doch die Ordnung des Zuges reicht über diese materiellen Fugen hinweg. Menschen, Pferde, Wagen und Teilnehmer einer Zeremonie breiten sich auf der Bandfläche aus. Meist wird die Darstellung als Panathenäenzug verstanden.

In der Rekonstruktionszeichnung lassen sich beide Systeme gut unterscheiden. Außen wechseln blaue senkrechte Blöcke mit kleinen Figurenfeldern, weiter innen verläuft ein zusammenhängendes Figurenband. Die Farben helfen, die Schichten der Zeichnung zu erklären. Sie sind nicht als vollständige Rekonstruktion sämtlicher antiker Farbfassungen zu verstehen.

Das Foto fügt etwas hinzu, das die Zeichnung nicht behandeln muss: Von einem bestimmten Standpunkt aus verdecken die nahen Säulenschäfte das durchgehende Band. Wir wissen, dass es sich nach beiden Seiten fortsetzt, sehen es aber nur abschnittsweise. Die Kontinuität am Bauwerk ist somit etwas anderes als eine Kontinuität, die man auf einen Blick erfassen kann. Letztere wird von der Säulenstellung im Vordergrund gefiltert.

Keiner dieser Rhythmen hebt einen anderen auf. Die äußeren Metopen bieten deutliche Pausen, das innere Band lockt den Blick seitwärts weiter, die nahen Säulen unterbrechen diese Verfolgung. Der Reichtum des Parthenon entsteht aus solchen parallelen Ordnungen, die nicht im Gleichschritt verlaufen.

3 Im Dreieck folgt nicht ein Feld auf das nächste

An den beiden Enden lässt das Dach eine dritte Form für die Skulptur frei: den Giebel.

In der Rekonstruktion liegt er über der äußeren Säulenstellung. Seine waagerechte Basis und zwei Schrägseiten umschließen ein Dreieck. Er gleicht weder einer Metope, auf die ein gleiches Feld folgt, noch einem durchgehenden Fries, der um die nächste Seite biegen kann. Hier gibt es eine Mitte und zwei Enden; zu den Ecken hin nimmt die verfügbare Höhe ab.

Damit stellt sich für die Figurengruppe eine andere Ordnungsaufgabe. In der Mitte haben höhere Körper Platz. Bei der Ausbreitung nach beiden Seiten müssen sich ihre Haltungen auf eine immer niedrigere Begrenzung beziehen. Sitzen, Lagern oder waagerechtes Ausstrecken ermöglicht es den Figuren, ihre Körpergröße beizubehalten und zugleich verschieden hohe Stellen einzunehmen. Die Ordnung des Dreiecks wird durch ihre Körperhaltungen sichtbar.

Der Ostgiebel zeigt Athenas Geburt, der Westgiebel ihren Streit mit Poseidon um die Schutzherrschaft über Athen. Die beiden Themen besetzen die Stirnseiten des Tempels. Sie ordnen nicht jeder Säule noch eine Gottheit zu, sondern fassen jeweils das ganze Ende zu einer Szene mit einer Mitte und zwei sich öffnenden Flügeln zusammen.

Am erhaltenen Bau sind die Giebel unvollständig. Eine Gesamtansicht erlaubt nicht, den ursprünglichen Platz jeder Figur zu ergänzen. Ein Ausstellungsfoto des Akropolismuseums bietet einen anderen Vergleich: Die riesigen Figuren, die einst hoch oben standen, sind nun auf niedrigen Podesten angeordnet. Einige Körper liegen waagerecht, manche Fragmente werden von Stützen aufgerichtet, und ein Pferdekopf aus einer Ecke ragt weit unten hervor. Figuren und Säulen in der Ausstellung ansehen

Galerie des Akropolismuseums: Giebelfiguren auf niedrigen Sockeln, ein Pferdekopf ragt an der Ecke vor.
Galerie des Akropolismuseums: Giebelfiguren auf niedrigen Sockeln, ein Pferdekopf ragt an der Ecke vor. Bildnachweis: In der angeführten Quelle ist kein Fotograf genannt. © 2018 Acropolis Museum. All rights reserved. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Im Museum hat sich das Höhenverhältnis zwischen Figuren und Betrachtern verändert. Länge, Dicke und Bruchflächen der Körper lassen sich leichter erkennen. Zugleich müssen wir die Schrägseiten, die nicht mehr über ihnen liegen, wieder mitdenken. Einen gesenkten Pferdekopf können wir für sich als Haltung betrachten oder gedanklich an das Ende des Dreiecks zurückversetzen und verstehen, wie er einen immer niedrigeren Raum einnimmt.

