Der Zweite Weltkrieg und der Mensch als Zweck
Der Weg führt vom Eisenbahnwagen des Waffenstillstands von 1918 über den Untergang der Weimarer Republik und den totalen Krieg bis zur Öffnung der Berliner Mauer 1989. Die Reihe erzählt keine einfache Geschichte vom Sieg des Guten über das Böse und verwischt nicht die Unterschiede zwischen Verbrechen verschiedener Art und Größe.
Im Mittelpunkt steht eine institutionelle Frage: Wie weit geht ein System, sobald seine eigene Fortdauer wichtiger wird als die Menschen, um derentwillen es bestehen soll? Verfassungen, internationale Organisationen und Märkte können Menschen schützen. Sie können sie aber auch in Zahlen, Brennstoff, Geiseln oder austauschbare Teile verwandeln.
Für eine deutsche Erinnerungskultur ist dabei eine Grenze unverzichtbar: Erklären heißt nicht entschuldigen. Niederlage, Versailler Vertrag und Wirtschaftskrisen schufen keine Zwangsläufigkeit und entlasten weder Täter noch Mitläufer. Sie gehören zu den Bedingungen, unter denen konkrete Akteure konkrete verbrecherische Entscheidungen trafen.
- Essay 1 von 5Wie eine zivilisierte Gesellschaft in fünfzehn Jahren abstürzteWeimar war kein geradliniger Vorlauf zur Diktatur. Niederlage, Inflation, Arbeitslosigkeit, institutionelle Entscheidungen und nationalsozialistische Organisation wirkten zusammen, bis eine ausschließende Identität falsche Bedeutung versprach.
- Essay 2 von 5Wenn die Institution zum eigenen Zweck wirdVersailles, der Völkerbund, München und Weimar zeigen eine gemeinsame Tendenz: Wo der Schutz von Menschen die Fortdauer eines Systems gefährdet, kann institutionelle Selbsterhaltung als Vernunft erscheinen.
- Essay 3 von 5Vier Systeme, vier Weisen zu lebenNS-Deutschland, Sowjetunion, japanisches Kaiserreich und angloamerikanische Ordnungen instrumentalisierten Menschen auf verschiedene Weise. Der Vergleich setzt die Verbrechen nicht gleich, sondern untersucht ihre Korrekturfähigkeit.
- Essay 4 von 5Ein Versprechen auf den RuinenNürnberg, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Vereinten Nationen und der Wiederaufbau schrieben Menschenwürde in die Nachkriegsordnung ein, wendeten sie aber selektiv an.
- Essay 5 von 5Risse und LichtDie Berliner Mauer war das Eingeständnis eines Systems, das Menschen am Verlassen hindern musste. Ihre Öffnung bewies die Zerbrechlichkeit der Schließung, nicht den endgültigen Sieg einer menschenwürdigen Ordnung.