Das F, das er behielt
Im Elternhaus genügt ein Joint, damit das alte Urteil wieder gilt: Jesse ist der gescheiterte Sohn. Tatsächlich gehört er dem Musterschüler Jake. Jesse schweigt, lässt sich hinauswerfen und zertritt das Gras später, statt es zurückzugeben. Er weiß, dass jede Korrektur im bestehenden Familienbild als weitere Lüge erscheinen würde. Im früheren Zimmer liegt noch ein Chemietest mit der Note F und einer Karikatur von Mr. White. Der Lehrer, der ihn für unfähig erklärte, wird als Erster aus seinem technischen Potenzial wirkliche Kompetenz machen. Zugleich sorgt er dafür, dass dieses Wachstum nie ganz von seinem Urteil unabhängig wird. Das alte Blatt enthält bereits beide Seiten der späteren Beziehung: Bildung und Bindung.
Bildung in kontrollierten Dosen
Die Partnerschaft beginnt mit Erpressung: Koch mit mir, sonst liefere ich dich der DEA aus. Trotzdem ist das Lernen real. Aus Cap’n Cook wird ein Produzent, dessen Reinheit Gus und Mike respektieren. Das Problem ist nicht die Wissensmenge, sondern die mitgelieferte Freiheit. Sobald Jesse sich einem eigenen Stand nähert, verteilt oder entzieht Walter Vertrauen, Schuld und Zuneigung. Auch die Anrede bewahrt den Klassenraum: Jesse sagt bis zuletzt „Mr. White“, Walter nennt ihn beim Vornamen. Das Können ist erwachsen geworden, die Beziehung hält die alten Sitzplätze fest. Jesse kann seine Arbeit längst selbst beurteilen und wartet dennoch auf die endgültige Note desselben Lehrers, der ihn einst durchfallen ließ.
Gesehen werden und eine Wunde aufbewahrt wissen
Jane betrachtet Jesses Zeichnungen und spricht konkret über das, was auf dem Papier ist. Sie spendet keinen allgemeinen Trost, sondern erkennt eine bestimmte Arbeit an. Der gemeinsame Aufbruch bedroht deshalb Walters Zugriff. Als Jane erbricht und erstickt, streckt er die Hand aus und entscheidet sich, nicht zu helfen. Diese Wahrheit bewahrt er jahrelang auf und eröffnet sie in der Wüste, kurz bevor Jesse Folterern übergeben wird. Es ist kein Geständnis, denn Reparatur ist unmöglich. Die Mitteilung dient nur dazu, die tiefste Wunde im wirksamsten Moment zu treffen. Nähe vermittelt Wissen für Fürsorge; sie verrät ebenso präzise, wo ein Schlag den anderen am persönlichsten erreicht.
Der Hund war nicht krank
Nach Gales Tod erzählt Jesse in der Selbsthilfegruppe, er habe einen Problemhund eingeschläfert. Die anderen bieten Geschichten an, mit denen man weiterleben kann: Vielleicht litt das Tier, vielleicht veränderten Drogen das Urteil, Selbsthass bringt niemanden zurück. Jesse besteht darauf, dass der Hund nicht krank war. Er will Gales entsetztes Gesicht nicht in einer therapeutischen Lehre auflösen. Drew Sharps Tod erzeugt denselben Bruch. Walter und Todd verbuchen ihn als Kosten und arbeiten weiter; Jesse kann nicht essen oder schlafen. Das beweist weder Güte noch Unschuld. Er hat getötet und Gift hergestellt. Es bedeutet nur, dass die Toten nicht in einer Schublade bleiben, sobald eine nützliche Erklärung sie geschlossen hat.
Die Kette und die letzte Weigerung
Jacks Bande kettet Jesse ans Labor, ermordet Andrea vor seinen Augen und befestigt Brocks Foto über dem Arbeitsplatz. Gerade sein Bezug zu anderen wird zum wirksamsten Schloss. Im Finale schafft Walter eine Öffnung, und Jesse erwürgt Todd mit der Kette, die ihn hielt. Dann bekommt er einen Revolver und Walters Wunsch, erschossen zu werden. Jesse zielt, erkennt die tödliche Verletzung und senkt die Waffe: „Dann mach es selbst.“ Das ist keine Vergebung. Der eigene Rachewunsch fällt mit Walters letztem Befehl zusammen; Jesse wahrt den Unterschied, indem er auf die Tat verzichtet. Er flieht ohne wiedergewonnene Unschuld und nimmt Schuld wie Tote mit. Freiheit hat hier nur die minimale Form eines Ausgangs.