Der Giebel ist dann nicht mehr nur das dreieckige Erkennungszeichen eines klassischen Bauwerks. Er weist einer ganzen Gruppe von Körpern ihre Plätze zu.

4 Welche Schicht wird im Museum deutlicher?

Das Ausstellungsfoto zeigt alle drei Skulpturenarten zugleich, übernimmt aber nicht ihre antiken Höhenlagen. Metopen hängen zwischen Stahlstützen, das durchgehende Relief verläuft am dahinterliegenden Kern, die Giebelfiguren stehen tiefer. Die schlanken Stahlstützen bewahren einen Hinweis auf den äußeren Ring. Das lange Band dahinter und die quadratischen Felder davor bleiben getrennt erkennbar. Die Ecke der Ausstellung ansehen

Galerieecke: Metopen zwischen Stahlsäulen, dahinter der durchlaufende Fries und darunter die Giebelfiguren.
Galerieecke: Metopen zwischen Stahlsäulen, dahinter der durchlaufende Fries und darunter die Giebelfiguren. Bildnachweis: In der angeführten Quelle ist kein Fotograf genannt. © 2018 Acropolis Museum. All rights reserved. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Nach Angaben des Museums entspricht der Kern in Ausrichtung und Abmessungen der ursprünglichen Cella. Der Fries wurde für die Betrachtung niedriger angebracht; die Präsentation verbindet Originale der eigenen Sammlung mit Gipsabgüssen von Teilen, die in anderen Museen liegen. So gewinnen verstreute Skulpturen ihre räumlichen Beziehungen zueinander zurück. Der antike Tempel wird dadurch nicht vollständig ins Innere versetzt. Akropolismuseum: Parthenon-Galerie

Heute können wir in der Ausstellung ein Gesicht, ein Pferd oder eine Gewandfalte aus vergleichsweise geringer Entfernung erkennen. Zugleich lohnt es sich, an den Abstand im architektonischen Anfangsbild zu denken: Das Figurenband lag ursprünglich hinter den Säulen, hoch unter dem Gebälk. Die Details der Skulptur und ihre Erscheinungsweise im Bauwerk verlangen jeweils Nähe und Abstand.

Auch der Schutz der Werke erklärt die Versetzung von Originalen. Der Akropolis-Restaurierungsdienst dokumentiert, dass der Westfries 1992–1993 abgenommen, konserviert und am Bau durch Kunststeinkopien ersetzt wurde. Wenn ein Bild am Gebäude weiterbesteht, heißt das also nicht, dass jeder sichtbare Reliefblock noch antiker Originalstein ist. Original und ursprünglicher Standort müssen heute unter Umständen getrennt aufgesucht werden. Akropolis-Restaurierungsdienst: abgeschlossene Maßnahmen und Konservierung des Westfrieses

Sehen wir zuletzt noch einmal auf die Untersicht. Die Rillen der nahen Säulenschäfte sind lang, die Bewegungen der Menschen und Pferde dahinter klein. Über den Kapitellen liegt das in Felder gegliederte äußere Gebälk, innerhalb der Säulenzwischenräume verläuft der durchgehende Zug. Wiederholung, Pause und Fortsetzung sind im selben Bild nicht zu einer einzigen gleichmäßigen Ordnung geglättet.

Der Parthenon setzt Skulpturen an unterschiedliche architektonische Grenzen und macht diese Grenzen zueinander sichtbar. Die Säule, die einige Figuren verdeckt, ist kein überflüssiges Hindernis im Bild. Gerade sie lässt uns erkennen, dass sich der Zug dahinter befindet.

Optionale Weiterlektüre | Eine Ecksäule und die Rückseite eines Steins

SAE (Self-as-an-End) kann für diese Betrachtung zwei weitere konkrete Wege eröffnen.

Han Qins „Both Answers Are Right. Why Is This One Beautiful?“ (englischer Essay) unterscheidet zwischen dem Erreichen eines Ergebnisses und dem Sichtbarwerden der Beziehungen, auf denen es beruht. Wer die Säulen an allen vier Seiten des Parthenon zählt, erhält mit zweimal acht plus zweimal siebzehn fünfzig. Tatsächlich stehen im äußeren Ring jedoch nur sechsundvierzig. Jede der vier Ecken wurde doppelt gezählt.

Kehren wir zur schrägen Gesamtansicht zurück und suchen jene Ecksäule, die gleichzeitig zur kurzen und zur langen Seite gehört. Sechsundvierzig muss kein zusätzlich auswendig gelerntes Wissen sein. Die Zahl lässt sich aus dem gemeinsamen Gebrauch eines Standorts durch zwei Seiten neu herleiten. Diese kleine Rechnung entscheidet nicht über Schönheit oder Hässlichkeit des Bauwerks. Sie macht aus dem Knick im Umriss aber eine bestimmte Säule, die zwei Anordnungen gemeinsam nutzen.

Der andere Weg geht von Han Qins „The Wood Still Holds That Dry Year“ (englischer Essay) aus. Der Text fragt, wie Vergangenes durch seine Wirkungen auf Material bis in die Gegenwart reicht, statt zu jeder Spur beliebig eine Geschichte zu erfinden.

Auf den Seiten 16–17 der offiziellen Broschüre stehen der erhaltene dicke Steinrest des dritten Südfriesblocks und eine Reproduktion seines Reliefbildes nebeneinander. Laut Museum trennten Elgins Leute die relieftragende Vorderseite ab und ließen die Rückseite in Athen. Betrachten wir den Stein ohne Reiter noch einmal: Er gehörte einst mit der Fläche, auf der die Reiter erscheinen, zu demselben dicken Stück Material. Ein Fragment, das auf dem Foto nur Hintergrund zu sein scheint, erhält dadurch seinen Zusammenhang mit dem Bauwerk zurück. PDF-Seiten 16–17 der Broschüre ansehen

Südfries, Block III: Die offizielle Fotomontage verbindet das in Athen verbliebene Steinrückstück mit einem Gipsabguss der Vorderseite.
Südfries, Block III: Die offizielle Fotomontage verbindet das in Athen verbliebene Steinrückstück mit einem Gipsabguss der Vorderseite. Bildnachweis: Acropolis Museum Archive; layout/illustration: BOB Studio. © Acropolis Museum 2022. Quelle / vollständiges Bild. Eine Genehmigung zur Wiedergabe wurde nicht eingeholt.Gebäude und Abbildungen auf der offiziellen Seite ansehen ↗

Diese Herkunft wird durch die Sammlungsbeschreibung bestätigt. Aus Farbunterschieden oder einer einzelnen Bruchfläche lässt sie sich nicht erschließen. Nach ihrer Klärung wird etwas Konkretes zusätzlich sichtbar: Die Kontinuität des Bandes wurde nicht nur durch Bilder getragen, sondern auch durch die Folge dicker Steinblöcke. Heute können sogar Vorder- und Rückseite desselben Steins an verschiedenen Orten liegen.


Bilder und Quellen

Dieser Text beruht auf der genauen Betrachtung von Architekturfotos, einer aufgeschnittenen Rekonstruktion, Ausstellungsfotos und der offiziellen Broschüre von 2022 des Akropolismuseums. Er ist kein Vor-Ort-Bericht. Die Website nennt nicht zu jedem Foto ein Aufnahmedatum. Baueinrichtungen, Schäden und Ausstellungszustände im Text beziehen sich nur auf diese Bilder; sie geben nicht den aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten im Jahr 2026 wieder. Die Schnittrekonstruktion erläutert räumliche Schichten. Sie ist keine in der Antike nach Anschauung angefertigte Zeichnung, und nicht sämtliche darin gezeigten Farben gelten hier als gesichertes ursprüngliches Erscheinungsbild.

Quellen (auf Englisch)

English

The temple building dates to 447–438 BCE and the pedimental sculptures were completed by 432 BCE. Eight and seventeen columns on the sides yield 46 distinct perimeter columns because the four corners are shared. Original sculptures and replacement casts are distinguished.

The linked institutional records provide historical and material context. Interpretive comparisons belong to the essay and are not claims about an architect’s unrecorded intentions.

1. www.theacropolismuseum.gr

2. www.ysma.gr

3. www.theacropolismuseum.gr

4. www.theacropolismuseum.gr

5. www.theacropolismuseum.gr

6. parthenonfrieze.gr

7. www.theacropolismuseum.gr

8. www.theacropolismuseum.gr

9. www.theacropolismuseum.gr

10. www.ysma.gr

11. nondubito.net

12. nondubito.net

13. www.theacropolismuseum.gr

14. www.theacropolismuseum.gr

15. www.theacropolismuseum.gr

16. parthenonfrieze.gr

Bildnachweise und Nutzung (auf Englisch)

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Credit: Acropolis Museum Archive; layout/illustration: BOB Studio

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